US-Truppen wurden angesichts der Spannungen zwischen Russland und der Ukraine in Polen stationiert (Archivbild vom 12.2.22)

US-Truppen wurden angesichts der Spannungen zwischen Russland und der Ukraine in Polen stationiert (Archivbild vom 12.2.22)

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Beata Zawrzel
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    Geschichte des Russland-Ukraine-Konflikts: Stationen seit 2014

    Geschichte des Russland-Ukraine-Konflikts: Stationen seit 2014

    Der Russland-Ukraine-Konflikt hat eine jahrelange Vorgeschichte: 2014 wurde der prorussische Präsident der Ukraine gestürzt, kurz darauf die Krim besetzt. Der Krieg in der Ostukraine forderte bereits Tausende Opfer. Ein chronologischer Überblick.

    Ende November 2013 begannen die Proteste auf dem Maidan, einem Platz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Zehntausende Ukrainer lehnten sich gegen ihren moskautreuen Präsidenten Janukowitsch auf, weil seine Regierung das Partnerschaftsabkommen mit der EU gekippt hatte. Dieses Abkommen hätte die Ukraine näher an die EU herangerückt.

    Die Russland-Ukraine-Konflikt begann de facto kurz nach der sogenannten Maidan-Revolution, in deren Folge der prorussische ukrainische Präsident Janukowitsch gestürzt wurde. Wichtige Stationen im Russland-Ukraine-Konflikt hier im Überblick:

    Februar/März 2014: Präsident gestürzt – Annexion der Krim

    In Folge der Maidan-Proteste flieht der ukrainische Präsident Janukowitsch aus Kiew. Das Parlament enthebt ihn seines Amtes. BR-Redakteur Henryk Jarczyk fasst die folgenden Geschehnisse zusammen: "Kurz darauf, Ende Februar 2014, erschienen Soldaten ohne Hoheitsabzeichen auf der zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim. Sie behaupteten, die Rechte der russischstämmigen Bevölkerung auf der Krim beschützen zu wollen. Anschließend besetzten die Soldaten strategisch wichtige Punkte, darunter das Regionalparlament, und setzten eine neue Regionalregierung ein. Der russische Präsident Putin leugnete zwar zu Beginn eine Beteiligung eigener Soldaten an der völkerrechtswidrigen Annexion. Monate später gab er dann aber doch öffentlich zu, dass es sich bei der Invasion der Krim um russische Spezialeinheiten gehandelt hatte."

    Im März stimmt das Krim-Parlament für den Beitritt zur Russischen Föderation und setzt ein Referendum über die Abspaltung von der Ukraine an. Am 21. März nimmt Moskau die Krim offiziell in die Russische Föderation auf. Der Westen verhängt Sanktionen.

    April 2014: Separatisten übernehmen Gebiete im Donbass

    In der ostukrainischen Region Donbass rufen die von Moskau unterstützten Separatisten die "Volksrepublik Donezk" aus, Luhansk folgt. Zwischen dem pro-westlichen und dem pro-russischen Bevölkerungsanteil folgen gewalttätige Ausschreitungen. Pro-russische Separatisten und ukrainische Militärs bekämpfen sich.

    In dem bewaffneten Konflikt in der Region Donbass wurden bisher mehr als 14.000 Menschen getötet.

    Mai 2014: Pro-Europäer kommt in Ukraine an die Macht

    Im Mai 2014 gewinnt der Pro-Europäer Petro Poroschenko die ukrainische Präsidentschaftswahl. Zwei Tage später unterzeichnen Kiew und Brüssel das von Janukowitsch auf Eis gelegte Assoziierungsabkommen mit der EU, woraufhin Russland mit "ernsten Konsequenzen" droht.

    Juli 2014: Über dem Separatisten-Gebiet wird ein Passagierflieger der Linie Malaysia-Airlines mutmaßlich mit einer russischen Rakete abgeschossen. Alle 298 Menschen an Bord sterben. Der Westen verschärft seine Sanktionen gegen Russland.

    September 2014: Erstes Minsker Abkommen

    Es gibt zwei Vereinbarungen, die nach der belarussischen Hauptstadt Minsk benannt sind. Die erste Minsker Abkommen wird im September 2014 von Vertretern aus Russland, der Ukraine, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie der selbsternannten Volksrepubliken von Luhansk und Donezk unterzeichnet. Vereinbart werden zwölf Punkte, darunter eine sofortige Waffenruhe, ein Gefangenenaustausch sowie ein OSZE-Monitoring in der Ostukraine. Die Absprachen halten nur rund drei Wochen, dann flammen die Kämpfe um den Flughafen Donezk wieder auf.

    Im November 2014 lassen die ostukrainischen Separatisten erstmals eigene Parlamente wählen. Kiew verurteilt das als verfassungswidrig.

    Dezember 2014: Wegbereitung für möglichen Nato-Beitritt

    Die Ukraine beendet im Dezember 2014 ihre politische Neutralität und macht so den Weg frei für einen möglichen Nato-Beitritt. Die Nato beschließt, gegen etwaige Bedrohungen aus Russland dauerhaft Soldaten im Osten der Allianz bereitzuhalten. Zudem wird eine schnelle Eingreiftruppe aufgestellt mit heute bis zu 40.000 Soldatinnen und Soldaten.

