Helfer der Johanniter-Unfall-Hilfe und des Arbeiter-Samariter-Bund stellen in einer Turnhalle als Notunterkunft Betten für Geflüchtete aus der Ukraine auf (Archivbild)
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Schulturnhalle als kurzfristig geplante Notunterkunft (Symbolbild)

    Geflüchtete aus der Ukraine - Leben in der Schulturnhalle

    Manche Geflüchtete aus der Ukraine, darunter auch Kinder, leben wochen- oder sogar monatelang in einer Schulturnhalle. Das liegt am angespannten Wohnungsmarkt. Die Behörden tun viel, stellen sich aber zeitgleich auf steigende Flüchtlingszahlen ein.

    Wer in einer Schulturnhalle lebt, hat nicht unbedingt eine Intimsphäre. Der nächste Nachbar wohnt gleich hinter der provisorischen Wand, es wird manchmal laut und Kinder müssen sich an gemeinsam verabredete Regeln halten. Manche Geflüchtete aus der Ukraine leben monatelang in einer bayerischen Schulturnhalle.

    Immer wieder Härtefälle

    Christian Hlatky von der Bürgerstiftung Rosenheim unterstützt geflüchtete Ukrainer im Stadtgebiet. Er berichtet von Härtefällen wie zum Beispiel einer achtköpfigen Familie, für die einfach kein Wohnraum gefunden werden könne, oder Personen, die nicht alle Dokumente bei sich haben.

    In der Stadt Ingolstadt leben aktuell 25 Personen in einer Halle, tageweise wechselnd, wie die Stadt auf Anfrage mitteilte. Die Halle dort soll in den nächsten Wochen geschlossen werden. Im Landkreis Rosenheim ist die Schulturnhalle in Prien am Chiemsee mit 60 Menschen belegt. In der Stadt Rosenheim sind es aktuell 30 Menschen in der Luitpoldhalle. Allerdings konnten dort in den vergangenen zwei Wochen rund 30 Bewohner ausziehen.

    Kommunen suchen nach Lösungen für ukrainische Geflüchtete

    In der Stadt Rosenheim ist im Oktober Baubeginn für eine Tiny House-Siedlung, die im Norden der Stadt errichtet wird. Die Siedlung soll auf einem Feld entstehen, das noch erschlossen werden muss. 60 Personen sollen dort künftig Platz finden. Die Gesamtkosten werden auf über drei Millionen Euro geschätzt, den Rückbau eingeschlossen.

    Grundsätzlich müssen sich Geflüchtete aus der Ukraine selbst auf die Suche nach einer Wohnung machen, macht das Landratsamt Rosenheim deutlich. Die ukrainischen Geflüchteten hätten seit Juni die gleichen Rechte und Pflichten wie vergleichbare deutsche Familien, die Harz IV beziehen. Die Kosten für Wohnraum würden übernommen, wenn nötig.

    Der Landkreis Rosenheim sucht stets nach größeren Objekten, um geflüchtete Menschen unterbringen zu können. Nun konnte die ehemalige Frauenklinik in Prien am Chiemsee angemietet werden. Sowohl die Stadt Rosenheim als auch der Landkreis wurden seitens der Regierung von Oberbayern angehalten, sich wieder auf steigende Flüchtlingszahlen einzustellen und vorzubereiten.

    Steigende Flüchtlingszahlen erwartet

    In der letzten Zeit seien es pro Tag rund 30 Personen gewesen, die nach Oberbayern gekommen sind, teilte die Regierung von Oberbayern auf Anfrage mit. Die Ankommenden seien zuletzt im Rahmen des Bundesausgleichs weitgehend auf andere Bundesländer verteilt worden. Ab dieser Woche müsse allerdings wieder mit Zuweisungen an die oberbayerischen Landratsamtsämter gerechnet werden.

    Freising zum Beispiel würden 25 Personen zugewiesen sowie 50 Personen an das Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen. Abhängig von weiteren Geflüchteten sei davon auszugehen, dass künftig pro Woche 100 bis 150 Personen oberbayerischen Kreisverwaltungsbehörden zugewiesen werden, so die Regierung von Oberbayern abschließend.

    Bürgerstiftung Rosenheim und Freiwillige helfen

    In der Stadt Rosenheim versucht die Bürgerstiftung mit allerlei Angeboten, den Turnhallenbewohnern etwas Abwechslung zu verschaffen und den ukrainischen Geflüchteten, die in Rosenheim leben, insgesamt zu helfen. Dabei kann die Bürgerstiftung auf viel Solidarität aus der Gesellschaft und der Wirtschaft zählen.

    Christian Hlatky nennt die stolze Spendensumme von 90.000 Euro, die man in diesem Jahr bereits erhalten habe. Organisiert würden damit zum Beispiel Deutschkurse oder Sing- und Tanzprojekte für Kinder und vieles mehr. Freiwillige Helfer hätten im Sommer Bergausflüge mit Geflüchteten unternommen oder Malkurse angeboten.

    Auch wenn die Menschen nicht mehr in Turnhallen lebten, seien sie doch weiter in der Stadt und würden sich über Hilfe und Angebote freuen, berichtet Christian Hlatky. Zunehmend engagierten sich Ukrainer in Rosenheim aber auch selbst.

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