Bayern 1


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Frittieröl entsorgen Wohin mit altem Speiseöl oder -fett aus dem Haushalt?

Wer schon einmal selbst Krapfen oder Auszogne gemacht hat, der kennt das Problem: Wohin mit dem alten Frittieröl? Der BAYERN 1 Umweltkommissar hat sich dieser Frage angenommen und erstaunliches herausgefunden.

Stand: 12.02.2020

Frittieröl entsorgen | Bild: iStock/ Jan Schneckenhaus/ BR

Altes Öl aus der Fritteuse – nicht in den Ausguss

Alte Speisefette und –öle aus dem privaten Haushalt sind meist ein Gemisch aus und tierischen und pflanzlichen Fetten. Das bisschen Bratfett aus der Pfanne lässt sich noch mit einem Küchentuch auswischen, wer allerdings regelmäßig frittiert oder auch Konserven mit in Öl eingelegten Gemüsen o. ä. verwendet, bei dem fällt schnell etwas mehr an. Das Problem hat auch BAYERN 1 Hörerin Gertraud Modlmaier aus Fürstenfeldbruck. Sie isst gerne Antipasti aus dem Glas und am Ende weiß sie nicht so recht, wohin mit dem übrig gebliebenen Öl.

Auf gar keinen Fall sollten Sie altes Pflanzenöl oder andere, nicht mehr zu verarbeitenden Fette, im Ausguss oder über die Toilette entsorgen. Darüber freuen sich nur professionelle Rohrreiniger, die dann für teures Geld Ihren Abfluss wieder freimachen und Ratten! Ja, denn die dadurch entstehenden Ablagerungen im Kanal dienen als Nahrungsquelle für allerlei Ungeziefer. Aber zu viel Fett und Öl setzt nicht nur den Rohren zu, sondern auch den Kläranlagen. "Es entsteht nämlich zum Beispiel der sogenannte 'Blähschlamm'", erklärt Martin Meier, Leiter Kreislaufwirtschaft vom Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU) in Augsburg, "Dieser Schlamm in der Kläranlage schwimmt auf dem Wasser und sinkt nicht, wie der normale Klärschlamm, auf den Boden des Klärbeckens ab. Es ist ein erhöhter Betriebsaufwand erforderlich, diesen Schlamm zu behandeln." Das erhöht die Betriebskosten der Anlage.

Dabei gibt es viel bessere Wege Speisefette und -öle im Haushalt zu entsorgen. Unter Umständen eignen sie sich sogar noch zur Herstellung von Kosmetika und Reinigungsmitteln. In jedem Fall haben sie ein hohes Energiepotenzial. Tierische und pflanzlichen Fette sowie Speiseöle sind energiereich und lassen sich bei getrennter Sammlung gut, stofflich oder energetisch verwerten.

Kleine Mengen können in den Restmüll

Natürlich lassen sich auch Ölreste aus Gläsern mit eingelegten Oliven oder Gemüse eventuell nochmal für ein Salatdressing verwenden, aber oft fällt so viel an, dass es mit der "Zweitverwertung" schwierig wird. Größere Mengen, zum Beispiel aus der Fritteuse, können immerhin zusammen mit dem Restmüll in Müllverbrennungsanlagen noch energetisch genutzt werden. "Als Behältnisse bieten sich aber beispielsweise auch leere Einweg-Kunststoffflaschen an", schlägt Martin Meier vom LfU vor, "Die Restmülltonne ist bei flüssigen Fetten oder Ölen auf jeden Fall der bessere Weg." Ob Speiseöle und Fette eventuell auch in die Biotonne gegeben werden können, regeln die Abfallsatzungen der jeweilig zuständigen Kommunen in Bayern.

Was ist ÖLI?

Über 70 Landkreise und kreisfreie Städte bieten mittlerweile eine Entsorgung über ein Tauschsystem an den Wertstoffhöfen an. Dem Landesamt für Umwelt in Augsburg werden mittlerweile immerhin 1.000 Tonnen pro Jahr für ganz Bayern gemeldet. Die ÖLI-Initiative gibt es jedoch nur im südlichen und östlichen Bayern.

Andreas Neumaier, stellvertretender Fachbereichsleiter der Abfallwirtschaft im Landkreis Erding, mit einem ÖLI-Eimer.

Dahinter steckt eine Arbeitsgemeinschaft, die "ARGE Energie & Treibstoff aus Fett – Bayern", mit Sitz in Oberding, die auch in Österreich und Südtirol Speisefette sammelt und verwertet. In Bayern wird das über den privaten Entsorger "Berndt GmbH" abgewickelt, der sich auf die Aufbereitung und Wiederverwertung von Speiseresten und tierischen Nebenprodukten spezialisiert hat.

Im Landkreis Erding gibt's die ÖLI-Initiative schon lange, sagt Andreas Neumaier, Leiter Abfallwirtschaft: "Wir haben 2007 an zwölf Recyclinghöfen mit einem Testbetrieb begonnen. Das ist relativ gut angekommen bei den Leuten und seit knapp zehn Jahren haben wir das an allen Recyclinghöfen im Landkreis Erding." 5.600 gelbe ÖLI-Eimer werden allein im Landkreis Erding ausgegeben. Etwa ein Viertel aller Haushalte sind dabei. Jährlich fallen 13 Tonnen alte Speisefette und –öle allein im Landkreis Erding an. "Man zahlt den einmaligen Pfandbetrag von einem Euro. In jedem Rathaus oder bei uns im Landratsamt bekommt man einen leeren Eimer", erklärt Andreas Neumaier das Tauschsystem, "drei Liter passen da rein. Den kann man voll an jedem Recyclinghof zurückgeben und bekommt dafür wieder einen leeren Eimer zurück." Der Eimer wird dann am Wertstoffhof abgeholt, geleert und gereinigt, kann also im System immer wieder verwendet werden. Wer den ÖLI-Eimer nicht mehr braucht, bekommt den Euro wieder zurück.

Was mache ich, wenn ich keine ÖLI-Initiative im Landkreis habe?

Wer auch gerne ein ähnliches System bei sich im Landkreis haben möchte, kann mal nachhaken. Üblicherweise beim Referat in der Kommune oder im Landratsamt, das für die Abfallentsorgung zuständig ist und das die Wertstoffhöfe betreibt. "An die kann man diese Idee herantragen," sagt Martin Meier vom LfU in Augsburg, "letztendlich muss dann der Landrat oder an der Bürgermeister das mitentscheiden und mittragen."

Verwertung im Biomasse-Kraftwerk

In Biogasanlagen oder auch Faultürmen von Bio-Kläranlagen, können diese alten Speisefette sehr gut stofflich verwertet werden. Aber natürlich auch in Anlagen zur Herstellung von Bio-Heizstoffen oder – Kraftstoffen, sagt Martin Meier vom LfU: "Es gibt aber auch die Möglichkeit der stofflichen Verwertung in Anlagen zur Herstellung von Biokraftstoff oder Bio Heizstoffen." Auch ein direkter Einsatz in als Blockheizkraftwerk ausgelegten Motoren, mit Stromerzeugung und möglichst umfassender Wärmenutzung, ist möglich.

Links:

https://www.abfallratgeber.bayern.de/haushalte/abfallentsorgung/speisefette/index.htm

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/dokumente/zusammenfassung_entwicklung_von_instrumenten_zur_vermeidung_von_lebensmitteabfaellen_0.pdf

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/short/k3135.pdf

https://www.oeli-bayern.de/index.php?id=0,1


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