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Freistaat Bayern - wer hat's erfunden? | BR24

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Gedenken an 100 Jahre Freistaat Bayern

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Freistaat Bayern - wer hat's erfunden?

Wir feiern Bayern - unter diesem Motto will die Staatsregierung zwei bedeutende Jubiläen feiern: 200 Jahre Bayerische Verfassung von 1818 und 100 Jahre Freistaat Bayern. Beim Freistaat ist das Gedenken aber nicht ganz einfach. Von Michael Zametzer

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100 Jahre Freistaat Bayern - ja, bei diesem Titel kommt einiges an Bildern hoch: MUSIK Bayernkitsch Berge, Seen, der Himmel weiß-blau, zwei Trachtenkinder sitzen im saftig-grünen Gras mit Laptops auf dem Schoß, im Hintergrund die Silouette einer international erfolgreichen Auto-Schmiede. Freistaat Bayern, das ist ein Label, eine Marke.

Dabei bedeutet Freistaat zunächst lediglich: Republik. In den 1960er Jahren aber lädt sich dieser Begriff positiv auf, sagt Ferdinand Kramer, Historiker an der Ludwig-Maximilians-Universität München:

"Es war dieser widerspenstige Freistaat in der Bonner Republik, es war die Föderalismus-Politik Bayerns, die sich mit diesem Begriff geschmückt hat, und dann ist auch die Suche nach den Ursprüngen des Begriffes losgegangen und hat dann eben immer wieder auch zu Eisner geführt." Ferdinand Kramer, Historiker

Kurt Eisner ruft Freistaat aus

Und dieser Sozialdemokrat Kurt Eisner hat am 8. November 1918 den Freistaat Bayern ausgerufen - und er war der erste Ministerpräsident. Ein Berliner Jude, Journalist und Mitglied der unabhängigen USPD. Die hatte sich während des Ersten Weltkriegs von der mehrheitlichen MSPD abgespalten, als es zum Streit über die Bewilligung von Kriegskrediten gekommen war.

Eisner war Pazifist - seine kriegskritischen Schriften und Reden hatten ihn 1918 ins Gefängnis gebracht. Das bedeutet: Die CSU muss 2018 eine sozialistische Revolution feiern.

"Vielleicht ist es für eine bürgerliche Regierung und Partei schwierig, Revolutionen zu feiern, das spielt sicher eine Rolle und dann ist sicherlich auch die sozialistische Provenienz der Revolution ein Grund zur Abgrenzung gewesen." Ferdinand Kramer, Historiker

Gedenken am Ort der Ermordung

Tatsächlich gibt es einige Orte in München, die an Eisner erinnern: Allen voran der Ort seines Todes - nahe dem früheren Sitz des Landtags in der Münchner Innenstadt. Er fällt am 26. Februar 1919 dem Attentat eines Nationalisten zum Opfer. Seit 1989 erinnert ein bronzenes Bodendenkmal daran. 2011 kam eine Glaskonstruktion unweit des Marienplatzes hinzu. Ein offizieller Gedenkort von Seiten der Staatsregierung fehlt aber bis heute.

"Das liegt sicherlich daran, dass der Freistaat Bayern 28 Jahre vor der CSU gegründet wurde, die heute staatstragende Partei hat mit der Ausrufung des Freistaats überhaupt nichts zu tun, dementsprechend möchte man natürlich auch Geschichtspolitik dahingehend betreibend, dass diejenigen, die für die Demokratie gekämpft haben, ja gar keine Christsozialen waren, in Bayern." Markus Rinderspacher,SPD

Spaenle: "Sehr deplatziert"

Markus Rinderspacher, der Chef der SPD-Fraktion im Landtag, hat deshalb gefordert, den 8. November 2018 zum einmaligen Demokratie-Feiertag zu erklären. CSU-Mehrheit und Staatsregierung lehnen das aber bislang ab.

"Ich halte von einem eigenen Feiertag in Bayern aus Anlass des 8. November inhaltlich gar nichts. Wir müssen sehen, dass der 8. auf 9. November historisch sehr aufgeladen ist, wir haben den Hitlerputsch, an den zu erinnern ist, wir haben die Reichspogromnacht, an die zu erinnern ist und erinnert wird, und wir haben den Fall der Mauer. Das ist eine historische Umgebung, die ich für sehr deplatziert halte." Ludwig Spaenle

Historiker sieht Handlungsbedarf

Stattdessen plant die Staatsregierung einen Staatsakt mit geladenen Gästen. Ob Feiertag oder öffentliches Gedenken - der Historiker Ferdinand Kramer sieht im Umgang der bayerischen Politik mit dem Demokratischen Andenken Handlungsbedarf.

"Dieses Land lebt in einer jetzt über 70 Jahre doch jetzt sehr erfolgreichen, insgesamt sehr erfolgreichen demokratischen Tradition, und wenn man eben eine Erinnerungspolitik der Demokratie in den Blick nimmt, dann scheint mir da momentan eines der größeren Defizite in unserer Geschichts- und Erinnerungspolitik zu liegen." Ferdinand Kramer, Historiker

An die Väter und Mütter der gültigen Bayerischen Verfassung von 1946 gibt es heute auch kaum Erinnerung, sagt Kramer. Ministerpräsident war damals übrigens Wilhelm Hoegner - ein Sozialdemokrat.