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Kamerateams stehen vor dem Haupteingang des Klinikums Schwabing

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Sven Hoppe
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Affenpocken: Experten halten Gefahr für Bevölkerung für gering

Was bedeuten die ersten Affenpocken-Fälle in Deutschland für die Bürger? Der Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München hält die Gefahr derzeit für gering. Mehrere Faktoren sprechen gegen eine rasante Ausbreitung des Virus.

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Greta PrünsterGreta Prünster
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Als er die Anfrage erhalten habe, das Affenpockenvirus nachzuweisen, habe ihn das nicht sonderlich überrascht, sagt Professor Roman Wölfel, Leiter des Institutes für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. Sein Team hat am Freitag den ersten Fall in Deutschland bei einem 26-jährigen Patienten bestätigt. "Das Material ist bei uns angekommen und innerhalb von drei Stunden haben wir den Erreger aus diesem Rohmaterial nachgewiesen", sagt Wölfel zu BR24.

In der wissenschaftlichen Fachwelt habe man mit der Ausbreitung auch in Deutschland bereits gerechnet: Durch Berichte von anderen Ärztinnen und Ärzten aus europäischen Ländern wie etwa Portugal und Spanien, aber auch aus den USA und Kanada sei bekannt, "dass bereits seit einigen Wochen immer wieder Affenpocken-Fälle bei einzelnen Patienten festgestellt worden sind." Eine rasante Verbreitung des Virus – ähnlich wie bei der Corona-Pandemie – sei derzeit allerdings nicht zu befürchten.

Wölfel: Pockenviren verändern sich weniger rasch

Im Gegensatz zu Coronaviren mutieren Pockenviren laut Angaben des Experten weniger rasch: "Bei Pockenviren ist es nicht ganz so schlimm wie bei Coronaviren, dass sie sich so stark verändern". Im Allgemeinen unterscheide man bei den Affenpocken zwei große Linien: eine, die besonders in Westafrika auftrete, und eine, die meist in Zentralafrika nachzuweisen sei.

Die beiden Linien unterscheiden sich hinsichtlich der Krankheitsschwere: Bei der zentralafrikanischen Variante liege die Sterblichkeit bei Kindern etwa bei zehn bis elf Prozent, bei der westafrikanischen bei rund einem Prozent. Wölfel weist jedoch darauf hin, dass diese Werte in Afrika erhoben wurden – "da ist die medizinische Versorgung natürlich noch einmal wesentlich schwieriger als bei Patienten und Patientinnen hier in Europa oder in Nordamerika".

Bei den Fällen in Portugal sei die weniger gefährliche westafrikanische Linie nachgewiesen worden. Mittlerweile hat eine Gensequenzierung gezeigt, dass auch der Patient in München unter der milderen westafrikanischen Variante leidet.

Verbreitung durch Reisen – und Wegfall von Corona-Maßnahmen

Dass sich das Affenpockenvirus gerade jetzt langsam verbreite, führt Wölfel auf die Wiederaufnahme der Reisetätigkeit nach den langen Corona-bedingten Einschränkungen zurück. Zudem seien Hygienevorschriften in vielen Ländern gelockert worden. Der aus Brasilien stammende Patient in München hatte sich zuvor in Portugal und Spanien aufgehalten.

Noch etwas fällt laut Angaben des Experten auf: Bei dem ersten in Deutschland registrierten Patienten handle es sich um einen homosexuellen Mann. "Das ist auch etwas, das bei vielen anderen Patienten bei diesem Ausbruch offenbar der Risikofaktor ist."

Keine Hinweise auf Aerosol-Übertragung

Auch Christoph Spinner vom Klinikum rechts der Isar hält die Gefahr einer raschen Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung derzeit für sehr gering. Anders als bei Corona-Viren gebe es beim Affenpockenvirus keinen Anhaltspunkt für eine Übertragung durch Aerosole, sagt er BR24. Ein enger menschlicher Kontakt sei nötig, um sich mit dem Virus anzustecken. "Direkter Kontakt mit den virushaltigen Bläschen kommt als Hauptübertragungsweg in Frage", betont er.

Zudem gelte die Krankheit für gesunde erwachsene Menschen nicht als besonders gefährlich. Sie sei auch ohne eine spezifische Behandlung gut zu überstehen. Für Menschen mit Immundefekten oder einer Immunschwäche gebe es ein spezielles Medikament. Auch eine Pockenimpfung dürfte vor einer Ansteckung schützen.

Spinner: Infektionsketten unterbrechen und Patienten isolieren

Wichtig sei nun, mögliche Infektionsketten rasch zu erkennen und zu unterbrechen, betonte der Mediziner. Menschen, die sich innerhalb der Inkubationszeit in der Nähe des Patienten befunden hätten, müssten ermittelt werden.

Entscheidend sei auch die Isolation des Patienten: Die Infektion könne etwa drei bis vier Wochen lang fortbestehen, "das hängt auch davon ab, wie lange die Hautveränderungen bestehen, denn sie sind es, die im Wesentlichen infektiös sind".

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