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Was darf in die Biotonne Mülltrennen leicht gemacht

Kompostierbare Plastiktüten - die sollten doch eigentlich in die Biotonne dürfen, oder? Warum das nicht so ist, lesen Sie hier. Plus: Wir haben eine Liste für Sie, was in den Biomüll darf.

Stand: 08.01.2021 | Archiv

Kompostierbare Plastiktüten | Bild: mauritius-images, Montage: BR

30 bis 40 Prozent unseres Mülls sind Bioabfälle. Wie aus einer repräsentativen Analyse des Umweltbundesamtes (UBA) zum "Hausmüll in Deutschland" hervorgeht, landet viel zu viel davon leider immer noch in der Restmülltonne. Mit 39 Prozent Anteil macht 2020 der Biomüll den größten Teil der ausgemachten Fehlwürfe im Restmüll aus (und manches landet fälschlicherweise im Klo: Was darf nicht in die Toilette?)

Nach wie vor gibt es nicht in allen Kommunen eine Braune Tonne.

Alle Gemeinden in Deutschland sind eigentlich seit 2015 gesetzlich verpflichtet, den Bioabfall aus den Privathaushalten getrennt zu entsorgen und wiederzuverwerten. Viele Kommunen haben das System aber erst viel später eingeführt oder sperren sich bis heute gegen die Braune Tonne, wie beispielsweise der Landkreis Altötting. So hat Peter Kurth, Vorsitzender vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) kürzlich auch kritisiert: "In vielen Landkreisen gibt es die Braune Tonne weiterhin nicht, in anderen muss sie gegen große Widerstände durchgesetzt werden." Mit fast aberwitzigen Argumenten wird der Sinn einer Biotonne bzw. eines Entsorgungssystems in Frage gestellt. Meist geht’s vordergründig ums Geld. 

Für die Frage, was in die Biotonne gehört, hat jede Gemeinde, jeder Kreis und jede Stadt ihre eigenen Vorschriften. Was in den Biomüll darf, legt das zuständige Entsorgungsunternehmen fest und das hängt davon ab, wie der Biomüll in der jeweiligen Gemeinde oder Stadt wiederverwertet wird. Am besten ist es, Sie lesen sich die Informationen Ihres örtlichen Abfallentsorgers genau durch oder wenden sich an zuständige Abfallwirtschaftsamt.

Wer einen Garten hat, kann seinen eigenen Bioabfall einfach selbst kompostieren: Was darf in den Kompost.

Das passiert mit dem Müll aus der Biotonne

Was passiert mit dem übrigen Bioabfall? In den Kommunen wird der Biomüll auf verschiedene Arten genutzt. Die Bioabfälle kommen entweder in eine Vergärungs- oder eine Kompostierungsanlage. Dabei sind Vergärungsanlagen die ökologisch beste Art, Bioabfälle zu verarbeiten. Ihr Vorteil besteht darin, dass in ihnen nicht nur Biogas und damit Energie gewonnen wird, sondern die Gärreste auch noch kompostiert und in Humus umgewandelt werden. Wo wir Gekochtes oder Knochen mit in die Biomülltonne werfen können, wird der Bioabfall in einer Vergärungsanlage zu Biogas umgewandelt.

Das gehört in die Biotonne

  • Gemüse- und Obstreste (auch Zitrusfrüchte)
  • Eierschalen
  • Speisereste, gekochte (Nur, wenn der betreffende Biomüll in einer Biogasanlage verwertet wird)
  • Wurst-, Fisch- und Fleischreste, Gräten und Knochen, altes Brot (gilt nur, wenn der Bioabfall in einer Biogasanlage weiterverarbeitet wird)
  • Schalen von Nüssen
  • Teebeutel (Klammer entfernen) und Kaffeesatz mit Filter, Kaffeepads
  • Gartenabfälle wie Rasen- und Baumschnitt, Laub, Unkraut (besonders solches, das wir loswerden wollen und das Samen trägt, denn das sollte nicht auf den Komposthaufen)
  • Äste und Pflanzen mit Krankheiten - die hohen Temperaturen in Kompostierungs- und Vergärungsanlagen sorgen dafür, dass zum Beispiel Pilze absterben.
  • Fallobst
  • verbrauchte Blumenerde
  • Topfpflanzen (ohne Topf)
  • Sägemehl von unbehandeltem Holz
  • Küchentücher, Papiertaschentücher
  • kleine Mengen Zeitungspapier oder Küchenpapier (zum Einwickeln feuchter Bioabfälle und zum Auslegen der Tonne)
  • Kleintierstreu von Pflanzenfressern (das vom Hersteller ausdrücklich als "biologisch abbaubar" gekennzeichnet ist)
  • Vogelsand (kleine Mengen)
  • Fette aus dem Haushalt
  • verdorbene Lebensmittel (ohne Verpackung)

