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Bald wird es in Bayern wieder mehr Präsenzunterricht geben

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Präsenzunterricht ja - aber unter welchen Bedingungen?

Schüler in Bayern sollen bald mit Testen und Masken wieder in den Präsenzunterricht wechseln, überall dort, wo die 7-Tage-Inzidenz unter 100 liegt. Verbände und Opposition begrüßen das prinzipiell. Doch es gibt auch Kritik.

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Von
  • Leonie Thim

Endlich wieder jeden Tag die Freunde in der Schule sehen, kein Wechsel-, kein Distanzunterricht mehr in allen bayerischen Städten und Gemeinden, in denen die sogenannte 7-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt. Das ist der neue Plan von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.

Seit in den Schulen getestet werde, sei die Chance auf mehr Präsenzunterricht da gewesen, sagt Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Da sei die Entscheidung, Präsenzunterricht bis zu einer Inzidenz von 100 zu ermöglichen, ein logischer weiterer Schritt. Nach den Pfingstferien gilt für Präsenzunterricht zunächst noch der Grenzwert 50. Präsenzunterricht bis zur Inzidenz von 100 soll dann ab dem 21. Juni stattfinden.

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Kultusminister Michael Piazolo unterstützt den Vorschlag von Markus Söder, Präsenzunterricht bis zu einer Corona-Inzidenz von 100 zuzulassen.

Momentan liegen nur noch zwei bayerische Landkreise über einer 7-Tage-Inzidenz von 100. In allen anderen, die darunterliegen, könnte der Unterricht somit ab dem 21. Juni wieder komplett in den Klassen möglich sein.

BLLV begrüßt Präsenzunterricht - mit Einschränkungen

Die Lehrkräfte im Freistaat begrüßen den Vorstoß prinzipiell, betont Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Allerdings hätten die Lehrkräfte auch gemischte Gefühle.

"Wir wollen den Präsenzunterricht, wir wollen aber auch maximalen Gesundheitsschutz", erklärt Fleischmann im BR-Interview. Es seien noch nicht alle Pädagoginnen und Pädagogen geimpft. Außerdem seien noch nicht alle Klassen mit Lüftungsanlagen ausgestattet. Erst, wenn das gesichert sei, könne der Präsenzunterricht gut umgesetzt werden.

Jetzt gehe es nicht darum, aufzuholen, Gas zu geben und Schulaufgaben zu schreiben. Jetzt gehe es darum, sich wieder zu finden. "Wir brauchen die Zeit mit den Kindern", sagt Fleischmann. "Die Zeit mit den Kindern ist wunderbar. Sie muss aber mit dem maximalen Gesundheitsschutz versehen sein."

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Simone Fleischmann, die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, schaut gespalten auf die von Ministerpräsident Söder angekündigten Lockerungen im Bereich Schule.

Deutscher Lehrerverband gegen Präsenzunterricht bis Inzidenz 100

Damit vertritt Simone Fleischmann als Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands eine etwas andere Position als Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Meidinger sprach sich komplett dagegen aus, dass Präsenzunterricht bis zu einer 7-Tage-Inzidenz von 100 stattfinden soll.

Elternverband befürwortet Präsenzunterricht - fordert aber auch Alternativen

Es werde langsam auch mal Zeit, dass Kinder und Jugendliche zurück in die Schulen könnten, findet Martin Löwe vom Bayerischen Elternverband. "Die Kinder haben jetzt lang genug gelitten unter dem Wechselunterricht und dem Distanzunterricht, wo ja dann Sozialkontakte massiv abgehen", sagt Löwe. Denn Jugendpsychologen und Kinderärzte würden bereits Alarm schlagen, dass das massive gesundheitliche Auswirkungen habe. Die Eltern seien bereits seit der gesamten Pandemie gespalten. Es gebe "ganz extreme Positionen an den Rändern", sagt Martin Löwe. Da seien die, die niemals die Schulen hätten schließen wollen und die, die auch derzeit noch Angst hätten, ihre Kinder in die Schule zu schicken, zum Beispiel, wenn es eine Vorbelastung in der Familie gebe. Daher plädiert der Elternvertreter dafür, dass es weiterhin die Möglichkeit geben soll, diese Kinder "zuhause zu beschulen".

Opposition sieht Versäumnisse der Staatsregierung in der Schulpolitik

Für Katharina Schulze von den Grünen kommt die Schulöffnung zwei Wochen nach Pfingsten zu spät. "Die neueste Ankündigung von Markus Söder zeigt erneut, dass sein "Kinder zuerst" im Zweifel dann doch nichts gilt", sagt die Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen im BR-Interview. "Denn wenn "Kinder zuerst" ernst gemeint wäre, dann müsste man es nach den Pfingstferien allen Kinder ermöglichen, wieder in Präsenzunterricht zu gehen." Es sei "bitter", dass die Staatsregierung in einem Jahr Pandemie die medizinische Sicherheit in Schulen nicht ausreichend geregelt habe.

Auch Matthias Fischbach von der Landtags-FDP findet es "inakzeptabel", dass die weitere Öffnung der Schulen erst am 21. Juni kommen soll. "Nach Pfingsten muss wieder das volle Leben in die Schulen zurückkehren können", appelliert der Sprecher für Bildung und Religion. Er findet es "vollkommen sachgrundlos", dass nun noch mal zwei Wochen lang Wechselunterricht stattfinden soll. "Der ist doch willkürlich gewählt, dieser Zeitraum", meint Fischbach.

Ministerrat entscheidet kommende Woche über Präsenzunterricht

Auf die Kritik der Opposition erwidert Kultusminister Piazolo: Diese zwei Wochen seien notwendig, damit die Schulen planen könnten. Im Ministerrat kommende Woche werde man aber sowieso noch über die konkreten weiteren Schritte diskutieren.

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