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    20 Jahre Klinikclowns: Sanfte Therapien, keine Kassenleistung

    Lachen, wenn der Arzt kommt: Seit 20 Jahren gibt es den KlinikClowns e.V. in München. Längst bestätigen Studien, dass Humor am Krankenbett heilsame Wirkung hat. Doch die Kosten dafür sind immer noch Privatsache. Von Michael Zametzer

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    Die Tür zum Krankenzimmer öffnet sich. Sophie und Sebastian bekommen große Augen - und ein bisschen schüchtern sind sie auch. Aber nicht lange. Dr. Pippo und Dr. Rosa Socke wissen schon, wie man Patienten im Vorschulalter knackt - mit einer kleinen, grunzenden Gummi-Sau zum Beispiel, die Dr. Socke aus der Tasche ihres weiten Clownskostüms zieht.

    "Magst mein Schwein streicheln? Des red nur viel, aber tut nix - aber weißt, was es am liebsten mag? Die Blubberblasen aus‘m Limo…!" Dr. Socke

    Während die kleine Sophie das Gummischweindl von Dr. Socke zum Grunzen bringt, packt Dr. Pippo die Seifenblasenflasche aus. Die Kinder sitzen auf dem Schoß ihrer Mamas und biegen sich vor Lachen, haben die Scheu vor den beiden rotnasigen Clownsfiguren verloren.

    Gratwanderung zwischen Angst und Übermut

    So schnell wie bei Sophie und Sebastian geht es nicht immer.

    "Manchmal ist es auch zu viel, wenn gleich zwei kommen, aber wenn man ein gutes Gefühl hat, kann man allem den Raum geben kann, den es auch braucht. Beim Zu-zweit-Sein ist das Gute, dass einer von uns den Part vom Kind übernehmen kann, also auch Angst hat, und dann zeigt: Komm, des tut nix, alles gut. Und damit gewinnt man die Kinder auch meistens." Felix Neuenhoff/Mira Neumeier

    Felix Neuenhoff und Mira Neumeier sind KlinikClowns und im Einsatz auf der chirurgischen Station des Kinderkrankenhauses Sankt Marien in Landshut. Zwei Profis, die ihr Honorar vom gemeinnützigen Verein "KlinikClowns" in München bekommen. Denn: KlinikClowns sind keine Ehrenamtler, sondern sorgfältig vom Verein ausgewählte und geschulte Schauspieler und Bühnenkünstler.

    Was vor 20 Jahren mit einem ersten Einsatz von zwei Clowns in einer Münchner Kinderklinik begonnen hat, ist mittlerweile zu einer bayernweiten Organisation geworden: 60 Clowns in 90 Kliniken, aber auch Altenheimen und Hospizen.

    Ein Clown am Sterbebett

    Keine leichte Vorstellung. Elisabeth Makepeace, Gründerin KlinikClowns, zitiert einen Palliativarzt: Humor gehört zum Leben dazu - bis zum Ende. Makepeace ist überzeugt, dass er auch was bringt und erreicht. Eigentlich ist sie Schauspielerin und Theaterregisseurin. Sie bedauert, dass das Lachen mit den Clowns wie die meisten Maßnahmen, die der Seele des Patienten gut tun, Sache von Vereinen, Gemeinnützigen Organisationen und Stiftungen ist.

    Lachen ist gesund - und Studien bestätigen das

    Im Leistungskatalog der Krankenkassen ist Humor bislang nicht vorgesehen. Dabei haben Studien die positive Wirkung von KlinikClowns inzwischen bestätigt.

    "Dieser Effekt der Humortherapie ist messbar, aber in unserem auf Effizienz getrimmten System ist es schwierig, das zu behaupten. Ich glaube aber, dass wir hier allesamt eine wichtige Aufgabe haben, insbesondere in der Kindermedizin, dass wir hier dem Spartrend im Interesse unserer Patienten entgegenwirken müssen." Prof. Christoph Klein, Direktor des Hauner'schen Kinderspitals in München

    Im Hauner'schen haben die KlinikClowns vor 20 Jahren zum ersten Mal ein Krankenzimmer betreten. Auch der Mediziner wünscht sich einen feste Verankerung dieser "seelischen Behandlungsmethoden" im Gesundheitswesen, schließlich finanzierten manche Kassen auch umstrittene Methoden wie die Homöopathie.

    Hoffen auf eine Petition

    Elisabeth Makepeace setzt auf die Arbeit des Dachverbandes Clowns in Medizin und Pflege, der vor einigen Jahren eine Petition im Bundestag eingebracht hat.

    "Die Petition ist damals sehr wohlwollend aufgenommen worden, ist auch weitergereicht worden, und da sind wir jetzt dran, immer weiter zu gehen, es gibt Kassen, die überlegen, was zu machen, aber das braucht noch Zeit. " Elisabeth Makepeace

    Für die beiden KlinikClowns Dr. Pippo und Dr. Rosa Socke geht der Spaß derweil weiter: Woche für Woche, bei immer neuen Kindern …