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Corona-Shutdown (Symbolbild)

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Mitglied des Bayerischen Ethikrates kritisiert #ZeroCovid

Bis zum 15. Februar wurde der Corona-Lockdown verlängert: Schulen, Restaurants und Einzelhandel bleiben geschlossen. Kritik an einem harten Lockdown äußert nun Professor Christoph Lütge, Mitglied des Bayerischen Ethikrats.

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Von
  • Caroline Sophie Hofmann
  • Till Rüger
  • Hans Hinterberger

"Ein harter Lockdown geht mit vielen Kollateralschäden einher, denn Menschen sterben ja nicht nur am Virus, sondern an vielen anderen Erkrankungen", sagt der Wirtschaftsethiker und Professor an der TU-München, Christoph Lütge. Seit Oktober 2020 ist er Mitglied des neu gegründeten Bayerischen Ethikrates. Und als solcher spart er nicht mit Kritik an den Corona-Maßnahmen. Im Interview mit dem BR-Politikmagazin Kontrovers vertritt er den Standpunkt, Menschen würden nicht nur an Covid-19 sterben, sondern genauso, weil sie durch den Lockdown wichtige Voruntersuchungen verpassen würden.

"Das Durchschnittsalter der Corona-Toten liegt bei etwa 84 Jahren und da stirbt man an Corona oder auch an etwas anderem. So ist es nun einmal. Menschen sterben. Wenn Sie da ihre Voruntersuchungen verpassen, sterben Menschen an Herz-Kreislauf, an Krebs oder der Influenza, die plötzlich weg ist." Prof Christoph Lütge, Wirtschaftsethiker

Außerdem kritisierte der Wirtschaftsethiker asymptomatische Coronatests, also das Testen von Menschen auf Covid-19 ohne Symptome: "Das ist komplett sinnlos und das hat man vor Corona auch nie gemacht." Lütge verwies auf andere Länder, die ihre Teststrategie in dieser Hinsicht umgestellt hätten.

Corona nahe null bringen

#ZeroCovid eine Initiative von Wissenschaftlern, Aktivisten und Gesundheitspersonal fordert angesichts der Corona-Krise ein europaweites Herunterfahren auch für die Wirtschaft, Fabriken und Büros. Ziel: So die Infektionen nahe null zu bringen. Für Lütge eine "völlig illusorische Forderung". Seiner Meinung nach könne man die geforderte Inzidenz im Winter nicht erreichen.

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Die ZeroCovid-Kampagne sei "völlig illusorisch". Im Kontrovers-Interview warnt Christoph Lütgen, Mitglied im Bayerischen Ethikrat, vor den möglichen Kollateralschäden eines harten Lockdowns und fordert eine andere Teststrategie.

Berchtesgaden: vorsichtige Entspannung

Die Indizienwerte endlich in den Griff bekommen, darum kämpft der Landkreis Berchtesgaden seit Monaten. Seit dem 20. Oktober befindet sich der ganze Landkreis im Lockdown. Knapp zwei Wochen länger als das restliche Bayern. Keiner weiß so richtig, warum und wo sich die Menschen im Landkreis neu mit dem Corona-Virus infizieren. Nach leichtem Rückgang ist der Sieben-Tage-Inzidenzwert trotz Lockdown auf einen Höhepunkt von fast 350 Anfang Januar gestiegen und sinkt seitdem wieder. Landrat Bernhard Kern (CSU) mit Erklärungsversuchen:

"Ja auch der Landrat vom Berchtesgadener Land ist kein Hellseher. Wir haben nach wie vor, dieses Wort hab ich schon im Oktober gebraucht, ein diffuses Geschehen im gesamten Landkreis." Bernhard Kern, Landrat Berchtesgadener Land

Am 20. Januar sank der Wert im Berchtesgadener Land erstmals laut Robert-Koch-Institut unter 200 und auf einen Sieben-Tage-Inzidenzwert von 183.

Sorge um die Stimmung in Berchtesgaden

Thomas und Ruth Riedl betreiben das Gasthaus Wieninger Schwabenbräu in Bad Reichenhall. Seit Weihnachten bietet das Lokal Essen zum Mitnehmen an, wirtschaftlich lohne sich der Take-away-Service aber kaum.

"Man ist wahnsinnig müde, man mag sich nicht mehr alles anschauen und anhören. Die Politik macht das schon immer sehr klug, die sagen immer vorher schon gewisse Sachen an, dann kann man sich irgendwie drauf vorbereiten." Beate Riedl, Schwabenbräu

Seit 1997 führt Thomas Riedl mit seiner Frau Ruth das Lokal. Wir gehen mit ihm in die Innenstadt von Bad Reichenhall und treffen weitere Einwohner. Vielen schlägt der Lockdown aufs Gemüt.

Söder: "Wir müssen uns noch gedulden."

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wirbt für die Strategie der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidenten. Es gebe trotz der leicht positiven Tendenzen keinen Anlass zur Entwarnung, sagt er am Mittwoch in München: "Wir müssen uns noch gedulden". Ein Abbruch der Maßnahmen wäre auch wegen der aggressiveren Mutation des Coronavirus ein großer Fehler. Daher müsse der Lockdown verlängert werden. Wie es danach weitergehe, hänge einzig und alleine vom weiteren Infektionsgeschehen ab.

Virusmutationen unter Beobachtung

Inwiefern wandelt sich der Virus und wird so ansteckender? Am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München erforschen Wissenschaftler Mutationen des Virus, in dem sie das Erbgut in seine Einzelteile zerlegen und Veränderungen feststellen.

"Nicht jede Mutation ist gleich eine Verschärfung der Lage und der Übertragbarkeit. Die Mutationen, die in Großbritannien oder Südafrika festgestellt worden sind, haben eine Wirkung auf die Infektiosität des Erregers. Andere Mutationen sind eigentlich ohne jede Bedeutung. Und da ist die Situation besonders zu beobachten." Dr. Roman Wölfel, Oberstarzt Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr

Sicher scheint: Die Mutationen aus England und Südafrika sind ansteckender. Dennoch lassen sie sich bekämpfen, meint der Oberstarzt: durch Kontaktreduzierung, Abstand halten und Maske tragen.

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