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Im Bau befindliche Wohnblöcke im Münchner Speckgürtel, aufgenommen am 29.08.22.

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Ministerin Geywitz: Deutschland verpasst Neubau-Ziel auch 2023

400.000 neue Wohnungen im Jahr – dieses Ziel haben SPD, Grüne und FDP in ihrem Koalitionsvertrag ausgerufen. Dass es für 2022 wohl nicht erreicht wird, ist schon länger klar. Aber jetzt sagt Bauministerin Geywitz: Auch 2023 wird es kaum klappen.

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) hält das von der Ampel-Regierung ausgegebene Neubauziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr erst ab 2024 für realistisch erreichbar. Sie gehe nicht davon aus, dass die Zahl 2022 und 2023 erreichbar sei, sagte Geywitz in einem Interview mit dem Portal "Web.de News". Sie verwies dabei auf die verschlechterten Rahmenbedingungen durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der zu steigenden Zinsen sowie Lieferengpässen geführt habe.

Die Ministerin fügte an, dass die endgültige Fertigstellungsstatistik für das Jahr 2022 erst im Mai vorliegen werde. Sie rechne allerdings nicht damit, das die angepeilte Zielmarke erreicht worden sei. Auch im laufenden Jahr werde das nach ihrer Einschätzung noch nicht möglich sein. Für die Zukunft will die SPD-Politikerin daran aber festhalten. Das Ziel müsse sein, "durch Vorfertigung und Digitalisierung 2024 und 2025 an diese Zahl heranzukommen", sagte Geywitz.

Das Ziel: 400.000 neue Wohnungen pro Jahr

Angesichts eines insbesondere in den Großstädten angespannten Wohnungsmarkts möchte die Bundesregierung erreichen, dass in Deutschland jährlich 400.000 neue Wohnungen gebaut werden. Davon sollen 100.000 öffentlich gefördert sein. Es gibt aber starke Zweifel daran, dass das in absehbarer Zeit erreicht werden kann.

So veröffentlichte der Bundesverband der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) vor einigen Tagen eine Einschätzung, laut der zumindest mittelfristig nur der Bau von 200.000 Wohnungen jährlich realistisch sei. Zuletzt teilte das Statistische Bundesamt mit, dass im November 2022 bundesweit der Bau von rund 24.300 Wohnungen bewilligt wurde – gut 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Baugenehmigungen sind mit Blick auf den Wohnungsmangel in vielen Städten ein wichtiger Indikator.

Zurückhaltende Bauherren, steigende Nachfrage

Angesichts gestiegener Zinsen und teurer Materialien stockt der Wohnungsbau in Deutschland schon seit einer Weile. Viele Bauherren halten sich mit Projekten zurück oder stornieren sie. Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude legten im November um fast 17 Prozent zu.

Mit der starken Zuwanderung, gerade von Flüchtlingen aus der Ukraine, steigt zudem die Nachfrage nach Wohnraum.

Mit Informationen von AFP und dpa

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