Was darf nicht in die Biotonne

  • Kohle- und Holzasche (gehört in den Restmüll)
  • Ruß
  • Holz
  • Draht (zum Beispiel Blumenbindedraht)
  • Vom Buchsbaumzünsler befallene Buchsbäume oder Buchsbaumäste - diese müssen unbedingt in den Restmüll
  • Kaffeekapseln
  • Katzenstreu (gehört in den Restmüll)
  • Kehrreste von der Straße (Restmüll)
  • Staub und Staubsaugerbeutel (Restmüll)
  • Wattestäbchen (Restmüll)
  • Windeln (Restmüll)
  • Zigaretten (Restmüll)
  • Exkremente von Tieren (Hunde- oder Katzenkot zum Beispiel)
  • Blumentöpfe und Scherben
  • Steine
  • Keramik
  • Illustrierte
  • Plastik aller Art - auch kompostierbare Biomülltüten

Kompostierbare Verpackungen: In der Biotonne verboten!

Selbst wenn "kompostierbar" drauf steht, dürfen Bioplastiktüten nicht in den Biomüll.

Bei den meisten Biokunststoffen geht es nach dem Einsatz als Verpackung, Folie oder Beutel nicht um einen geschlossenen Recyclingkreislauf, sondern um die Kompostierbarkeit der Produkte. Deshalb lassen sich die Anbieter, speziell von "kompostierbaren Verpackungen", die Abbaufähigkeit auch meist zertifizieren. Und zwar nach der Norm EN 13432 als "biologisch abbaubar". Und ein grünes Siegel gibt's noch obendrauf. Das Problem: Der grüne Keimling (Seedling) ist zwar ein eingetragenes Markenzeichen des Europäischen Verbandes der Biokunststoffproduzenten (en.european-bioplastics.org), aber letztlich nur eine Art Markenzeichen. Wichtigstes Kriterium, um die Lizenz zu erhalten: Das eingesetzte Bioplastik muss nach drei Monaten zu 90 Prozent verrottet sein muss. Allerdings unter industriellen Bedingungen.

Die meisten Kompostanlagen in Deutschland können damit nichts anfangen. Deshalb ist die deutsche Entsorgungswirtschaft auch absolut gegen den Einsatz von abbaubaren Kunststoffen in der Biotonne:

"Auch die Verordnungen, die es in Deutschland gibt, stehen dem entgegen. Das ist in Deutschland gar nicht erlaubt, dass diese biologisch abbaubaren Kunststoffe in die Biotonne geworfen werden."

Michael Buchheit, Vorsitzender der regionalen Gütegemeinschaft Kompost und Niederlassungsleiter bei Wurzer-Umwelt, im Bereich Bioabfall und Grüngut.

Bei Wurzer-Umwelt werden die Kosten, um kompostierbare Verpackungen und andere Störstoffe aus Bioabfall zu holen, auf mehrere 100.000 Euro jährlich beziffert.

Warum dürfen kompostierbare Tüten nicht in die Biotonne?

Das Problem ist, dass bei der Sortierung nicht klar unterschieden werden kann, was herkömmliches Plastik ist und was tatsächlich kompostierbar wäre. In der Regel gelangen diese Kunststoffe gar nicht in die Verarbeitung. Selbst wenn die Hersteller versichern, dass auch schon nach wenigen Wochen sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hat.

