Bayern 2

     

0

Spätfolge von Harnwegsinfekten Die Nierenbeckenentzündung

Das Nierenbecken befindet sich direkt in der Niere und somit in den oberen Harnwegen. Dabei handelt es sich um eine Einbuchtung, in der sich Urin sammelt, der anschließend durch den direkt anliegenden Harnleiter in die Blase geleitet wird.

Von: Max Tenschert

Stand: 05.10.2021

Eine Frau hält sich vor Schmerzen die Hände an die Niere. | Bild: picture-alliance/dpa

Eine Entzündung des Nierenbeckens entsteht häufig aus einer bereits bestehenden Entzündung im Bereich der unteren Harnwege und der Harnblase. Wenn diese bestehende Entzündung unbehandelt nicht richtig ausheilt, kann diese sich über die Harnwege und -blase hinaus auch auf das Nierenbecken ausbreiten. Darüber hinaus kann eine Nierenbeckenentzündung in selteneren Fällen auch über den Blutweg entstehen.

Von der Nierenbeckenentzündung sind besonders Frauen betroffen, da bei Frauen die Harnröhre in der Anatomie kürzer ausfällt als bei Männern und dadurch Bakterien einfacher ins Nierenbecken gelangen können. Außerdem zählen zu den Risikogruppen für eine Nierenbeckenentzündung insbesondere Schwangere, Menschen mit geschwächtem Immunsystem (z. B. durch Diabetes oder HIV), Prostatavergrößerung, Nierensteinen, mit bestehenden Autoimmunerkrankungen und anatomischen Besonderheiten (z. B. nach einer Nierentransplantation).

Symptome einer Nierenbeckenentzündung

Eine akute Nierenbeckenentzündung macht sich in der Regel durch Flankenschmerzen im Bereich des unteren Rückens sowie plötzlich auftretendes Fieber bemerkbar. Zusätzlich kann eine akute Nierenbeckenentzündung auch von Schüttelfrost, Schmerzen beim Wasserlassen und einem häufigeren Harndrang geprägt sein.

Bei einer chronischen Nierenbeckenentzündung bestehen häufig die gleichen Symptome, die im Vergleich zur akuten Entzündung allerdings milder ausfallen können. Hier stehen oftmals Müdigkeit, Abgeschlagenheit, vermehrter Harndrang und ggf. Gewichtsabnahme sowie nur leicht erhöhte Temperaturen im Vordergrund.

Diagnose einer Nierenbeckenentzündung

Bei der körperlichen Untersuchung zeichnet sich die Nierenbeckenentzündung durch einen starken Druckschmerz im Bereich des unteren Rückens ab. Dazu kommt eine Befragung der Patienten, bei der festgestellt wird, ob weitere der typischen Symptome bestehen – wie beispielsweise Fieber oder Probleme beim Wasserlassen.

Darüber hinaus wird die Nierenbeckenentzündung auch anhand des Urins diagnostiziert. Der Urin wird akut mittels eines Teststreifens (auch als Urinstix bekannt), der etwa in Apotheken erhältlich ist, untersucht. Mittels des Teststreifens wird aus der Urinprobe ersichtlich, ob eine Entzündung oder Infektion im Bereich der Harnwege vorliegt. Zusätzlich wird bei Vorliegen einer Infektion eine Urinprobe im Labor mikrobiologisch auf Keime geprüft.

Schließlich wird die Diagnose einer Nierenbeckenentzündung in der Regel noch durch eine Blutuntersuchung auf Entzündungswerte im Körper sowie eine Ultraschalluntersuchung komplettiert.

Therapie einer Nierenbeckenentzündung

Bei der Behandlung einer Nierenbeckenentzündung ist es wichtig, die Nieren durch eine große Flüssigkeitszufuhr (mind. 1,5 bis 2 Liter/Tag) gut durchzuspülen und mit Wärme zu versorgen. Bei akuten Schmerzen können auch Schmerzmittel eingenommen werden. Zentraler Bestandteil der Behandlung ist die antibiotische Therapie.

"Empfohlen werden Antibiotika, die viele der Harnwegsinfektionen auslösenden, typischen Erreger treffen. Wenn man weiß, welcher Keim für die Entzündung verantwortlich ist, kann man das Antibiotikum dann auf den entsprechenden Keim zuschneiden, sollte das bisherig verwendete ihn nicht 'erwischen'." Dr. Wajima Safi

Die Einnahme des Antibiotikums dauert normalerweise sieben bis zehn Tage und wird ambulant zuhause durchgeführt. Bereits nach wenigen Tagen sollte eine Verbesserung der Symptomatik eintreten. Bei Risikopatienten wie Schwangeren oder Personen mit drohender Urosepsis (Blutvergiftung) kann das Antibiotikum auch im Rahmen eines stationären Aufenthalts in einer Klinik verabreicht werden.

Vorbeugen einer Nierenbeckenentzündung

Um eine Nierenbeckenentzündung im Vorhinein zu verhindern, sollte möglichst der Entstehung von Harnwegsinfekten vorgebeugt werden. In diesem Zusammenhang ist es für gesunde Patienten wichtig, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen und vor allem im Winter und bei feuchtem Wetter auf warme Kleidung zu achten. Zudem sollten Frauen nach dem Geschlechtsverkehr auf die Toilette gehen, um Wasser zu lassen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass sich das Trinken von Cranberry-Saft vorbeugend auf Harnwegsinfekte auswirken kann.

Darüber hinaus existiert für den Keim E. coli, der für die meisten Harnwegsinfekte verantwortlich ist, mittlerweile eine Impfung.

Chronische Nierenbeckenentzündung

Eine chronische Nierenbeckenentzündung liegt dann vor, wenn Patienten häufig an Nierenbeckenentzündungen leiden. Alternativ können auch anatomische Risikofaktoren (wie beispielsweise nach einer Nierentransplantation) vorliegen, die eine Entstehung derartiger Entzündungen leichter möglich machen.

In der Symptomatik zeichnet sich eine chronische Nierenbeckenentzündung dadurch ab, dass die Symptome verglichen zur akuten Entzündung meist weniger stark auftreten. Häufige Entzündungen können jedoch zu Schädigungen der Niere führen, die dann im schlimmsten Fall auch ihre Funktion aufgeben kann.

"Das ist das große Problem bei der chronischen Nierenbeckenentzündung. Dementsprechend versucht man, immer schnell und frühzeitig zu behandeln, zugrundeliegende Ursachen zu beheben oder auch zur Impfung zu greifen."

Dr. Wajima Safi


0