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Bildrechte: BR / Ludwig Knoll

Der Marktgemeinderat von Garmisch-Partenkirchen stimmt heute Abend darüber ab, ob sich der Ort für die alpine Ski-WM 2027 bewerben soll.

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Garmisch entscheidet über Bewerbung für Ski-WM 2027

Der Marktgemeinderat von Garmisch-Partenkirchen stimmt heute Abend darüber ab, ob sich der Ort für die alpine Ski-WM 2027 bewerben soll. Die Chancen für eine Teilnahme an der Bewerbung stehen offenbar gut.

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Von
  • Lui Knoll

Der Marktgemeinderat von Garmisch-Partenkirchen stimmt am frühen Abend darüber ab, ob sich der Ort für die alpine Ski-WM 2027 bewerben soll. Eine Zustimmung der 30 BürgervertreterInnen gilt als sicher. Nachhaltige Wettbewerbe sollen es werden, ohne weitere Eingriffe in die Natur.

Streif, Lauberhorn oder Kandahar

Wer im Corona-Winter 2021 ohne Hilfe des Sessellifts am Starthaus der Kandahar-Abfahrt in 1700 Meter Höhe auf dem Kreuzjoch steht, kennt die Faszination, die dieser Berg mit seinen unterschiedlichen Abfahrten auf Skisportler ausübt. Für den ambitionierten Pistenfahrer ist es der Beginn eines 3,5 Kilometer langen Abenteuers und eine Herausforderung für jeden mehr oder weniger stark trainierten Oberschenkel. Für jeden Rennläufer ist es der Startpunkt einer der spektakulärsten Skiabfahrten des Ski- Weltcups. Die Aktiven diskutieren jedes Jahr aufs Neue, ob jetzt die Streif in Kitzbühel oder das Lauberhorn im schweizerischen Wengen oder die Pista Stelvio in Bormio die größte Herausforderung eines Winters ist? Die Kandahar-Abfahrt mit ihrem exotischen Namen gehört auf jeden Fall dazu. Der Earl of Kandahar, ein britischer Feldmarschall hat 1911 am Arlberg einen Pokal für ein Skirennen gestiftet. Er kam auf Umwegen ins Werdenfels und gab der Strecke mit fast 1000 Metern Höhenunterschied ihren Namen.

Garmisch-Partenkirchener sind "Ski-verrückt"

Die Garmisch-Partenkirchener lieben ihre Kandahar. Insider sagen, sie seien „ski-verrückt“. Deshalb ist es kein Wunder, dass die Begeisterung für den Skisport sich auch in der Austragung von Wettkämpfen zeigt. Der Ort mit seinen rund 27.000 Einwohnern lebt vom Tourismus, sommers wie winters. Er ist der wichtigste Wintersportort Deutschlands. Das gilt ohne Einschränkung für den alpinen Skisport. Die Marktgemeinde organisiert gemeinsam mit dem Skiclub die Austragung von Skirennen. Der Stab an Mitarbeitern arbeitet eng zusammen. Skiclub, Bauhof und die Bayerische Zugspitzbahn mit ihrem langjährigen Pisten-Knowhow garantieren Jahr für Jahr eine Piste, die den Anforderungen des Rennsports genügen. Hunderte Ehrenamtliche sorgen dafür, dass die Organisation unter dem Kreuzeck wie ein Uhrwerk funktioniert. Darauf können sich Aktive und Funktionäre verlassen, wenn sie zur Kandahar anreisen.

Naturschutz: Ski-WM nicht mehr zeitgemäß

Dass die Konzentration von Skisport an diesem Berg auch Schattenseiten hat, wissen alle Naturfreunde. Die neue Kandahar-Abfahrt, die zur WM 2011 in den Wald gefräst wurde, zeigt die Wunden, die der Berg mit der Erweiterung der Pisten erfahren hat. Der Bund Naturschutz und die Grünen im Marktgemeinderat fordern deshalb einen Verzicht für eine erneute Bewerbung. Axel Döring, ihr Wortführer betont, dass „Weltmeisterschaften im Zeitalter des Klimawandels nicht mehr zeitgemäß seien“. Der frühere Förster am Kreuzeck und ehemalige Gemeinderat hat mit den Kritikern errechnet, dass die Temperaturen in 40 Jahren um 1,5 Grad gestiegen seien. Das entspricht etwa 300 Höhenmeter, die könnten nur durch technische Beschneiung ausgeglichen werden. Er hat Angst, dass für eine mögliche WM im Jahr 2027 neue Wasserspeicher und eine Erweiterung der Beschneiung notwendig wären.

Absichtserklärung: Nachhaltige Ski-WM

Im Rathaus begegnet man dieser Sorge mit der Absichtserklärung für eine nachhaltige Ski-WM. Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) möchte in die Bewerbung Umwelt-Standards aufnehmen und verspricht, dass an den bestehenden Strecken nichts geändert wird. Das sogenannte Bidbook der FIS, die Vorderungsliste für die Wettbewerbe, muss neu geschrieben werden. Dort sollen Umweltziele und der erklärte Wille gegen neue Strecken beschrieben werden. Dazu zählt auch die Aufnahme des Gudibergs als Austragungsort für Slalom- und Parallel-Wettbewerbe. Er dient dem alpinen Nachwuchs der beiden Skiclubs Garmisch und Partenkirchen als Trainingsberg und wurde für die letzte WM mit einem eigenen Sessellift erschlossen. Hier haben die Lokalmatadore Maria Höfl-Riesch und Felix Neureuther die Grundlagen für ihre internationalen Erfolge erarbeitet. Für den Nachwuchs im Deutschen Skiverband, nicht nur für die Garmisch-Partenkirchener, ein wichtiger Trainingsort.

Entscheidung beim Internationalen Skiverband FIS

Garmisch-Partenkirchen war 1978 und 2011 Austragungsort für eine Ski-WM. Der bisherige Vorstand des Skiclub Garmisch Peter Fischer ist 1978 noch als Aktiver der deutschen Abfahrer über die Kandahar gerast. Er ist einer der Garanten des Skisports im Kreisort und hofft mit der Mehrheit der Einheimischen auf die Zusage für 2027. Die hängt jetzt vom Votum des Marktgemeinderates ab – und davon – ob die Bewerbung beim Internationalen Skiverband FIS und gegen die des Schweizer Skiorts Crans-Montana Erfolg haben kann.

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