Barbara Stamm bei der Fastnacht in Franken 2022.
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Barbara Stamm bei der Fastnacht in Franken 2022.

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Barbara Stamm: Abschied von einer starken Frau aus Franken

Barbara Stamm ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Sie war nicht nur CSU-Politikerin und langjährige Landtagspräsidentin. In vielen Ehrenämtern hat sich Stamm für die Schwachen eingesetzt. Auch als Fastnachts-Ikone wird sie in Erinnerung bleiben.

Franken nimmt Abschied von Barbara Stamm. Von einer Frau, die sich stark gemacht hat für Menschen in Not. Von einer Politikerin, die immer nah an den Bürgern war und von einer Fastnachts-Ikone im "blauen Kleed". Im Alter von 77 Jahren ist Barbara Stamm nach einer Krebserkrankung gestorben.

Barbara-Stamm als Fastnachts-Ikone

"Was wäre Franken ohne dich?", sang Volker Heißmann bei Fastnacht in Franken 2019 in Veitshöchheim. Es war ein Lied für Barbara Stamm – ein Abschiedslied, nachdem die CSU-Politikerin in Rente gegangen war. Bei fast jeder Sendung in den Mainfrankensälen war sie dabei. "Schon der Gedanke, dass du ab jetzt in Rente bist. Im Schrank behältst dein blaues Kleed. Es macht uns traurig, weil du für uns die Fastnacht bist", hieß es in dem Lied. Stamm kämpfte mit den Tränen. Im Saal gab es Standing Ovations für die Dame in blau.

Heißmann und sein Kollege Martin Rassau, zusammen auch als "Waltraud & Mariechen" bekannt, würdigten Stamm nach ihrem Tod nun als Königin der Herzen in Franken und in Bayern. "Man kann sagen, die zweite Königin ist von uns gegangen", so Rassau in Anspielung auf den kürzlichen Tod von Queen Elizabeth II. Stamms herzliches Lachen werde den beiden immer in Erinnerung bleiben, sagt das Komödianten-Duo. "Ihr Lachen war einfach unschlagbar", sagt auch Ines Procter, die bei der Fastnacht in Franken alljährlich als Putzfrau auftritt. Sie werde auf der Welt, in ihrer Familie und in Veitshöchheim fehlen. Denn: "Sie war eine von uns", so Procter.

Soziales Engagement nach schwieriger Kindheit

Als Kind hatte Barbara Stamm es nicht leicht. Ihren Vater kannte sie nicht, ihre Mutter war gehörlos. Aufgewachsen ist sie in einer Pflegefamilie und in Heimen. Diese Zeit hat sie geprägt. In der Sendung Lebenslinien im BR-Fernsehen betonte Stamm, dass ihre Kindheit der Schlüssel für ihr späteres Engagement für sozial benachteilige Menschen war. Sie wollte Anderen immer helfen. Stamm wurde Erzieherin. Sie engagierte sich im Bistum Würzburg, bei der Caritas und der Lebenshilfe.

Bischof Jung: "Werden noch spüren, was wir an ihr verloren haben"

Barbara Stamm sei eine moralische Autorität gewesen, so Bischof Franz Jung. Durch ihre persönliche Geschichte habe sie gewusst, wie es Menschen aus schwierigen Lebensverhältnissen gehe. "Wir verlieren mit ihr eine Frau von großer Entschiedenheit, aber auch großer Willenskraft. Eine Frau, für die das C in CSU, die christliche Überzeugung nicht nur ein Wort war, sondern eine Lebenshaltung, gespeist aus ihrem eigenen Lebensweg“, sagte Bischof Dr. Franz Jung. Stamm habe sich vieles in ihrem eigenen Leben erarbeiten müssen und habe daher eine besondere Sensibilität für Benachteiligte gehabt. "Wir werden noch spüren, was wir an ihr verloren haben. Ihr Wort hatte Gewicht weit über Unterfranken hinaus."

