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Asthma, COPD, Covid-19 Richtig Atmen auf dem Atemlehrpfad

Für Asthma- und COPD-Patienten sowie Menschen nach einer Covid-19 Erkrankung ist das Atemtraining ein wichtiger Therapiebaustein. Aber auch Gesunde können davon profitieren: Atemübungen können zum Beispiel bei Stress für mehr Ruhe und Entspannung sorgen. Gesundheit!-Reporter Fero Andersen besucht den Atemwegs-Lehrpfad in Garmisch-Partenkirchen. Dort lernt er unter anderem wie er seine Lunge richtig belüftet, die Brustkorbbeweglichkeit verbessert, und warum bewusstes Atmen uns leistungsfähiger machen kann.

Von: Agnieszka Schneider

Stand: 29.03.2021

Menschen mit Lungenerkrankungen sind nicht so leistungsfähig und haben vor allem mit Atemnot zu kämpfen. Gesundheit!-Reporter Fero Andresen nimmt heute an einem Atemtraining teil.

Dafür fährt er nach Garmisch-Partenkirchen. Die reine Luft und das Klima dort eignen sich besonders gut zur Behandlung von Atemwegserkrankungen. Aber auch für gesunde Menschen ist es wichtig, richtig zu atmen. Auf dem Atemwegs-Lehrpfad sind 13 Übungstafeln sind verteilt. So kann man selbstständig die Brustkorbbeweglichkeit trainieren und die Lunge stärken.

Atemtherapie: Linderung von Husten, Kurzatmigkeit

Nicole leidet seit ihrem zweiten Lebensjahr an Asthma, Annette erkrankte im vergangenen Jahr an Covid-19.  Die beiden begleiten Fero Andersen – gemeinsam mit Physiotherapeutin Hannah Stoess. Durch die Nase tief einatmen, Luft anhalten und durch den Mund ausatmen - Atemtherapie wird zur Linderung von Husten oder Kurzatmigkeit eingesetzt. Durch die richtige Atmung kann aber auch Stress reduziert werden. Doch können gesunde Menschen überhaupt falsch atmen?

"Prinzipiell ist es etwas Automatisches, es ist von deinem zentralen Nervensystem gesteuert. Aber trotzdem ist es so, wenn du dich sportlich betätigst oder dich bewegst, dann ist es schon wichtig, dass du dich mit der Atmung richtig auseinandersetzt. Das kennen auch Sportler, die müssen ihre Belastung und Atmung aneinander anpassen."

Hannah Stoess, Physiotherapeutin, Garmisch-Partenkirchen

Lungenerkrankte: Langsam starten auf dem Lehrpfad

Um alle Bereiche der Lunge zu belüften, rät Hannah Stoess - besonders bei Covid-19-Patienten - die Atemübungen im Sitzen oder Liegen auszuführen. Menschen mit Lungenerkrankungen sollten auf dem Lehrpfad langsam starten und die Atmung dem Rhythmus der Bewegung anpassen. Covid-19-Patienten müssen mit der eingeschränkten Lungenfunktion erst zu Recht kommen - so auch Annette.  

"Ich hatte schon vorher Atemnot, weil ich auch unter allergischem Asthma leide. Daher kannte ich Atemnot schon. Unter der Covid-Erkrankung ist die Atemnot aber eine ganz andere. Man bekommt ein richtig beklemmendes Gefühl auf der Brust, man bekommt Angst, man atmet dann nur noch oberflächlich, was zusätzlich Angst macht. Ich kann also nicht sagen, wir gehen heute auf den Berg. Ich muss aufstehen und schauen, kriege ich Luft, kann ich gehen oder vielleicht nicht. Mein Umfeld musste lernen, dass ich das nicht planen kann."

Annette

Richtig Ausatmen mit der "Lippenbremse"

Regelmäßiges Atemtraining fördert die Körperwahrnehmung, stärkt das Immunsystem und hilft uns, fitter zu werden. Beim tiefen Einatmen soll möglichst viel Sauerstoff aufgenommen werden - für mehr Elastizität der Lungenflügel.

Auch das Ausatmen muss gelernt werden. Vor allem für Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen ist es wichtig, beim Husten die Lunge vom Sekret zu befreien. Die Übung "Lippenbremse" hilft beim richtigen Ausatmen.

"Das ist ein Klassiker, den jeder Atemtherapiepatient bekommt: Du atmest tief ein und dann durch den Mund mit gespitzten Lippen wieder aus. Dadurch wird die Zeit der Ausatmung verlängert. Du kannst auch bewusst noch länger ausatmen, dich darauf konzentrieren, dass du noch weiter ausatmest und wirklich alle Luft abgibst."

