Bayern 1 - Experten-Tipps


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Christbaum Ist ein Bio-Weihnachtsbaum sinnvoll?

In Deutschland werden jährlich etwa 30 Millionen Christbäume verkauft. Um den Bedarf zu decken, werden sie in speziellen Kulturen gezogen, mit Einsatz von Chemie. Geht das nicht auch anders, fragt der Bayern 1-Umweltkommissar.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 01.12.2017

Illustration: Der Umweltkommissar und die Biene beim Christbaum-Kauf | Bild: BR

Der erste Eindruck:

Früher waren Christbäume noch ein Nebenprodukt der Forstwirtschaft und stammten in der Regel aus den heimischen Wäldern. Das Schlagen der Weihnachtsbäume war sozusagen Teil der Waldpflege, indem schwächere Bäume aus den dichten Jungbeständen entnommen worden sind. Dadurch bekamen die verbleibenden Bäume mehr Licht, Platz  und konnten sich besser entwickeln.

Kleine Schönheitsfehler lassen sich mit Christbaumschmuck vertuschen ...

Bis zum Heiligabend werden in Deutschland um die 30 Millionen Christbäume verkauft. Da kann der Bedarf mit der alten Methode natürlich längst nicht mehr gedeckt werden. Zumal wir zum Fest einen tiefgrünen, möglichst geraden und auch dichten Baum bevorzugen. Um dieses intensiveres Grün zu bekommen, braucht es aber Dünger und um der Nachfrage gerecht zu werden, auch eigens angelegte Kulturen.

Etwa jeder zehnte Christbaum, der in Deutschland verkauft wird, kommt aus dem Ausland; vor allem aus Dänemark sowie anderen Nachbarländern. In den letzten Jahren hat sich vor allem die Nordmann-Tanne in den deutschen Wohnzimmern (kaufen etwa 75%) breit gemacht und gerade diese Baumart wird oft importiert.  Gezogen in einer Monokultur und unter Einsatz von viel Chemie. Deshalb ist es vor dem Kauf wichtig zu wissen, was für einen Christbaum wir uns da ins Haus holen und welche Alternativen es gibt.  

Christbäume von ausländischen Monokulturen

Zwar werden immer weniger Christbäume aus Finnland, Dänemark und anderen nordischen Ländern importiert, aber wir sprechen immer noch von etwa drei Millionen Bäumen. Sie werden bereits Monate vor dem Fest geschlagen und über weite Strecken transportiert. Sie sind zwar meist billiger, aber dafür eben auch nicht mehr frisch und weniger lange haltbar. Aber auch für Bäume von Plantagen aus dem Sauerland oder Schleswig-Holstein ist der Weg nach Bayern weit. Die Lagerung und der Transport wirken sich natürlich negativ auf die Ökobilanz aus.   

Die Tännchen und Tannen aus den großen Plantagezentren sind Monokulturen, in denen die Bäume in Reih und Glied unter Einsatz von viel Dünge- und Pflanzenschutzmitteln hochgepäppelt werden.

Damit der Christbaum perfekt wächst, ist viel Chemie nötig.

Damit keinerlei Schädlinge oder gar Krankheiten die zukünftigen Christbäume entstellen, werden sie immer wieder mit Insektiziden, Fungiziden, Rhodentiziden und anderen Pflanzenschutzmitteln behandelt. Dabei räumt man, sofern überhaupt vorhanden, auch gleich noch sämtliche Nützlinge aus dem Weg. Noch 2014 hat der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), in Stichprobenuntersuchungen,  bei jedem zweiten Christbaum Rückstände von Pestiziden nachweisen können. Die Werte auch in zurückliegenden Untersuchungen lagen zwar nie im gesundheitsgefährdenden Bereich, aber wie sich die Gifte in kleinen, warmen Räumen verhalten und wie Allergiker und Asthmatiker darauf reagieren, ist unbekannt.

Wir Verbraucher tragen dabei auch eine Mitverantwortung, ein kräftig leuchtendes Grün mit einem edlen Hauch von Blau sollten die Nadeln schließlich schon zeigen und das erzielt man wiederum durch den Einsatz spezieller Düngezusätze. Um dem Markt makellose Weihnachtsbäume zu liefern, wird an Designer-Bäumen gearbeitet. Perfekte Maße, wohlgeformte Proportionen, harmonischer Aufbau bei gleichzeitiger Resistenz gegen Schädlinge und Unkrautvernichter.