    Februar 2015: Zweites Minsker Abkommen

    In Belarus wird unter anderem unter deutscher Vermittlung ein Friedensplan ausgehandelt. Das zweite Minsker Abkommen ergänzt die erste Vereinbarung um 13 Punkte, vorgesehen sind erneut ein sofortiger Waffenstillstand sowie der Abzug schwerer Waffen durch beide Seiten.

    Der Westen bindet die Aufhebung der Russland-Sanktionen an das Abkommen. Diese Vereinbarung sieht unter anderem eine Autonomie für die Separatistengebiete in der ukrainischen Verfassung vor. Zudem soll die Ukraine die vollständige Kontrolle über ihre Grenze mit Russland erhalten und in den Gebieten Luhansk und Donezk, die von den Separatisten kontrollierten werden, sollen Wahlen nach OSZE-Standard abgehalten werden.

    Überwachung obliegt dem Normandie-Format

    Die Überwachung der Vereinbarungen obliegt dem sogenannten Normandie-Format, in dem sich Vertreter Deutschlands, Frankreichs, der Ukraine und Russlands in unregelmäßigen Abständen treffen. Die Vertreter der selbsternannten Volksrepubliken von Donezk und Luhansk sind nicht Teil des Formats.

    Der erste große Verstoß gegen das zweite Minsker Abkommen folgte schon wenige Tage nach seiner Unterzeichnung, als die pro-russischen Separatisten die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Debalzewe verkündeten. Seither wird das Abkommen nach OSZE-Angaben beinahe täglich gebrochen.

    Im September 2015 erklärt der Sicherheitsrat der Ukraine den Nachbarn Russland in einer Militärdoktrin offiziell zum Gegner.

    März 2018: Arbeiten an Nord Stream 2 beginnen

    Nachdem Nord Stream 1 bereits seit 2011 Gas von Russland durch die Ostsee bis nach Deutschland transportiert, beginnen die Arbeiten an der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream 2.

    Mai 2019: Wolodymyr Selenskyj übernimmt Präsidentenamt

    Der Politikneuling Wolodymyr Selenskyj wird im Frühjahr 2019 zum ukrainischen Präsidenten gewählt und übernimmt das Amt ab Mai. Er kündigt neue Friedensgespräche mit Russland an, kann aber an der Situation in der Ostukraine nichts entscheidend ändern.

    Im Juni 2019 gibt Russland erste Pässe an Ukrainer in den von Separatisten kontrollierten Teilen der Donbass-Region aus. Bereits ein halbes Jahr später sollen nach Darstellung Moskaus rund 160.000 Menschen die russische Staatsbürgerschaft beantragt haben.

    Frühjahr 2021: Russische Truppen an der Grenze zur Ukraine

    Im Frühjahr 2021 zieht Russland an der ukrainischen Grenze zehntausende Soldaten zusammen. Nach heftigen Protesten des Westens werden diese nach drei Wochen wieder abgezogen. Im November beginnen erneut massive Truppenbewegungen im Grenzgebiet.

    Moskau dementiert jegliche Angriffspläne. Zugleich wirft der Kreml der Ukraine und der Nato "Provokationen" vor. Von dem Militärbündnis und den USA fordert Russlands Staatschef Wladimir Putin schriftliche "Sicherheitsgarantien" - darunter den Verzicht auf eine Nato-Osterweiterung und auf US-Militärstützpunkte in Staaten der ehemaligen sowjetischen Einflusssphäre.

    Januar/Februar 2022: Diplomatische Verhandlungen

    Auf der Suche nach einem friedlichen Ausweg aus der Krise beginnt eine intensive Reise- und Telefondiplomatie, an der sich die Regierungen der USA, Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und weiterer Nato-Staaten beteiligen. Treffen zwischen US-Außenminister Antony Blinken und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Genf sowie zwischen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Kreml-Chef Wladimir Putin in Moskau können die Krise jedoch nicht beilegen. Auch Beratungen von Regierungsberatern aus Deutschland, Frankreich, Russland und der Ukraine im sogenannten Normandie-Format in Berlin bringen keinen Durchbruch.

    Die USA warnen wiederholt davor, dass Russland noch im Februar in die Ukraine einmarschieren könnte. Für zusätzliche Befürchtungen im Westen sorgen russische Militärmanöver. Russland weist kriegerische Absichten zurück und gibt seinerseits an, sich von der Nato bedroht zu fühlen. Die USA haben russische Ankündigungen von Teil-Abzügen als "falsch" bezeichnet und werfen Moskau stattdessen eine weitere Aufstockung der Streitkräfte an der Grenze vor.

    Nach Angaben der Ukraine befinden sich Mitte Februar fast 150.000 russische Soldaten im Grenzgebiet. Die Kämpfe in der Ostukraine sind wieder aufgeflammt. Am 18. Februar kündigen prorussische Separatisten an Bewohner der Ostukraine nach Russland zu evakuieren.

    Putin ordnet Truppenentsendung in die Ostukraine an

    Am 21. Februar schafft Putin neue Fakten: Er erkennt die von der Ukraine abtrünnigen Regionen Luhansk und Donezk als unabhängig an. Außerdem ordnet er die Entsendung von Truppen in diese Gebiete an. Putin hatte zuvor das Minsker Abkommen für gescheitert erklärt. Damit ist eine neue Eskalationsstufe erreicht. Der Westen reagiert scharf und droht mit harten Sanktionen.

    Mit Material der Agenturen AP, AFP, dpa

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