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Virus kann das Herz angreifen Welche Folgen kann Corona für Sportler haben?

Sport ist gesund – und Bewegung die beste Prävention, um nicht krank zu werden. Doch Corona macht die Sache etwas komplizierter. Nach einer Covid-19-Erkrankung ist Vorsicht geboten!

Von: Thomas Kempe

Stand: 14.12.2020

Niemand ist vor einer Corona-Infektion gefeit – auch nicht vor einem schweren Verlauf. Selbst Fußballprofi Ilkay Gündogan hat es im September erwischt. Der Weg zurück in ein gesundes Leben war offenbar kein Spaziergang. Gündogan beschreibt seine Covid-19-Erkrankung auf der Website der Bundesregierung in der Kampagne #coronaerfahrungen so:

"Selbst ich, als junger gesunder Leistungssportler, habe die Symptome als sehr stark wahrgenommen. In einer Art und Weise, wie ich es nicht kannte."

Ilkay Gündogan, Fußballnationalspieler

Corona kann Herz, Lunge, Blutgefäße und das Nervensystem schädigen

Auch Sportprofis kann Corona heftig treffen und unter Umständen schwere Folgen für sie haben. Ein Umstand, auf den auch Mediziner hinweisen. Die Langzeitfolgen können dabei allerdings nicht zuverlässig vorhergesagt werden.

Was sich nach und nach aber als besonders tückisch herausstellt: Auch bei milden und schnellen Verläufen – nahezu ohne Symptome – können die Nachwirkungen einer Covid-19-Erkrankung massiv sein. Längst ist bekannt, dass nicht nur die Lunge in Mitleidenschaft gezogen werden kann, sondern auch das Herz, Blutgefäße und das Nervensystem. Das unterscheidet das neue Virus zum Beispiel deutlich von der Virus-Grippe.

"Der Unterschied zwischen der Grippe und Corona ist: Die Grippe befällt das Herz nicht so wirklich. Es gibt es auch mal. Bei Corona ist es aber so, dass die Herz-Beteiligung viel, viel häufiger ist, und deshalb muss man auch das eine von dem anderen trennen."

Prof. Dr. med. Martin Halle, Sportmediziner, Klinikum rechts der Isar, München

Gefahr einer Herzmuskelentzündung nach Covid 19

Für Leistungs- und passionierte Hobbysportler scheint da besondere Vorsicht geboten. Vernarbungen in der Lunge, krasser Leistungsabfall und möglicherweise sogar die Gefahr einer unerkannten Herzmuskelentzündung sind denkbar.

Erwischt hat es zum Beispiel den Profi-Eishockeyspieler Janik Möser von den "Grizzlys Wolfsburg". Er hatte eine milde Covid-19-Erkrankung. Kurz bevor er wieder ins Training  wollte, ergab ein Belastungs-EKG einen auffälligen Wert. Weitere Untersuchungen folgten.

"Und dann hatte ich einfach Glück, dass ich am gleichen Tag noch zum Kardiologen geschickt wurde. Und der hat festgestellt, dass sich mein Herzmuskel entzündet hat."

Janik Möser, Eishockeyprofi

Ein Problem dabei: Herzmuskelentzündungen spüren die Betroffenen zunächst oft gar nicht. Dann besteht die Gefahr, dass gerade eigentlich leistungsfähige Menschen zu schnell ins Training zurückwollen. Das könnte mit geschädigtem Herzen sogar tödlich sein.

"Das macht die Sache so heimtückisch, dass diese Entzündungsvorgänge häufig über Tage und Wochen im Herzen ablaufen und dann, wenn der Mensch an und für sich schon wieder gesund ist, ein beeinträchtigtes oder auch geschwächtes Organ zurückbleibt."

Prof. Dr. med. Heribert Schunkert, Kardiologe, Deutschen Herzzentrum München

Nach Erkrankung mit Sport vorsichtig sein

In Sachen Corona bleiben für Sportler und Mediziner dabei bisher leider viele Fragen offen. Dass Sport zumindest auf einen milderen Verlauf hoffen lässt, wird angenommen. Nach einer Infektion sollte aber auf jeden Fall noch eine Schonzeit eingeplant werden. Zudem sollte idealerweise der Hausarzt überprüfen, ob der Patient wirklich wieder fit ist. Grundsätzlich gilt – wie so oft zur Zeit: Im Zweifel sollten lieber etwas vorsichtiger und langsamer angehen lassen!


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