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Impfung beim Hausarzt Kommt jetzt Tempo in die Impfkampagne?

Diese Woche beginnen Hausärzte in ganz Bayern mit der Corona-Impfung. Höchste Zeit – denn die dritte Welle wird zur Belastung für die Kliniken. Es gibt immer mehr junge Patienten. Gesundheit! fragt nach: Reicht der Impfstoff für Zentren und Praxen? Und sollten auch Jüngere bald schneller drankommen?

Von: Florian Heinhold und Sina-Felicitas Wende

Stand: 30.03.2021

In Deisenhofen, in der Hausarztpraxis von Dr. Oliver Abbushi, trifft Gesundheit! einen der ersten Bayern, die ihre Corona-Impfung vom Hausarzt bekommen haben. Für den 81-jährigen Kurt Schromm war es höchste Zeit, angesichts seiner Vorerkrankungen.

Bayerische Modellpraxen impfen bereits seit Ende März

"Ich hatte schon etliche Thrombosen, ich hatte beidseitige Lungenembolien. Dass ich irgendwo im Krankenhaus lande und beatmet werden muss - das war schon meine große Sorge."

Kurt Schromm, Patient

 Er ist froh, dass er hier in der Praxis geimpft wurde, wo man seine Krankengeschichte kennt.  

"Wir haben auch Patienten, die sagen, sie lassen sich nur in der Hausarztpraxis impfen, sie gehen nirgendwo anders hin. Wir Hausärzte können gut helfen, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen."

Dr. med. Oliver Abbushi, Allgemeinmediziner, Bayerischer Hausärzteverband, München

Bürokratie belastet die Impfzentren

Bisher waren die Impfzentren die einzigen, die den knappen Corona-Impfstoff verabreicht haben. Im Impfzentrum Regensburg berichtet uns der ärztliche Leiter, dass ein großer Teil der Arbeit aus Verwaltung, Aufklärung und Dokumentation besteht. Auch wenn die Hausärzte etwas weniger Bürokratie bei der Corona-Impfung zu bewerkstelligen haben, fürchten viele Ärzte in Bayerns Impfzentren, dass manch niedergelassener Kollege den Aufwand unterschätzen könnte.

"Wenn der Hausarzt sein ganz normales Tagesgeschäft hat und soll noch zwei, drei Stunden am Tag zusätzlich impfen - das wird schwierig. Ich wünsche mir, dass es klappt. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass wir unser Leben zurückbekommen und die Hausärzte voll mit einsteigen. Aber es wird sportlich am Anfang. Es darf auf keinen Fall passieren, dass das zum Konkurrenzkampf ausartet."

Dr. med. Andreas Piberger, Ärztlicher Leiter, Impfzentrum Regensburg

Lage auf den Intensivstationen verschärft sich

Mehr Tempo beim Impfen scheint in der aktuellen Lage bitter nötig zu sein. Auf den Intensivstationen füllen sich die Betten schon wieder. Dabei stehen wir erst am Anfang der Dritten Welle.

"Nüchtern betrachtet stellen wir uns auf Patientenzahlen ein, die deutlich über den Maximalwerten der zweiten Welle liegen werden. Wir haben relativ eindeutig die Beobachtung, dass die Patienten, die mit der britischen Mutante infiziert sind, schwerer erkrankt sind, schneller beatmet werden müssen und auch öfter eine ECMO-Therapie benötigen."

PD Dr. med. Michael Irlbeck, Intensivmediziner, Klinikum Großhadern, München

Die meisten Patienten sind mittlerweile mit der britischen Mutante infiziert. An den Standorten Großhadern und in der Innenstadt des Münchener LMU-Klinikums fällt den Ärzten noch ein Trend auf: Die Schwerstkranken werden immer jünger.

Wir begleiten Dr. Benedikt Aulinger zu einem schwer gezeichneten Patienten, der gerade von der Intensivstation zurück ist. Mit Anfang 60 wäre er in der zweiten Welle unter den jüngeren Intensivpatienten gewesen. Jetzt gehört er zu den älteren. Denn die Covid-Patienten, die seit Beginn der dritten Welle am LMU-Klinikum auf der Intensivstation landen, sind im Durchschnitt nur noch 55 Jahre alt.

"Was wir auch beobachten ist, dass die Viruslast bei diesen Patienten ganz besonders hoch ist und dass die Patienten viel länger eine hohe Viruslast tragen."

Dr. med. Benedikt Aulinger, Internist, Klinikum der Universität München, LMU

Covid Smart Studie: Entlastung der Kliniken durch Betreuung daheim

Am Uniklinikum wird jetzt verstärkt auf eine Studie gesetzt, bei der Covid-Patienten möglichst lange zuhause betreut und mit Smartwatches medizinisch überwacht werden. Das könnte ein Weg sein, um die Kliniken in Zukunft nicht zu überlasten. Covid-Patienten aus dem Raum München können sich auf der Website https://covid-smart.de/ informieren, ob Sie für die Studie in Frage kommen.

Aber auch hier hoffen die Ärzte auf den Effekt von mehr Flexibilität beim Impfen. Denn: Wenn mehr Junge schwer erkranken, wirft das auch Fragen bei der Impfreihenfolge auf.

"Je mehr Impfstoff vorhanden ist, desto weniger Bürokratie in der Reihenfolge brauchen wir.  Sobald genügend Impfstoff da ist, bin ich absolut dafür, alle Impfwilligen zu impfen. Bis wir genügend Impfstoff haben, muss man aber an der Priorisierung festhalten."

Prof. Dr. med. Stefan Kääb, Kardiologe, Klinikum Großhadern, München

Hausärzte sind zuversichtlich

Dr. Oliver Abbushi ist trotz aller Herausforderungen optimistisch, dass es beim Impfen dank der Hausärzte jetzt schneller vorangehen wird.

"Das ist wichtig, damit wir ganz schnell auf eine hohe Zahl an geimpften Personen kommen. Und damit sich ganz schnell in Deutschland auch im allgemeinen Leben wieder etwas Positives verändern kann."

Dr. med. Oliver Abbushi, Allgemeinmediziner, Oberhaching

Patient Kurt Schromm wird bald seine zweite Impfung kriegen. Natürlich bei seinem Hausarzt.


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