Bayerns Ministerpräsident Markus Söder besichtigt die Intensivstation im Klinikum Nürnberg (Archivbild von 2020)
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Ministerpräsident Söder beim Besuch des Klinikums Nürnberg 2020 (Archivbild)

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Söders Krankenhaus-Schutzschirm von 2018 wurde nie umgesetzt

Kurz nach der Wahl 2018 versprach Ministerpräsident Söder in einer Regierungserklärung Finanzhilfen für defizitäre Krankenhäuser. Bisher blieb es bei den Worten. Für die SPD ein gebrochenes Versprechen.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Trotz einer Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aus dem Jahr 2018 gibt es in Bayern noch keinen Schutzschirm für kleine Krankenhäuser in finanzieller Schieflage. "Eine Veranlassung zur Beteiligung am Defizitausgleich für Krankenhäuser im Allgemeinen gibt es für den Freistaat nicht", heißt es in einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage der SPD im Landtag, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Bund müsse dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen für eine auskömmliche Betriebskostenfinanzierung stimmten.

Schutzschirm-Versprechen zwei Monate nach Landtagswahl 2018

In seiner Regierungserklärung im Dezember 2018 - zwei Monate nach der damaligen Landtagswahl - hatte Söder im Plenum erklärt: "Über kleine Krankenhäuser auf dem Land spannen wir einen Schutzschirm. Für diejenigen Kliniken, die sich neu aufstellen, übernehmen wir für drei Jahre 85 Prozent der Betriebsdefizite. So können viele kleine Krankenhäuser erhalten bleiben. Bayern ist es wert."

Eine finanzielle Unterstützung der Kliniken durch die Staatsregierung hat es aber dennoch gegeben, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. So hat die Staatsregierung 2019 rund 15,5 Millionen Euro, 2020 rund 21,5 Millionen Euro, 2021 rund 23,6 Millionen Euro sowie 2022 23,4 Millionen Euro für Defizitausgleiche für Geburtshilfestationen gezahlt.

SPD-Fraktionschef: "Ein typischer Fall von Södern"

Dieses Hilfspaket wurde aber bereits Ende 2017 - also deutlich vor Söders Versprechen - aufgelegt. Es sieht eine Erstattung von bis zu 85 Prozent der Defizite kleinerer Geburtshilfestationen im ländlichen Raum vor. Auch an den Investitionskosten der Kliniken beteiligt sich der Freistaat durch Finanzmittel, die er im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs bereitstellt.

"In der Antwort will das Gesundheitsministerium den Schwarzen Peter wieder einmal nach Berlin schieben", sagte SPD-Fraktionschef Florian von Brunn. Offenbar wisse selbst Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) "schon gar nicht mehr, was Söder alles versprochen hat". Zudem werde vom Ministerium "für die Zukunft" ein Förderprogramm für Kliniken im ländlichen Raum versprochen. "Auf Deutsch heißt das: Bisher ist da nicht viel passiert! Ein typischer Fall von Södern."

Holetschek: Pläne wurden von Pandemie überholt

Gesundheitsminister und CSU-Parteikollege Klaus Holetschek verteidigt dagegen die Situation. Das damals geplante Förderprogramm sei "von der Corona-Pandemie schlicht überholt worden". Zur Bewältigung der Krise habe damals das System schnell stabilisiert und die Krankenhäuser auf die Bewältigung der Corona-Pandemie ausgerichtet werden müssen.

"An Umstrukturierungen war unter diesen Umständen nicht zu denken. Vielmehr hatten wir die Kliniken zur Mobilisierung aller zur Verfügung stehenden Kapazitäten angehalten und sogar Reha-Einrichtungen zur akutstationären Versorgung herangezogen." Das Förderprogramm wäre unter diesen Voraussetzungen ins Leere gelaufen.

Um die Krankenhäuser im Land besser unterstützen zu können, forderte SPD-Politiker von Brunn die Erhöhung der sogenannten Investitionskostenpauschale von rund 640 Millionen Euro pro Jahr auf rund eine Milliarde Euro im Jahr. "Damit sichern wir eine gute Krankenhausversorgung in Bayern - gerade auch im ländlichen Raum. Das ist besser als immer nur mit dem Finger nach Berlin zu zeigen", betont er.

Holetschek: Förderprogramm wegen geplanter Krankenhausreform nicht mehr sinnvoll

Gesundheitsminister Holetschek hält allerdings nichts von einer Wiederaufnahme des einst versprochenen Förderprogramms. Wegen der Unsicherheiten infolge der geplanten Krankenhausreform des Bundes hält er es aktuell für nicht sinnvoll. Da der Finanzbedarf wegen der Inflation und der gestiegenen Energiekosten aber höher denn je sei, "greift der Freistaat den Kliniken mit einem bayerischen Härtefallfonds unter die Arme".

Mit Informationen von dpa.

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