Bio-Christbaumzüchter Sabine und Harald Schmidberger auf ihrer Plantage, in der sie seit 2006 auf Chemie verzichten.
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Bio-Christbaumzüchter Sabine und Harald Schmidberger auf ihrer Plantage, in der sie seit 2006 auf Chemie verzichten.

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Warnung vor Chemikalien in Christbäumen: Bio-Baum als Lösung?

Bei Familie Schmidberger in Waltenhausen im Kreis Günzburg wachsen die Christbäume noch ganz natürlich im Wald, ohne Pestizide und andere Chemikalien. Bei vielen handelsüblichen Bäumen sieht das anders aus. Experten warnen vor Gesundheitsgefahren.

Ein kleiner Bach im Tal in Waltenhausen im schwäbischen Landkreis Günzburg und auf der Höhe ein mächtiger Wald. Direkt davor steht der Hof der Familie Schmidberger. Sie pflanzt, pflegt und verkauft Christbäume. Die Familie, das sind Sabine, Harald und ihre vier Kinder. Die ersten Bäume hat vor mehr als 30 Jahren Sabines Vater gepflanzt. 2006 dann der Entschluss, auf Bio-Bäume umzustellen.

"So einen Eingriff in die Natur wollen wir nicht mehr machen"

Den Entschluss fasste Sabine, als sie eines Abends mit dem Hund an einem Rapsfeld vorbeispazierte. Am Feldrand konnte sie Insekten beobachten, die offenbar Spritzmittel abbekommen hatten. "Die waren in ihrem Todeskampf", erzählt Sabine. Dann war für sie klar: "So einen Eingriff in die Natur wollen wir nicht mehr machen." Seitdem verzichten sie auf Dünger, Pestizide und andere Chemikalien. Damit die Bäume trotzdem robust gegen Schädlinge sind, haben die Schmidbergers einen Mischwald aufgebaut.

Beim Mähen gibt es tierische Unterstützung

Neben Nordmanntannen, Blaufichten, Fichten und Kiefern wachsen dort auch Birken, Lerchen und Pappeln. Kommt es doch zum Schädlingsbefall, wird der zuerst mit natürlichen Mitteln bekämpft. Hilft das nichts, wird der Baum einfach entnommen. Statt des Rasenmähers halten die Schmidbergers ein Dutzend Schafe. "Shropshire" heißt die englische Rasse, die auch "Christbaumschafe" genannt wird, weil sie als eine der wenigen junge Nadelhölzer nicht anfrisst.

Die meiste Arbeit fällt vor Weihnachten an

Trotz der Hilfe bleibt die Waldpflege aufwendig. In der Adventszeit produziert die Familie außerdem Schnittgrün und beliefert Wochenmärkte in der Region. Und an den Wochenenden geht es erst richtig los. Dann kommen die Familien mit ihren Kindern zum Christbaumschlagen. Die Schlange zum Einpacken gehe oft vom Haus bis zum kleinen Wäldchen, sagt Harald. Teurer als die Konkurrenz sind ihre Bio-Bäume übrigens nicht. Denn nicht jeder sieht ein, warum ein Weihnachtsbaum bio sein sollte. "Ein Kunde hat dann gesagt, ich will doch nicht vom Baum runterbeißen", lacht Sabine. Sie wünscht sich aber, dass künftig viele ein Bewusstsein dafür entwickeln, was sie konsumieren.

Der Christbaum: Gefahr im eigenen Wohnzimmer

Bei den Bio-Christbäumen geht es aber nicht nur um Naturschutz. Was der Baum an Giftstoffen über die Jahre aufnimmt, schwitzt er - im wahrsten Sinne des Wortes - im warmen Wohnzimmer wieder aus. Davor warnt Ralf Straußberger, er macht mit dem Bund Naturschutz seit Jahren Untersuchungen zu dem Thema. "Da findet man teilweise richtige Cocktails, also mit vier, fünf, sechs Mitteln an den Nadeln behandelt." In diesem Zusammenhang fordert der BUND daher ein Ende der konventionellen Christbaum-Plantagen in Bayerns Wäldern. Die Naturschützer fordern eine Änderung des Waldgesetzes. Unter anderem soll der Einsatz von Pestiziden und Kunstdüngern verboten werden und es nicht mehr möglich sein, ganze Wälder für das Weihnachtsgeschäft auf einmal zu fällen.

Bedarf an Bio-Christbäumen wächst

Die Anzahl der Christbäume aus streng ökologischem Anbau reicht noch nicht mal ansatzweise aus, um den jährlichen Christbaumbedarf in Deutschland zu decken. Nur etwa ein halbes Prozent der Christbäume, die jedes Jahr verkauft werden, tragen laut Umweltorganisation ROBIN WOOD ein Bio-Siegel. Solche Bäume sind strengen Richtlinien unterworfen. Die zertifizierten Betriebe werden nach den Regeln der Bio-Verbände bewirtschaftet. Kunstdünger und Pestizide sind dabei tabu.

Tricks eines Bio-Christbaumzüchters aus Kissing

Zum Beispiel auf Gut Mergenthau in Kissing im schwäbischen Landkreis Aichach-Friedberg: Bei dem zertifizierten Naturlandbetrieb werden auf etwa zehn Hektar Weihnachtsbäume gezüchtet. Vorrangig natürlich die beliebten Nordmanntannen, aber auch Blaufichten, Rotfichten oder Colorado, sowie Küsten- und die Nobilistannen. Weil sowohl mineralischer Dünger - sorgt für die tiefgrüne Farbe - als auch chemische Mittel zur Terminaltriebregulierung (heute meist nicht mehr zugelassen) nicht angewendet werden konnten, galten Bio-Christbäume lange Zeit als "weniger schön". Mittlerweile haben die Bio-Christbaumzüchter aber natürliche Mittel und Wege gefunden, gewisse Erwartungen der Kunden zu erfüllen.

