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13 Jahre Regensburger Rede: Neuer Dialog nach Benedikt XVI. | BR24

© pa/dpa

Papst Benedikt XVI. im Audimax der Universität Regensburg.

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    13 Jahre Regensburger Rede: Neuer Dialog nach Benedikt XVI.

    Vor 13 Jahren hielt der damalige Papst Benedikt XVI. eine Rede an der Universität Regensburg, die die islamische Welt erzürnte. Papst Franziskus hat seitdem viel unternommen, um die Scherben zu kitten und den Dialog mit dem Islam neu anzukurbeln.

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    Bei seiner Bayern-Reise im Jahr 2006 sprach der damalige Papst Benedikt XVI. im Audimax der Universität Regensburg über Glaube und Vernunft. Dabei zitierte er den byzantinischen Kaiser Manuel II., der dem Islam vorgeworfen hatte, den Glauben mit Gewalt verbreiten zu wollen.

    "Er [Kaiser Manuel II.] sagt: 'Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten'." Papst Benedikt XVI.

    Wütende islamische Proteste nach Rede von Papst Benedikt XVI.

    Von der Türkei bis Malaysien, von Nordafrika bis Pakistan gab es diplomatische Proteste gegen die Worte des Papstes, gewalttätige Massendemonstrationen und Ausschreitungen aufgebrachter Muslime sowie lautstarke Empörungsreden von Imamen und islamistischen Politikern. In Somalia wurde eine Ordensfrau erschossen - möglicherweise ein Racheakt.

    Benedikt XVI. reagierte prompt und drückte sein Bedauern aus. In einer nachträglich eingefügten Fußnote schreibt der Papst: "Dieses Zitat ist in der muslimischen Welt leider als Ausdruck meiner eigenen Position aufgefasst worden und hat so begreiflicherweise Empörung hervorgerufen. Ich hoffe, dass der Leser meines Textes sofort erkennen kann, daß dieser Satz nicht meine eigene Haltung dem Koran gegenüber ausdrückt, dem gegenüber ich die Ehrfurcht empfinde, die dem heiligen Buch einer großen Religion gebührt."

    Beziehungen zwischen Vatikan und islamischer Welt im Keller

    Trotzdem blieb das Verhältnis zu den Muslimen auch in den folgenden Jahren unterkühlt. Beim Amtsantritt von Papst Franziskus 2013 waren die Beziehungen zwischen dem Vatikan und der islamischen Welt immer noch im Keller.

    Mit einer Charmeoffensive versucht Papst Franziskus seither, dem Dialog neues Leben einzuhauchen. Das Gespräch mit der islamischen Welt hat für das Oberhaupt der katholischen Kirche Priorität. Seine Reisen führen ihn in mehrheitlich muslimische Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Marokko, Jordanien oder die Türkei. Anfang Februar 2019 unterzeichnete er mit muslimischen Vertretern in Abu Dhabi eine Erklärung der Brüderlichkeit zwischen beiden Religionen. Das Dokument hat historischen Rang, weil Franziskus dazu als erster Papst die Arabische Halbinsel, die Geburtsregion des Islam, besuchte.

    Papst Franziskus bricht Eis durch Gesten

    Das Eis brach Papst Franziskus aber vor allem durch Gesten. So sorgten seine Fußwaschungen an muslimischen Häftlingen vor Osterfesten oder sein Einsatz für Syrien-Flüchtlinge jedes Mal für warme Kommentare in islamischen Leitmedien. Die Al-Azhar-Universität bot dem Vatikan wieder das Gespräch an, nachdem sie den Dialog 2011 nach einer Äußerung Benedikts XVI. eingestellt hatte.

    Seit 2017 finden wieder regelmäßige Treffen mit Vertretern des päpstlichen Dialogrates statt. Beide Institutionen wollten sich zusammen für Frieden und eine sozial gerechtere Welt, gegen Gewalt und Fanatismus im Namen der Religion einsetzen, hieß es damals in einer gemeinsamen Erklärung.

    Franziskus geht es weniger um Theologie als Benedikt XVI.

    Papst Franziskus geht es bei seinen Dialogbemühungen weniger um Theologie als seinem Vorgänger. Auf diesem Feld brauche es "Geduld und Bescheidenheit", um "peinliche Situationen" zu vermeiden, so das Oberhaupt der katholischen Kirche. Er setzt auf praktische Berührungspunkte bei der Lösung von Konflikten, Umweltschutz oder sozialer Gerechtigkeit.