BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR/Gerhard Brack

Vor 100 Jahren rief Kurt Eisner den Freistaat Bayern aus. So endete die jahrhundertealte Monarchie der Wittelsbacher - ohne Blutvergießen. An den Umsturz erinnert nun eine Ausstellung in der Münchner Rathausgalerie.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie
  • Artikel mit Audio-Inhalten

November 1918: Ausstellung "Die Freiheit erhebt ihr Haupt"

Vor 100 Jahren rief Kurt Eisner den Freistaat Bayern aus und beendete mit seinen Mitstreitern die jahrhundertealte Monarchie der Wittelsbacher – ohne einen Tropfen Blut zu vergießen. Daran erinnert nun eine Ausstellung in der Münchner Rathausgalerie.

Per Mail sharen
Von
  • Gerhard Brack

Genau 113 Künstler zeigen noch bis zum 24. November, was ihnen der Umsturz des Jahres 1918 heute bedeutet. Dazwischen gibt es Hörstationen etwa mit Musik von Konstantin Wecker, mit musikalischen Kunstwerken und Tafeln mit historischen Zitaten und Informationen. Nur 104 Tage lang dauerte die Regierungszeit des Pazifisten und unabhängigen Sozialisten Kurt Eisner. In dieser Zeit wurde die Demokratie in Bayern eingeführt, das Frauenwahlrecht, der Föderalismus, der 8-Stunden-Tag, die Sozialversicherung. Kurz: Es war so, wie es der Schriftsteller Heinrich Mann in seiner Trauerrede auf Kurt Eisner sagte:

"Die hundert Tage der Regierung Eisners haben mehr Ideen, mehr Freuden der Vernunft, mehr Belebung der Geister gebracht als die fünfzig Jahre vorher." Heinrich Mann

"Und vielleicht auch die 50 Jahre danach, wenn nicht sogar 100 Jahre danach", ergänzt der Künstler Wolfram Kastner, der für die Ausstellung eigens ein historisches Kunstkabinett zusammengestellt hat, das voller Überraschungen steckt.

Demokratie braucht viele

Der berühmte Maler Paul Klee war zum Beispiel Mitglied im Aktionsausschuss revolutionärer Künstler und wurde 1919 einer von mehreren Leitern des Kunstkommissariats.

"Kurt Eisner war ja nicht alleine. Es waren ganz viele dabei, die heute vergessen sind. Und man könnte ihnen eigentlich hier auf dem Marienhof ein Forum der Demokratie errichten, wo die Personen gewürdigt werden, die wirklich für die Demokratie ihr Leben einsetzten und danach verhaftet und ermordet wurden." Wolfram Kastner

Pazifisten und Revolutionäre ermordet

Der Pazifist Gustav Landauer zum Beispiel wurde in der Haft bestialisch ermordet, und auch die unabhängige Sozialistin Sarah Sonja Lerch starb in der Untersuchungshaft in Stadelheim. Nach ihrer Verhaftung hatte sie zu Protokoll gegeben:

"Auf die Frage, was ich mit meiner Agitation bezwecke, muss ich sagen, dass ich nur den Weltfrieden im Auge habe." Sarah Sonja Lerch

Eines der Kunstwerke in der Rathausgalerie stellt nun ihre Zelle nach. Organisiert hat die Ausstellung Sepp Rauch vom Kulturforum der Gewerkschaft Verdi. Am 7. November gab es einen öffentlichen Festakt, zu dem auch zwei Enkel und eine Enkelin Kurt Eisners anreisten.

Neben der Ausstellung in der Rathausgalerie läuft auch eine zweite Ausstellung im Münchner Stadtteil Großhadern, wo 1918 Kurt Eisner wohnte, und die die historischen Ereignisse vor Ort vorstellt. Sie wurde organisiert vom Geschichtsverein Hadern e.V. .

© BR/Gerhard Brack

Wolfram Kastner hat das "Historische Künstlerkabinett" zusammengestellt.

© BR/Gerhard Brack

Der Münchner Künstler Wolfram Kastner vor seinem Werk "Dank an die Revolutionäre II".

© BR/Gerhard Brack

Helga Hansel: "Das Blatt hat sich gewendet" (links und rechts) und Renée Rauchalles: "Vorbei - der Traum vom Frieden" (Mitte).

© BR/Gerhard Brack

Auf Infotafeln in der Ausstellung wird über die Hintergründe des Umsturzes informiert.

© BR/Gerhard Brack

Bayern als Republik: "8. Der Staat sichert die Unverletzlichkeit der Person ..."

