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Naturschauspiel am Flughafen: "Eulenbaum" in Attaching | BR24

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Bildrechte: Moritz Steinbacher

Attaching ist vielen vielleicht bekannt, durch die Diskussion um die dritte Startbahn am Flughafen München. Jetzt könnte ein weitere Grund hinzukommen: Bis zu 16 Waldohreulen überwintern hier in einem Baum.

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Naturschauspiel am Flughafen: "Eulenbaum" in Attaching

Im Freisinger Stadtteil Attaching direkt neben dem Flughafen München gibt es ein Naturschauspiel zu bewundern: In einem Baum überwintern ungewöhnlich viele Eulen. Die Vögel sind weit gereiste Gäste, die nicht nur bei den Attachingern gut ankommen.

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Von
  • Birgit Grundner

Attaching kennen viele, weil dort gewissermaßen ein Zentrum des Widerstands gegen die dritte Startbahn am Flughafen München ist. Die Startbahn-Pläne liegen jetzt bekanntlich erst einmal auf Eis, am Airport ist es wegen Corona auch sonst recht ruhig geworden, und Attaching hat ein neues Thema: nicht große "Vögel“ mit Motoren, sondern kleine Vögel – genauer Eulen, die sich in auffallend großer Zahl in einer Lärche niedergelassen haben.

Leise und saubere Gäste

Eines gleich vorweg: Die unerwarteten Gäste sind "gut zu haben". Sie sind z.B. sehr leise. Er habe sie bisher allenfalls mal "gurren" gehört, erzählt Nachbar Daniel Neumeir. Die unangemeldeten Gäste machen anscheinend auch keinen Dreck. Es gibt jedenfalls keine Hinterlassenschaften unter der Lärche - aber viele Fotografen mit großen Objekten und Vogelkundler wie Christian Magerl, der regelmäßig mit dem Fernglas kommt.

16 Eulen mitten im Dorf

Bis zu 16 Waldohreulen hat er schon gezählt. Diese Vögel sind in Oberbayern zwar keine Seltenheit. Mitten in Siedlungen sieht man aber nicht so oft solche Schlafplatzansammlungen, wie Ornithologen das nennen. Im konkreten Fall handelt es sich vermutlich um Wintergäste aus Skandinavien, dem Baltikum oder Russland. "Die überwintern gerne bei uns, weil es hier doch milder ist", erklärt Magerl. Er geht davon aus, dass die Eulen auch den ganzen Winter bleiben.

Erdinger Moos als Jagdrevier

Schließlich lässt es sich in Attaching gut aushalten: Das Gebäude neben der Lärche schützt vor Wind, und gleich hinter dem letzten Haus fängt das Erdinger Moos an. Das sei das ideale Jagdrevier für die Waldohreulen, weiß Vogelexperte Christian Magerl: Sobald es dunkel ist, fliegt eine Eule nach der anderen raus und im Suchflug über das Moos. Die Vögel jagen mit dem Gehör, bevorzugte Beute sind Mäuse.

Corona "von Vorteil" für "akustische Jäger"

Für einen "Eulen-Winterurlaub" in Attaching spricht auch die momentane Ruhe: Wegen Corona ist am nahen Flughafen kaum etwas los. Andernfalls wäre es auch dann noch laut im Moos, wenn die Mäusejagd startet. Solche Lärmquellen würden "akustische Jäger" schon stören, sagt Magerl. So gesehen sei die jetzige Situation infolge von Corona natürlich "von Vorteil".

Attachinger schätzen lautlose "Flugobjekte"

Der Freisinger Ornithologe ist aber überzeugt, dass die Attachinger ihrerseits die absolut lautlosen "Flugobjekte" zu schätzen wissen. Eulen oder Düsenjets? Die Entscheidung fällt Eulen-Nachbar Daniel Neumair jedenfalls nicht schwer: "Die Vögel sind uns schon lieber."

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