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Bunt gefärbte Ostereier liegen im Gras

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    Was hat das Ei mit Ostern zu tun?

    Eine bayerische Henne legt statistisch rund 290 Eier pro Jahr. Gerade um Ostern herum essen die Bayern besonders viele, meist bunt gefärbte Eier. Doch was hat das Ei eigentlich mit Ostern und dem Grund des Festes, der Auferstehung Jesu, zu tun?

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    Von
    • Martin Jarde
    • Stefanie Pütz

    Zu Ostern geht es meist tierisch zu: Der Hase bringt Hühner-Eier, und mancherorts wird Kuchen in Lammform gebacken. Das wichtigste Symbol des Osterfestes ist aber nach wie vor das Osterei.

    Seit über 1.000 Jahren ist das Ei mit Ostern verbunden

    Seit mehr als 1.000 Jahren sei das Ei mit Ostern verbunden, erläutert der Theologe und Brauchtumsexperte Manfred Becker-Huberti. Katholische Priester überreichten rot gefärbte Eier an Besucher der Osternacht. Die rote Farbe und die harte Schale symbolisierten das Leben im Grab Christi. "Damit stand das Ei für die Überwindung des Todes." Durch die Eierschale, die den Tod symbolisiert, blitzt neues Leben hindurch.

    Das Ei hatte im Volksglauben aber auch die Bedeutung des Segensspenders. Eine besondere Rolle kam dabei den Paten zu, die die Bürgschaft für das Leben ihrer Patenkinder übernahmen. Am ersten Osterfest legten sie zwölf unterschiedlich gefärbte Eier auf den Tisch - ein Symbol für die zwölf Stämme Israels. Jede Farbe stand für einen anderen Segenswunsch. Am Osterfest trug der Pate das Kind zum Tisch und beobachtete, nach welchem Ei und damit nach welchem Segensspruch es griff. Auch in den folgenden Jahren war es Brauch, dass die Paten Eier schenkten und so erneut den Segen weitergaben.

    Eierbringender Osterhase taucht im 17. Jahrhundert auf

    Dass der Hase bemalte Eier im Garten versteckt, die dann von Kindern am Ostermorgen im Moos gefunden werden, wird zum ersten Mal 1682 von dem Mediziner Georg Franck von Franckenau in der Abhandlung "De ovis paschalibus - von Oster-Eyern" erwähnt. Er beschreibt das Phänomen, dass der Osterhase in bestimmten deutschen Regionen Eier versteckt - und nennt es "eine Fabel, die man Simpeln und Kindern aufbindet".

    Christlicher Ursprung? Ei kommt in der Bibel kaum vor

    Ob sich das Ei ursprünglich von heidnischer Seite aus in die christliche Osterfeier hinein gemogelt hat oder ob es eine uralte theologische Berechtigung dazu hatte, darüber sind sich Kirchenvertreter uneinig. Fakt ist: In der Bibel kommt das Ei so gut wie nicht vor, was sich aus der Haltung der Christen zur Fruchtbarkeit ergibt, sagt der katholische Alttestamentler Gunther Fleischer.

    In den Mythen sei Fruchtbarkeit und Sexualität immer etwas, das in den göttlichen Bereich hinein gehöre und deshalb auch verehrt werde - von den antiken Göttinnen und Göttern bis hin zu den Fruchtbarkeitsgöttinnen im Hinduismus. "Im christlichen Bereich gibt es so etwas nicht, sondern hier schenkt Gott der Natur, der Schöpfung Fruchtbarkeit. Ohne dass die Fruchtbarkeit selbst Teil Gottes ist", erklärt der Theologe. "Und deshalb wird sie auch nicht verehrt, und deshalb spielt Fruchtbarkeit auch keine Rolle im Gottesdienst."

    Christentum: Das Ei ist Nahrungsmittel, kein Fruchtbarkeitssymbol

    Den entscheidenden Schritt machte bereits das Judentum, die Wurzel des Christentums, sagt Gunther Fleischer: Das Volk Israel begriff die Schöpfung und ihren Schöpfer radikal anders als die Völker um das Volk Israel herum. Wo lokale Gottheiten wie Baal oder Ishtar einen Teil ihrer eigenen Fruchtbarkeit gegen Opfer an die Menschen herausgaben, verschenkte Israels Gott sie aus freien Stücken.

    Die christliche Theologie betrachtet das Ei also nicht als heiliges Fruchtbarkeitssymbol, sondern schlicht als Nahrungsmittel. Dennoch fing sie im zwölften Jahrhundert an, das Ei in die Ostermesse zu integrieren. Damals entstand die feierliche Eierweihe, die "Benedictio ovorum".

    "Flüssiges Fleisch": Eierverbot in der Fastenzeit

    Aber warum gerade zur Osterzeit? Dafür gibt es zwei Gründe, erklärt Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti. Zum einen durfte man im Mittelalter in den Wochen vor dem Osterfest keine Eier essen. Sie galten als flüssiges Fleisch und waren deshalb während der vierzigtägigen Fastenzeit genauso verboten wie das Fleisch selbst. Zum anderen häufen sich aus rein biologischen Gründen im Frühling die Eier in den Hühnerställen.

    Erst nach Karfreitag war der Genuss von Eiern wieder erlaubt. Daher brachten Katholiken Eier an Ostern mit in die Kirche, um sie segnen zu lassen und dann auf nüchternen Magen zu verzehren.

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