Kino im Lockdown
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Kino im Lockdown

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Leben mit Unsicherheit - die Zukunft der Kinobranche

Das Coronajahr 2020 klingt aus - die Filmbranche steckt tief im zweiten Lockdown. Geschlossene Kinos, es herrscht Unsicherheit. Wie wird es weitergehen? Wie lockt man die Zuschauer zurück? kinokino auf Spurensuche bei Branchenvertretern.

Über dieses Thema berichtete kinokino am .

Zwangspause die Zweite. Seit Anfang November sind die Kinos im erneuten Lockdown, und ein Ende ist momentan nicht in Sicht. Werden die Filmtheater als Institution die Corona-Krise überstehen?

Kinobetreiber Matthias Helwig aus dem Fünf-Seen-Land hat Hoffnung: "Ich würde sagen, dass ich persönlich ganz gut aufgestellt bin. Auch nach der Pandemie werden die Menschen rausgehen und Orte suchen, wo einfach ein gut ausgewähltes Programm vorhanden ist. Und das Ganze muss man natürlich umgeben mit Events und Veranstaltungen."

Normalerweise viele Kino-Besucher an Weihnachten

Drei Kinostandorte mit mehreren Sälen, darunter ein Multiplex in Gauting, betreibt Helwig. Zusätzlich leitet er jeden Sommer das Fünf-Seen-Film-Festival, auch in diesem Jahr trotz Corona-Beschränkungen mit Erfolg. Die aktuelle Winterschließung bedeutet für ihn dennoch einen finanziellen Einbruch. Normalerweise sorgen rund um Weihnachten besucherstarke Titel für volle Säle. "Wir verdienen von November bis März das Geld, das wir brauchen, um überhaupt über den Sommer zu kommen, sind schon ein Saisongeschäft geworden", sagt der Kinobetreiber.

Die ersten Kinos müssen wegen Corona schließen

Nicht alle Häuser werden die Krise überleben. Erste Kinoschließungen gibt es schon. Noch sind es bislang nur sechs Kinos in Deutschland. Aber die Pandemie fungiert als Beschleuniger. Hilfspakete des Bundes in Höhe von bis zu 75 Prozent des Umsatzes vom Vorjahr sollen nun viele Verleiher und Kinobetreiber über den zweiten Lockdown retten.

Christine Berg ist Vorstandsvorsitzende des HDF Kino, des Hauptverbands Deutscher Filmtheater. Sie kennt die Nöte der Kinobetreiber. Sie sagt: "Ehrlich gesagt, in diesem Jahr sehe ich es extrem dramatisch. Sehen wir uns die Fakten an. Wir werden in diesem Jahr über eine Milliarde Umsatzverlust haben insgesamt, weil wir erst einen Lockdown hatten über drei Monate. Dann haben wir ein ganz schleppendes Geschäft gehabt und dann sind wir wieder zugemacht worden und Ende des Ganzen ist im Moment nicht abzusehen." Matthias Helwig hat vor allem eine Forderung: "Wir brauchen unbedingt einen Blockbuster, der deutschlandweit beworben wird und wo man sagen muss, da gehst du ins Kino!"

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Großbritannien, Ashford: Ein Filmplakat für den neuen James-Bond-Film "No Time To Die" hängt am Eingang zu einem Kino der Kette Cineworld.

Welcher Blockbuster sorgt für neue Lust am Kino - James Bond?

"James Bond 007 - Keine Zeit zu sterben" wäre ein möglicher Kandidat. Zweimal schon wurde der neue Bond verschoben. Nun soll 007 zu Ostern die Kassen klingeln lassen. Blockbuster-Potential hat auch der neue Eberhofer-Krimi "Kaiserschmarrndrama".

Die Vielfalt ist das Geheimnis einer gut funktionierenden Kinolandschaft, sagt HDF-Präsidentin Christine Berg: "Wir brauchen die Vielfalt. Der eine geht gerne in das Mainstreamkino, der andere gerne in das kleine Arthousekino. Der nächste mag den Familienbetrieb, manche mögen es anonym. Es gibt so viel verschiedene Menschen. Das ist ja das Tolle an Kino, dass wir das alles parat haben."

Millionen an Marketing-Kosten sind verpufft

Für das Arthousekino lief es zwischen den Lockdowns eigentlich nicht schlecht. Pech hatte aber der Berlinale-Gewinner "Doch das Böse gibt es nicht", der im November nicht mehr starten konnte. Herbe Einbußen für den Nürnberger Verleih Grandfilm, denn die Werbung verpuffte, ebenso wie beim Branchenriesen Universal, der für den neuen Bond bislang bis zu 50 Millionen Dollar an Werbegeldern in den Wind geschossen hat.

Große Aufregung: Warner will 2021 alle Titel zeitgleich mit dem Kino streamen

Und dann sorgt auch noch Warner Brothers für großen Ärger. Das Studio will alle Filme 2021, darunter auch den vierten Matrix-Film sowie das Science-Fiction-Epos "Dune", zeitgleich als Stream und im Kino starten. Somit fällt das exklusive Auswertungsfenster für die Kinos, das die Branche lange beschützt hat. Nicht nur Dune-Regisseur Denis Villeneuve protestiert entschieden. Auch Christine Berg vom HDF Kino e.V. sagt: "Das ist fatal. Das kann nicht die Zukunft des Kinos sein. Ich glaube auch nicht, dass das die Zukunft des Kinos ist, weil auch wir pochen auf unsere Exklusivität. Und was auch keiner bedenkt, alle wollen Exklusivität, auch die Streamingdienste. Wir sind ja der Anfang der Kette und dann kommen die Streamingdienste und das Bezahlfernsehen. Jeder hat ja eine bestimmte Exklusivität und die braucht man auch. Und die werden wir uns auch erkämpfen."

Der Kampf um die Kulturstätte Kino ist entbrannt

Ein Kampf für den Schutz des Kinos, für das kollektive Erlebnis und die Magie der großen Leinwand - nur in der Kulturstätte Kino entfalten Filme ihre ganze Kraft.

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