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Erdinger Seniorenzentrum: Weihnachtsfeier oder Versammlung? | BR24

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Der Foodtruck stand am späten Abend verwaist im Innenhof.

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Erdinger Seniorenzentrum: Weihnachtsfeier oder Versammlung?

War es eine in der Corona-Pandemie nicht erlaubte Weihnachtsfeier mit rund 40 Menschen? Oder eine genehmigte Mitarbeiterversammlung? Landratsamt und Heimbetreiber widersprechen sich bei dem, was sich in einem Seniorenzentrum in Erding abgespielt hat.

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Von
  • Günther Rehm
  • David Herting
  • Christoph Müller

Was genau fand am Freitagabend in einem Seniorenzentrum am Rande von Erding statt? Ein Nachbar hatte kurz nach 19 Uhr bei der Polizei angerufen und gemeldet, dass dort gerade gefeiert werde.

Laut Erdinger Polizei trafen die Beamten auf etwa 40 Mitarbeitende, die in einem 40 bis 50 Quadratmeter großen Raum zusammensaßen und sich Videos anschauten. Auf dem Gelände stand ein Foodtruck, zudem wurden Getränke ausgeschenkt. Den Beamten wurde erklärt, es handele sich um eine Betriebsversammlung.

Polizei: Mehr Weihnachtsfeier als Betriebsversammlung

Nach Angaben der Beamten hielten die Teilnehmer die Mindestabstände nicht ein, Mund-Nasen-Bedeckungen seien nur in unzureichendem Maß getragen worden. Aufgrund der Kleidung der anwesenden Personen und der Stimmung seien die Beamten davon ausgegangen, dass es sich um eine Weihnachtsfeier der Belegschaft handelte.

Die Polizei nahm die Personalien der Teilnehmer auf und löste die Versammlung auf."Diese Betriebsversammlung hat, und das muss man schon sagen, schon ziemlich nach Feierlichkeit, nach Weihnachtsfeier ausgesehen", sagte auch Andreas Aichele, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, in der BR-Sendung "Abendschau - Der Süden".

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Eine Weihnachtsfeier mit 40 Personen ist in Corona-Zeiten nicht erlaubt. Vermutlich kamen aber Mitarbeitende eines Seniorenzentrums auf diese Idee - mitten im Corona-Hotspot Erding. Die Polizei schritt ein. Die Leitung bestreitet die Vorwürfe.

Betreiber des Seniorenzentrums widerspricht

Das Seniorenzentrum gehört zu einer von über einem Dutzend Alten- und Pflegeheimen der in Eggenfelden ansässigen privaten Firmengruppe Pichlmayr. Die Firma wehrte sich am Dienstag in einer Pressemitteilung gegen die Vorwürfe von Medien, Polizei und Landratsamt.

Die Meldung im Erdinger Pflegeheim habe eine Weihnachtsfeier stattgefunden, sei falsch. "Richtig ist dagegen, es war eine einstündige Mitarbeiterversammlung, bei der nach Aussage unserer Heimleiterin die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten wurden", heißt es darin. Und weiter: "Über die zulässige To-Go-Abgabe im Freien (...) wurde das Landratsamt vorab informiert."

Landratsamt: Veranstaltung war nicht genehmigt

Im Erdinger Landratsamt sieht man den Vorfall im Seniorenzentrum komplett anders. Das Heim habe sich nicht an die Pandemie-Verordnungen gehalten, heißt es am Dienstag auf BR-Anfrage ebenfalls in einer schriftlichen Stellungnahme. "Festzuhalten ist, dass diese Veranstaltung nicht genehmigt war." Der Fachbereich Heimaufsicht des Landratsamtes prüfe "etwaige aufsichtsrechtliche Maßnahmen gegen die Einrichtung bzw. den Träger".

Das Landratsamt sei Ende November von der Pichlmayr GmbH über die Zusammenkunft informiert worden – mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass es sich nicht um eine Weihnachtsfeier handele, sondern dass eine Essensausgabe unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln stattfinden würde.

Warten auf Stellungnahme des Trägers

Das Landratsamt hat jetzt den Träger der Einrichtung um eine kurzfristige Stellungnahme gebeten. Außerdem wurde gegen die an der "Essensausgabe" beteiligten Personen ein Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit eingeleitet.

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