Stamm sei auch in den letzten Stunden ihres Lebens ihren Lebensweg gegangen in der christlichen Überzeugung, dass sie ihr Leben zurückgeben darf in die Hände dessen, der sie geschaffen und auf den hin sie gelebt, zu dem sie gebetet habe. Das habe er bei einem Besuch am Krankenbett verspürt, berichtete der Bischof. Er dankte Stamm für ihr vielfältiges Engagement.

Söder: "Queen Mom der bayerischen Politik"

Mehr als 20 Jahre lang war sie Landesvorsitzende der Lebenshilfe Bayern. Im Juli 2022 feierte die Lebenshilfe ihr 60-jähriges Bestehen bei einem Staatsempfang von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in der Würzburger Residenz. Auch Barbara Stamm war dort. Bei seiner Empfangsrede hob Söder das Engagement von Stamm hervor – mit den Worten: "Sie ist sozusagen die Queen Mom der bayerischen Politik." Als ehemalige Landtagspräsidentin habe sie dazu beigetragen, dass Bayern sozialer und herzlicher geworden ist.

Krebsdiagnose hielt sie nicht auf

Im Jahr 2008 wollte die CSU-Politikerin Barbara Stamm gerade Landtagspräsidentin werden – als erste Frau im Amt. Doch dann bekam sie die Diagnose Brustkrebs. Geschafft hat sie beides: Ihre politische Karriere voran bringen und eine Krebs-Erkrankung überstehen. Auch vom sozialen Engagement hat sie sich nicht abhalten lassen.

Mehr als zehn Jahre später war der Krebs wieder zurück. Die Diagnose erreichte Stamm nach dem Ende ihrer politischen Karriere, nach 42 Jahren im bayerischen Landtag. Sie ging positiv mit der Krankheit um, und engagierte sich auch diesmal weiter. Ende 2020 demonstrierte sie zum Beispiel gemeinsam mit Pflegekräften in Würzburg für bessere Arbeitsbedingungen. "Die Situation der Pflegekräfte wird immer prekärer. Da muss man jetzt einfach mitten unter ihnen sein", sagte Stamm bei der Demonstration gegenüber BR24.

OB Schuchardt: "Ihr Tod ist ein Einschnitt für Würzburg"

In Würzburg war Barbara Stamm zuhause. Dort hat ihre politische Karriere begonnen. 15 Jahre lang war sie Stadträtin. 2019 hat die Stadt Würzburg Barbara Stamm mit dem Ehrenbürgerrecht ausgezeichnet – die höchste Auszeichnung der Stadt. Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) zeigt sich vom Tod der Politikerin sehr betroffen. Die Stadt verliere mit ihr eine große und Würzburg prägende Persönlichkeit, eine Konstante, die sich immer für ihre Heimatstadt und insbesondere für die Schwachen in der Gesellschaft stark gemacht habe: "Ich persönlich verliere eine enge und vertraute Wegbegleiterin", so Schuchardt.

Für Würzburg habe Barbara Stamm als Abgeordnete, Staatssekretärin, Ministerin, Landtagsvizepräsidentin und -präsidentin ihre Kompetenzen und ihren Einfluss genutzt, um die Interessen der Stadt und der Region in München zur Geltung zu bringen: "Wo sie nicht selbst entscheiden konnte, leistete sie Überzeugungsarbeit, schmiedete Allianzen, überwand Hemmnisse, indem sie die Beteiligten an einen Tisch brachte. So gestaltete sie fast ein halbes Jahrhundert lang die Geschicke der Stadt Würzburg mit. Sie war für uns eine zuverlässige Ansprechpartnerin und couragierte, kämpferische Helferin", so der Oberbürgermeister. "Ihr Tod ist ein Einschnitt für Würzburg."

Die Stadt Würzburg legt ein Kondolenzbuch für die Ehrenbürgerin aus ab Mittwoch, 5. Oktober, 12 Uhr vor dem Ratssaal.

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Im Würzburger Rathaus liegt ein Kondolenzbuch für die Ehrenbürgerin Barbara Stamm aus.

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