Hannah Stoess, Physiotherapeutin, Garmisch-Partenkirchen

Ein weiterer Tipp dafür: Man kann sich vorstellen, man hätte ein kleines Windrad - dann versucht man, das Windrad anzupusten und es so lange laufen zu lassen, wie es geht.

Kontrolle der Lungenfunktion

Selbst wenn eine Atemtherapie anschlägt, ist die regelmäßige Kontrolle der Lungenfunktion wichtig. Nicole geht dafür zu Lungenfachärztin Claudia Sommer, die auch die Übungen für den Lehrpfad entwickelt hat. Seit 28 Jahren ist Nicole Patientin in der Praxis. Bei chronischem Asthma ist eine Langzeitkontrolle der Lunge unerlässlich. Heute hat sie einen Routine-Termin. Dr. Sommer macht einen Lungenfunktionstest.

"Wir messen dabei die Luftmenge, die wir in die Lunge ein- und ausatmen und vor allem auch Atemwegswiederstände, um festzustellen, ob der Patient zum Beispiel zu wenig Luftvolumen aufnimmt oder eine Überblähung hat."

Dr. med. Claudia Sommer, Fachärztin für Lungen- und Bronchialfachkunde, Garmisch-Partenkirchen

Dosiersprays und Inhaliergeräte helfen Nicole durch den Alltag. Seit zwei Jahren macht sie auch eine Atemtherapie und bekommt einmal im Monat eine Spritze.

"Die Atemwegswiederstände sind heute deutlich besser als sonst. Dann haben wir das Restvolumen – als Residualvolumen – das war schon lange nicht mehr so gut. Bei den kleinen Atemwegen wären 80 bis 100 Prozent Lungenfähigkeit normal. Nicole liegt bei 28 Prozent. Beim Lungenvolumen dagegen ist 80 bis 100 Prozent normal und sie schafft sogar 109 Prozent."

Dr. med. Claudia Sommer, Fachärztin für Lungen- und Bronchialfachkunde, Garmisch-Partenkirchen

Reporter Fero Andersen will wissen: Wie wichtig ist die Atemtherapie im Zuge dieser ganzen Behandlung?

"Die Atemtherapie ist ungefähr die Hälfte der Therapie. Deswegen habe ich auch den Atemlehrpfad mitentwickelt. Es war mir wichtig, dass die Leute schnell hinkommen können und das wirklich in Ruhe - auch ohne eine Anleitung - durchführen können."

Dr. med. Claudia Sommer, Fachärztin für Lungen- und Bronchialfachkunde, Garmisch-Partenkirchen

Atmung bei Panikattacken

Zurück auf dem Atemlehrpfad begeben sich Nicole und Fero Andersen noch auf den letzten Abschnitt. Sie sind schon weit gelaufen. Doch gerade in Belastungssituationen entsteht oftmals Panik.

"Man kriegt die Luft nicht mehr raus, man atmet ein und es macht alles zu. Und dann geht nichts mehr. Deswegen habe ich immer Notfallspray dabei. Wenn man das nicht dabeihat, ist es für den Kopf ganz schlecht. Denn dann kriegt man bestimmt keine Luft."

Nicole

Hannah Stoess erklärt, was Patientinnen und Patienten aus therapeutischer Sicht gegen solche Angstzustände tun können.

"Dann gehe ich aus der Situation raus, wo das passiert. Suche mir einen Ort, wo ich mich vielleicht hinsetzen kann, die Arme aufstützen kann oder im Sitzen sogar den Kutschersitz anwenden kann. Also ich setzte mich hin und stütze die Arme auf, um die Atemhilfsmuskeln zu entlasten. Den Kopf ein bisschen hängen lassen, tief atmen mit Lippenbremse. Wenn man gerade nicht sitzen kann, gibt es noch eine Übung im Stehen. Dann ist es gut, wenn man die Arme seitlich aufstützt, sich in eine Schrittstellung stellt, den Kopf etwas hängen lässt und wieder die Lippenbremse macht: Durch die Nase einatmen und mit gespitzten Lippen ausatmen."

Hannah Stoess, Physiotherapeutin, Garmisch-Partenkirchen

Richtig Atmen tut gut

Für Nicole und Annette ist es eine gute Position, um sich nach einer Panikattacke wieder zu beruhigen. Die letzte Übung für heute: Durch die Nase einatmen, nach rechts drehen und bei der Ausatmung nach links drehen. Annette war heute zum ersten Mal auf dem Atemlehrpfad. Ihr Fazit:

"Ich habe viele neue Übungen kennengelernt. Und es ist einfach wunderbar draußen zu sein."

Annette

Und auch Nicole fühlt sich richtig gut:  

"Ich habe das Gefühl, ich kann Bäume ausreißen. Meine Lunge ist frei, voller frischer Luft."

Nicole

Sowohl für Kranke als auch für Gesunde gilt: Bewegung an der frischen Luft tut einfach immer richtig gut.


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