"Labortests oder auch Tests an praktischen Anlagen haben gezeigt, dass auch hochwertige, technisch gut aufgebaute Anlagen es nicht schaffen, innerhalb dieser vorgegebenen Zeiten diese Biokunststoffe abzubauen"

, Michael Buchheit Vorsitzender der regionalen Gütegemeinschaft Kompost und Niederlassungsleiter bei Wurzer-Umwelt, im Bereich Bioabfall und Grüngut

Beim weltgrößten Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen, wo auch kompostierbare Verpackungsmaterialien für die internationalen Märkte entwickelt und vertrieben werden, sieht man das natürlich etwas anders. Zu unflexibel und starr seien hier die Strukturen im Entsorgungssektor. "Zum Beispiel in Italien, dort gibt es Zusatzzertifikate, die von den Kompostierern für die verschiedenen Anwendungen herausgegeben werden und die dann sicherstellen, dass es innerhalb des Entsorgungssystems auch Akzeptanz findet", sagt Katharina Schlegel, BASF Global Market Development Biopolymers. Mit den entsprechenden Zertifikaten dürfen dort eben dann auch Verpackungen über die Biotonne entsorgt werden.

Wie lange Biomüll kompostiert werden muss, richtet sich letztlich auch immer danach, wofür er später verwendet werden soll. Frischkompost für die Landwirtschaft braucht weniger Zeit, Fertigkompost für Schrebergärten muss wesentlich länger liegen. Allerdings steigen die Kosten für die Entsorgung, je länger die Kompostierung dauert. "Daher kommen wir mit den Überlegungen zu einer flexibleren Handhabung eigentlich nicht wirklich weiter", sagt Christopher Stolzenberg vom Bundesumweltministerium in Berlin, "eine spezielle Kennzeichnung solcher Verpackung ist also gar nicht nötig."

Kompostierbare Plastiktüten Biotonne

Die dünnen Obstbeutel, auch "Hemdchenbeutel" genannt, dürfen meist nicht in die Biotonne

Aber genau diese spezielle Kennzeichnung "biologisch abbaubar" verwirrt viele Verbraucher gerade bei kompostierbaren Biomülltüten. Die meisten finden nämlich diese Tüten wesentlich hygienischer als die zugelassenen braunen Papiertüten, die schnell mal durchweichen. Und bei diesen so genannten Hemdchentüten, gibt es auch einige wenige Kommunen in Deutschland, die diese auch in der Biotonne akzeptieren. Das weiß natürlich auch Katharina Schlegel von BASF:

"Die erlauben diese Beutel und schätzen Sie auch sehr wert innerhalb ihres Abfallstroms, weil sie einfach gesehen haben, dass die Leute eine Form von Beutel zum Sammeln von Biomüll wollen und auch in Studien klar gezeigt ist, dass die Leute mehr sammeln, wenn man ihnen eine Tüte in die Hand gibt."

Katharina Schlegel, BASF Global Market Development Biopolymers

Unterm Strich führe das zu mehr Akzeptanz beim Biomüll und zu einem höheren sowie sortenreineren Aufkommen.

Tatsächlich haben viele Kommunen, wie etwa auch München, das Problem, dass sie kompostierbare Müllbeutel im Biomüll zwar verbieten, die Kunden sie aber dennoch reihenweise in die Braune Tonne werfen. Dass unter dem Aufdruck "kompostierbar" noch der Zusatz steht, dass man bei der für Biotonne zuständigen Gemeinde nochmal nachfragen soll, überlesen die meisten. Werden diese Tüten bei Stichproben-Kontrollen entdeckt, ist damit sofort die ganze Tonne für die Kompostierung unverwertbar geworden.

Im Nachbarland Österreich hat man das Problem auf eine sehr praktische Art gelöst. "Auch da gab es das Problem, dass zu viele Polyethylen-Tüten im Kompost sind und dass man die auch gar nicht mehr richtig raussammeln konnte", sagt Katharina Schlegel von BASF, "und dort war einfach eine ganz klare Lösung, dass einfach alles gegen kompostierbare ausgetauscht wird. Das war auch eine lange Diskussion, und am Ende des Tages war das eine Aktivität, die von den Kompostierern angetrieben wurde."

Gibt es Plastikverpackungen, die wirklich abbaubar sind? Lesen Sie mehr dazu in "Plastik abbaubar"

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Biomülltüte aus Zeitung Denn die als biologisch abbaubar angepriesenen Plastikbeutel verrotten leider doch nicht, selbst nach 3 Jahren in Salzwasser nicht - das fanden Forscher der University of Plymouth jetzt raus. Dann doch lieber Zeitungs-Origami - einfach einwickeln geht natürlich auch 😉Gepostet von BAYERN 1 am Samstag, 4. Mai 2019

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