Christbaumtrends und Wegwerfbäume

Die bereits erwähnte Nordmanntanne, ursprünglich aus dem Kaukasus, trägt den Namen ihres Entdeckers Alexander von Nordmann (1832), einem finnischen Botaniker. Nordmanntannen sind vor allem wegen ihrer fest haftenden Nadeln so beliebt. Lange standen eher heimische Fichten in den deutschen Wohnzimmern, aber die nadeln eben schnell. Da nützt es der Fichte auch nichts, dass sie etwa zwei Drittel weniger kostet als eine Nordmanntanne.

Während wir Deutschen immer größer werden, werden unsere Christbäume immer kleiner. So zwischen 1,50 bis 1,70 Meter misst der Christbaum derzeit im durchschnittlichen deutschen Haushalt – da haben wir schon mal höhere Christbaumspitzen gehabt. Vergessen wird dabei oft, dass auch diese Bäume etwa 6 bis 7 Jahre brauchen, um so groß zu werden. Letztlich nur, um nach zwei Wochen wieder auf dem Wertstoffhofe entsorgt zu werden.

Christbäume aus der Region

Wer einen Baum aus der eigenen Region kaufen möchte, kann sich zum Beispiel bei den Ämtern für Landwirtschaft und Forsten in Bayern kundig machen. Hier gibt’s Informationen zu den Ansprechpartnern des nächsten Forstreviers. Oft haben Forstreviere und private Waldbesitzer einen eigenen Weihnachtsbaumverkauf oder sie bieten Christbäume sogar zum Selbstschlagen an.

Zudem gibt es im Freistaat den Verein „Bayerischer Christbaumanbauer e.V.“, der dafür zuständig ist, Christbäume aus Bayern zu vermarkten. Das Herkunftszeichen „Bayerischer Christbaum“ steht für frische Weihnachtsbäume aus Bayern und verlangt, dass ausschließlich Bäume zertifiziert sind, die in Bayern produziert und nach dem 15. November oder nach Vollmondkriterien (also drei Tage vor dem elften Vollmond im Jahr) gefällt worden sind.

Stefan Spennesberger leitet zum Beispiel den Tannenhof in Oberweilbach bei Dachau nun in dritter Generation. Etwa 8.000 Christbäume wachsen auf seiner Plantage bis zu  Einschlag heran. Er wirbt mit „Regional. Nachhaltig. Zertifiziert.“, d.h. es ist zwar kein Biobetrieb, aber immerhin sind seine drei Standorte in Oberweilbach, Hörgenbach, Petershausen nach dem (privaten) GLOBAL.A.P. zertifiziert und Spennesberger steht für umweltbewussten Anbau und nachhaltiges Ressourcenmanagement. Die Standorte liegen nicht mehr als 15 Kilometer auseinander und auch die Verkaufsstände liegen im entsprechende Umkreis von Dachau. Er vertreibt seine Bäume zwar mittlerweile auch über einen Online-Shop, aber Stefan Spennesberger öffnet seine Plantagen auch zum Selbstschlagen des eigenen Christbaums, als Familienevent.

Sehr zu empfehlen ist beispielsweise da auch das nordbayerische Mittelsinn. Das Dorf im Spessart hat zwar gerade mal etwa 850 Einwohner, doch am zweiten und dritten Advent verwandelt sich Mittelsinn in das „erste Christbaumdorf Deutschlands“. Hintergrund ist, dass es in dem Mini-Ort allein 30 Familien gibt, die Christbäume anbauen und verkaufen. Zumindest im Verhältnis zur Einwohnerzahl gehört Mittelsinn zu den größten Christbaum-Standorten Deutschlands. Im Dezember öffnen nun die Bewohner ihre weihnachtlich geschmückten Höfe, backen Waffeln, schenken Glühwein aus und verkaufen regionale Produkte.

