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Covid-19 So wirkt sich das Coronavirus auf die Nieren aus

Covid-19 geht an die Nieren, im wahrsten Sinne des Wortes. Neben der Lunge sind die Nieren anscheinend das Organ, das am meisten vom Coronavirus befallen wird. Was wir bisher wissen - und was noch nicht.

Von: Marlene Mengue

Stand: 07.10.2020 15:49 Uhr

Eine Frau setzt einen Mund-Nasen-Schutz auf. | Bild: picture-alliance/dpa

In ihrer Klinik in Regensburg gab es anfangs viele Covid-19 Fälle, erzählt Miriam Banas. Der Landkreis Tirschenreuth liegt nicht weit entfernt, in der wegen hoher Infektionszahlen als erstem Landkreis in Bayern eine Ausgangssperre verhängt wurde. Viele der schweren Fälle kamen nach Regensburg. Dazu kamen Patienten aus Italien. Die Nierenexpertin konnte also hautnah beobachten, wie sich das Virus auf die Nieren auswirkt. Und trotzdem gibt es noch viele Fragen, die für sie und ihre Kollegen ungeklärt sind.

Das Problem liegt auf der Hand: Es gibt zwar schon viele Studien über Covid-19, aber noch so gut wie keine Langzeitdaten. "Gerade bei der Niere haben wir immer noch keine harten Daten", beklagt Miriam Banas. "Wir wissen nicht, wie viele Patienten durch Corona dialysepflichtig werden und wie lange sie es bleiben. Wir sind ja erst dabei, die ganzen Daten zusammenzustellen und auszuwerten." 

Nieren sind ein Hauptziel des Virus

Was man bisher schon weiß: Neben der Lunge scheinen die Nieren ein Hauptziel des Virus zu sein. Zum einen ist bei Patienten mit Nierenvorerkrankungen ein schwerer Verlauf wahrscheinlicher. Zum anderen löst ein schwerer Verlauf von Covid-19 oft ein akutes Nierenversagen aus. 

"Unter Normalbedingungen wird jeder zehnte Patient auf der Intensivstation dialysiert. Aber bei Covid-Patienten sind es 30 Prozent die dialysiert werden müssen. Das heißt, die Nierenschäden sind anscheinend bei Covid deutlich höher als bei anderen Patienten auf der Intensivstation."

Priv.-Doz. Dr. Miriam Banas

Es gibt Untersuchungen an verstorbenen Patienten, bei denen die Nieren mikroskopisch betrachtet worden sind. Dabei konnten Forscher eine hohe Viruslast in der Niere aufweisen. Das Virus dockt also direkt in der Niere an. Eine interessante Beobachtung: "Sowohl in der Lunge als auch in der Niere gibt es den sogenannten ACE-Rezeptor. Wir wissen, dass das Virus an den ACE-Rezeptoren andockt. Zu Beginn der Pandemie gab es die These, dass Leute, die ACE-Hemmer einnehmen, öfter einen schweren Verlauf haben. Diese These konnte aber nicht bestätigt werden." 

Bei schwer Erkrankten gerinnt außerdem das Blut schneller. Als Folge können sich Blutgerinnsel bilden, die Gefäße verstopfen. Nicht nur in der Lunge, auch in der Niere kommt es dadurch zu kleinen Infarkten im Gewebe.

Corona kann die Nieren schädigen - und es kann jeden treffen

Patienten mit Nierenvorerkrankungen haben eher einen schweren Verlauf bei einer Covid-19 Erkrankung. Ältere Menschen oder Diabetespatienten sind Risikopatienten. Aber auch junge Leute bleiben nicht immer verschont, erzählt Miriam Banas. 

"Da war eine junge Frau, sportlich, keine Risikofaktoren, die wir acht Wochen an der Beatmung hatten, und die jetzt ganz langsam, Schritt für Schritt wieder zurück ins Leben kehrt. Die wir auch, Gott sei Dank, von der Dialyse wieder weggekriegt haben. Man kann also nicht sagen, dass es nur Risikopatienten trifft, es kann quasi wirklich jeden treffen."

Priv.-Doz. Dr. Miriam Banas

Künstliche Beatmung verstärkt akutes Nierenversagen 

Gleich mehrere Faktoren sind bei einer Covid-19-Erkrankung ungünstig für die Nieren: 

  • Patienten bekommen viele Medikamente wie zum Beispiel Antibiotika oder Schmerzmittel, die potenziell nierenschädigend sein können. 
  • Patienten, die im Koma liegen und beatmet werden, haben oft einen niedrigen Blutdruck. Ein niedriger Blutdruck schädigt wiederum auch die Niere, weil diese nicht gut durchblutet wird. 
  • Bei einer Lungenentzündung befindet sich viel Flüssigkeit in der Lunge. Ärzte geben den Betroffenen daher Medikamente, die dem Körper Flüssigkeit entziehen. Für die Nieren ist das schlecht: Sie werden zu wenig durchblutet und können nicht richtig arbeiten.

Nachuntersuchungen beim Nephrologen für Covid-Genesene

Die gute Nachricht: Anders als beim chronischen Nierenversagen ist das akute Nierenversagen potenziell reversibel. Daher rechnet Miriam Banas nicht damit, dass in Zukunft wegen Corona die Anzahl der Dialysepatienten ansteigt.

Deshalb würde sich Miriam Banas wünschen, dass Genesene regelmäßig zur Nachuntersuchung zum Nephrologen gehen.


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