© BR/Gerhard Brack

Kunstwerk "Left bottom, right centre in white-blue" der Münchner Malerin Sophie Arnold (Ausschnitt).

© BR/Gerhard Brack

Günther Gerstenbergs Kunstwerk "Der nächste bitte" zeigt den Umgang der Gegner mit Eisner und Genossen.

© BR/Gerhard Brack

"Eisner wurde zu Lebzeiten diffamiert, beleidigt, beschimpft, bedroht, dann schritt ein verhetzter Rechsextremist zur Tat."

© BR/Gerhard Brack

Auf den Schäften der Beile, die Kurt Eisner attackieren, steht: Katholische Kirche, Antisemiten, reaktionäre Offiziere und SPD.

© BR/Gerhard Brack

Der Künstler und Autor Günther Gerstenberg hat mehrere Bücher und Aufsätze über die Räterepublik veröffentlicht.

© BR/Gerhard Brack

Günther Gesternberg mit der Künstlerin Renée Rauchalles vor deren Kunstwerk "Vorbei - der Traum vom Frieden".

© BR/Gerhard Brack

Die Künstlerin Anja Verbeek von Loewis ist auf der Suche nach dem "Roten Faden".

© BR/Gerhard Brack

In ihrem Kunstwerk "mein roter faden" präsentiert sie ihn. Doch er ist aus vielen Perspektiven schwer zu erkennen.

© BR/Gerhard Brack

Sie scheint zu fragen: Was ist dein "Roter Faden" im "Wald der Wörter" oder im Labyrinth des Lebens?

© BR/Gerhard Brack

Organisiert hat die Ausstellung Sepp Rauch vom Kulturforum der Gewerkschaft Verdi in jahrelanger Vorarbeit.

© BR/Gerhard Brack

Die Ausstellung in der Rathausgalerie wird gut besucht.

© BR/Gerhard Brack

Angehörige und Nachfahren von Kurt Eisner waren zum Festakt am 7.11.2018 nach München gekommen, darunter auch zwei Urenkelinnen Eisners.

© BR/Gerhard Brack

Gerhard Eisner, Gerda Graßmann und Kurt Eisner junior sind Enkelkinder Kurt Eisners.

© BR/Gerhard Brack

Kurt Eisner junior. Seinen Onkel Hans Kurt Eisner, Sohn von Kurt Eisner sen., ermordeten die Nazis im Alter von 38 Jahren im KZ Buchenwald.

© BR/Gerhard Brack

Gerda Graßmanns Lehrerin sagte den Mitschülern: "Stellt Euch vor, wir haben eine Jüdin in der Klasse!" Sie wollte im Boden versinken.

© BR/Gerhard Brack

Kurt Eisners Enkel Gerhard Eisner findet: "Der Großvater sollte in den Geschichtsbüchern endlich den Rang finden, den er verdient."

© BR/Gerhard Brack

Ausstellungskurator Sepp Rauch fordert ein nachhaltigeres Gedenken.

© BR/Gerhard Brack

Münchens OB Dieter Reiter ließ sich mit den Eisner-Enkeln fotografieren und fand, München sei erinnerungspolitisch gut aufgestellt.

© BR/Gerhard Brack

Zum Festakt der Ausstellung "Die Freiheit erhebt ihr Haupt" am 7.11.2018 kamen viele Gäste und Interessierte.

© BR/Gerhard Brack

Konstantin Wecker zitierte beim Festakt aus Heinrich Manns Gedächtnisrede auf Kurt Eisner:

© BR/Gerhard Brack

"Die 100 Tage der Regierung Eisners haben mehr Ideen, mehr Freuden der Vernunft ... gebracht als die 50 Jahre vorher." Heinrich Mann

© BR/Gerhard Brack

Künstler Wolfram Kastner forderte Straßenumbenennungen und ein Denkmal für die Demokratie am Marienhof zur Erinnerung an die Revolution 1918.

© BR/Gerhard Brack

Die Ausstellung ist noch bis 24. November zu sehen.

© BR/Gerhard Brack

Ein Geschichtspfad in der Ausstellung präsentiert zahlreiche Dokumente zum Leben Kurt Eisners und zur Revolution von 1918.

© BR/Gerhard Brack

Viele der ausgestellten Dokumente sind hochinteressant.

© BR/Gerhard Brack

Hier ein Ausschnitt aus einer Karikatur-Trauer-Anzeige zu Hungersnot und Mangelversorgung während des 1. Weltkriegs.

Sendung

B5 Kultur

Von
  • Gerhard Brack
Schlagwörter