Bio-Bäume – gar nicht einfach zu finden

Nur magere 5 % der Christbäume, die jedes Jahr verkauft werden, tragen ein Bio-Siegel. Solche Bäume sind strengen Richtlinien unterworfen. Sie stammen nicht aus Plantagen, sondern aus Wäldern, die nach Regeln der Bio-Verbände bewirtschaftet werden. Kunstdünger und Pestizide sind dabei tabu.

Wer einen Bio-Baum möchte, fragt am besten bei den Ökoanbauverbänden in Bayern wie Naturland, Demeter, Bioland oder Biokreis nach. Oder erkundigt sich bei Umweltschutzverbänden, Waldbauern oder dem Förster, ob sie Christbäume aus naturnahem Anbau, beim Durchforsten haben.

Bio-Bäume entsprechen natürlich nicht immer dem Idealbild eines Muster-Weihnachtsbaums. Da ist der Stamm schon mal ein wenig schief, die Astkränze nicht ganz regelmäßig, hier und da vielleicht eine Lücke. Das lässt sich mit etwas handwerklichem Geschick aber gut kaschieren. Man kann einen schönen Zweig von unten entsprechend kürzen und in ein vorgebohrtes Loch an der Fehlstelle einfügen. Oder den Baum halt so nehmen wie er ist – natürlich gewachsen, natürlich schön.

Wer sich den Christbaum samt Ballen ins Haus holt, sollte diesen bereits im Freien regelmäßig gegossen haben. Wichtig ist es hier, den Baum erst kurz vor Heilig Abend ins Zimmer zu stellen und dort auch nur zwei, drei Tage stehen zu lassen; möglichst weit weg von der Heizung. Draußen kann er dann wieder eingepflanzt werden, sobald es frostfrei ist.

Siegel für Christbäume zur Orientierung

Das FSC-Siegel garantiert den Mindeststandard einer verantwortlichen Forstwirtschaft.

Das PEFC-Siegel (Programme for the Endorsement of Forest Certification schemes – Programm für die Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen) garantiert nachhaltige Waldwirtschaft. Fast 80 Prozent der bayerischen Waldfläche ist bereits nach PEFC zertifiziert.

Das Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert Wälder, in denen keine mineralischen Düngemittel und keine Pestizide eingesetzt werden dürfen. Außerdem wird auf Kahlschläge verzichtet und es dürfen vorrangig nur heimische Baumarten angepflanzt werden. Das Zertifikat garantiert zudem, dass soziale Standards eingehalten werden und es gibt regelmäßige Kontrollen. Die meisten Umweltorganisationen erkennen das FSC-Zertifikat als Mindeststandard einer verantwortbaren Forstwirtschaft an.

Die strengsten Kriterien werden bei den Siegeln der ökologische Anbauverbände wie Bioland, Demeter oder Naturland angelegt. Diese Forstbetriebe und Weihnachtsbaumkulturen werden nach ökologisch ausgerichteten Regeln bewirtschaftet. Auch wird die Einhaltung der vorgegebenen Standards regelmäßig von unabhängigen Kontrollstellen geprüft.

Fazit

Um auch untern Christbaum an Heilig Abend ein gutes Umweltgewissen zu haben, ist es doch schon mal ein erster Schritt auf Christbäume aus Bayern zurückzugreifen. Das bedeutet kürzere Wege und damit grundsätzlich eine bessere Ökobilanz.

Eine echte Alternative zu importierten Christbäumen, sind heimischen Tannen, Kiefern oder Fichten, die auf so genannten Sonderflächen, also unter Strom- oder auf Leitungstrassen wachsen. Diese Flächen gehören meist zu den regionalen Forstbetriebe und werden über diese auch vertrieben. Einfach anrufen und nachfragen. Es ist nämlich wirklich nicht ganz einfach Christbäume aus ausgewiesenen, ökologische bewirtschafteten Baumkulturen in der Umgebung zu finden. 

Links, die helfen:

https://www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/wohnen/christbaum-kaufen.html

http://www.bayerische-christbaumanbauer.de/

https://www.robinwood.de/schwerpunkte/okologische-weihnachtsbaume

http://www.weihnachtsbaum-kaufen.com/weihnachtsbaum-selber-schlagen/bayern

https://www.elisabethgreen.com/nachhaltigkeit/bio-weihnachtsbaeume/


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