"Deswegen bringen wir im Unterboden vor der Anpflanzung kompostierten Pferdemist aus und in der weiteren Standzeit wird bei den Weihnachtsbäumen bei uns mit stickstoffbindenden Pflanzen gearbeitet. Und dadurch kriegen wir eine schöne volle Nadel und eine dunkle Farbe zusammen." Ulrich Resele, Biolandbetrieb Gut Mergenthau

Auch die konventionellen Züchter verwenden kaum noch Wuchsverhinderungsmittel. Nadelbäume bilden nämlich von Natur aus ab einem gewissen Alter vor allem ihre Mitteltriebe aus. Das entspricht natürlich nicht dem Schönheitsideal, und die Züchtungen verlieren dadurch ihre A-Qualität oder werden sogar quasi unverkäuflich. Mit der Zange wird bei den Ökozüchtern die Trieblänge begrenzt, das sieht man beim Kauf an den kleinen Narben. "Es ist natürlich sehr zeit- und arbeitsaufwendig. Aber es funktioniert sehr gut", sagt Forstwirt Resele.

Wo kann ich Bio-Christbäume kaufen?

Wer einen Bio-Baum möchte, fragt am besten bei den Ökoanbauverbänden in Bayern wie Naturland, Demeter, Bioland oder Biokreis nach. Oder erkundigt sich bei Umweltschutzverbänden, Waldbauern oder dem Förster, ob sie Christbäume aus naturnahem Anbau beim Durchforsten haben.

Diese Bio-Bäume entsprechen natürlich nicht immer dem Idealbild eines Muster-Weihnachtsbaums. Da ist der Stamm schon mal ein wenig schief, die Astkränze nicht ganz regelmäßig, hier und da vielleicht eine Lücke. Das lässt sich mit etwas handwerklichem Geschick aber gut kaschieren. Man kann einen schönen Zweig von unten entsprechend kürzen und in ein vorgebohrtes Loch an der Fehlstelle einfügen. Oder den Baum halt so nehmen wie er ist – natürlich gewachsen, natürlich schön.

Christbaum im Topf – funktioniert das?

Voll im Trend: Der Christbaum im Topf. Klingt gut und vor allem nachhaltig. Schließlich kann das Bäumchen, wenn der Weihnachtsjob erledigt ist, wieder nach draußen, irgendwo wieder anwachsen und groß und stark werden.

  • Zum Artikel: Weihnachtsbaum zum Leihen - Schmücken, feiern, zurückverpflanzen

Leider überleben die meisten Christbäume im Topf das Auspflanzen nicht. Oft werden zum Beispiel die Wurzeln der Nordmanntannen kupiert, damit sie überhaupt in den Topf passen. Ist der Baum im Freiland gezogen worden und erst kurz vor Weihnachten in den Topf gepresst worden, dürfte der gesamte Wurzelballen beschädigt worden sein. Deshalb sind, wenn überhaupt, nur Nordmanntannen zu empfehlen, die bereits im Topf gewachsen sind.

Professionell machen das Baumschulen, die die Bäumchen dann aber auch mehrfach verpflanzen, um die Feinwurzelbildung anzuregen. Mit einem unversehrten Wurzelballen sind die Anwachschancen später immerhin größer.

Übrigens sollte das Tännchen beim Auspflanzen nicht größer als 1,20 Meter sein. Auch wenn es praktisch wäre, es handelt sich nicht um einen "Mehrwegbaum", eine Nordmanntanne wächst etwa 30 bis 40 Zentimeter pro Jahr. Wer denkt, er könnte den Baum im Herbst wieder ausgraben, sollte das besser vergessen.

Besser eine Fichte im Topf als eine Nordmanntanne

Fichten sind für den Topf daheim wesentlich besser geeignet, weil sie Flachwurzler sind. Daher können sich Fichten besser an die jeweiligen Bedingungen im Topf anpassen. Je nach Bodendichte gehen die Wurzeln tief, oder bleiben eher kurz und gehen in die Breite. Aber Fichten sind in der Pflege sehr zickig und reagieren sowohl auf Trockenheit wie auch auf Staunässe extrem empfindlich. Ein tägliches Besprühen der Nadeln mit Wasser wird empfohlen. Wer sich tatsächlich den Christbaum samt Ballen ins Haus holt, sollte diesen bereits im Freien regelmäßig gegossen haben.

Bäumchen an die Wärme gewöhnen

Der Baum braucht dringend einen Übergang von eiskalt zu mollig warm. Am besten im Treppenhaus oder in einem kühlen Zimmer. Wichtig ist, den Baum erst kurz vor Heiligabend ins Zimmer zu stellen und dort auch nur zwei, drei Tage stehen zu lassen – möglichst weit weg von der Heizung. Draußen kann er dann wieder eingepflanzt werden, sobald es frostfrei ist. Für den Baum bedeutet der Temperaturwechsel aber enormen Stress. Ihn aus dem warmen Zimmer direkt in die eisige Kälte mit Minusgraden zu stellen, überlebt er vermutlich nicht. Eine Gewöhnungsphase mit kalten, aber nicht frostigen Temperaturen wäre damit sinnvoll. Das BR-Studio Schwaben wünscht gutes Gelingen!

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