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Warum torffreie Erde Ist torffreie Erde besser?

Blumen- oder Pflanzenerde ohne Torf ist eigentlich bis heute fast undenkbar. Schließlich ist dieser Nährboden, der den Mooren entzogen wird, ideal, um Pflanzen zu züchten. Doch der Raubbau hat Folgen. Alternativen gibt es, aber wer nachhaltig gärtnern möchte, sollte wissen, auf was er sich einlässt. 

Von: Alexander Dallmus

Stand: 16.03.2021 | Archiv

Torffreie Erde | Bild: mauritius-images

Torf ist ein toller Stoff. Und entfaltet eine unglaubliche Kraft als Nährboden für Pflanzen. Perfekt in der Struktur, speichert Torf beispielsweise unglaublich gut Wasser. Deshalb wurde er auch über Jahrzehnte - mit Dünger, Sand, Kalk oder etwas Ton vermischt - als Erde im Gartenbau eingesetzt. Nachhaltig ist torfhaltige Gartenerde aber nicht, schließlich fehlt der Torf in den Mooren, die für das Klima so immens wichtig sind. Es ist aber auch nicht einfach und erfordert noch viel Forschungsarbeit, einen adäquaten Ersatz dafür zu finden. Gerade in feuchter Torferde treten oft lästige kleine Fliegen auf: Trauermücken loswerden - das können Sie tun.

Woher kommt der Torf?

Moore halten doppelt so viel CO2 zurück wie alle Wälder der Erde.

Lebende Moore wachsen und zwar durch Torfaufwuchs. Die Feuchtgebiete haben eine ganz eigene Vegetation und im Zuge dessen auch eine besondere Artenvielfalt. Der Moorboden bleibt sauerstoffarm und verhindert so den vollständigen Abbau von Pflanzenresten. Diese werden dann als Torf sozusagen eingelagert. Und mit dem Torf wird auch jede Menge CO2 gebunden und eingelagert. Über Jahrtausende. Moore machen zwar nur etwa 3 Prozent der gesamten Erdoberfläche aus, aber dennoch sind sie ein sehr wichtiger CO2-Speicher. Um das einordnen zu können: Die Moore halten etwa doppelt so viel CO2 zurück wie alle Wälder der Erde zusammen. 

Je nachdem wie das Wasser die Moore speist, werden sie in Hochmoore und Niedermoore unterteilt. Weil auf den Niedermooren auch Bäume wachsen, sind vor allem Hochmoore für den Torfabbau sehr begehrt. In Deutschland gibt es fast keine Moorflächen mehr. Nur noch etwa fünf Prozent sind bislang nicht für Land- oder Forstwirtschaft oder eben den Torfabbau trockengelegt worden. Alle anderen Moore, und damit auch sehr artenreiche Lebensräume, sind verschwunden.

Warum kein Torf in Blumenerde?

Eine Renaturierung ist meist unmöglich, zumindest kurz- oder mittelfristig. Denn es dauert sehr lange, bis sich aus zersetzten Torfmooren wieder eine neue Torfschicht bildet. Pro Meter Torf dauert es ungefähr tausend Jahre. Und wie bereits erwähnt, zerfällt der Torf nach dem Abbau langsam und setzt dabei jede Menge des gespeicherten CO2s frei. Der heutige Torf in deutscher Gartenerde stammt mittlerweile meist aus den baltischen Staaten. Vor allem aus Estland.

Was bewirkt Torf in der Erde?

Nährstoffarm, niedriger pH-Wert und ein guter Wasserspeicher - deshalb ist Torf noch immer "Gärtners Liebling".

Drei Dinge machen Torf als Nährboden für den Gartenbau so interessant: Torf speichert sehr effizient Wasser und ist zugleich äußerst nährstoffarm und kann einen niedrigen pH-Wert vorweisen. Das durch Ersatzmischungen auszugleichen bzw. überhaupt zu erreichen, ist fast nicht möglich. Deshalb braucht es experimentierfreudige Gärtner, die ganz praktisch Erfahrungen sammeln. Beispielsweise im Projekt TERZ.

In verschiedenen Modellregionen Deutschlands wird bereits seit 2019 versucht, auch ohne oder zumindest mit deutlich weniger Torfeinsatz gute Ergebnisse zu erzielen. Insgesamt machen 24 Gärtnereien und Gartenbaubetriebe mit. Auch aus dem Freistaat sind mehrere Betriebe dabei. Bis 2023 soll das Wissen gesammelt werden, um so künftige torfreduzierte oder torffreie Erden zu verbessern.

Warum "Bio" bei torffreier Erde nicht genügt

Mittlerweile bieten selbst Discounter torffreie Gartenerde für den Hobbygärtner an. Wer nachhaltig garteln möchte, sollte beim Einkauf aber aufs Kleingedruckte achten. Wenn "torfarm" oder "torfreduziert" draufsteht, ist eben immer noch ein gewisser Anteil Moortorf drin. Orientierung und Sicherheit geben sowohl das RAL-Gütesiegel als auch die Bezeichnung "torffrei". Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hat einen Einkaufsführer für torffreie Erden zusammengestellt.

Begriffe wie "Bio-Erde" sind übrigens keine Garantie dafür, dass nicht doch Torf in der Gartenerde zu finden ist. Bei Pflanzerde ist der Begriff "Bio" nicht geschützt und ist nur ein Indiz dafür, dass die Erde auch im ökologischen Landbau eingesetzt werden könnte, weil eben kein Kunstdünger drin ist.

Eines sollte man vorab auch wissen: Torffreie Erden sind teurer als herkömmliche Gartenerde mit Torf:

"Meine Erfahrung ist, dass man bei diesen torffreien Erden unbedingt auf eine gute Markenqualität achten sollte, denn die sind Stickstoff stabilisiert. Das heißt, hier sind wertvolle und wichtige Nährstoffe wie Stickstoff wirklich auch für die Pflanzen verfügbar. Billige Erden sind oft schlecht durchlüftet, klumpig und vor allen Dingen haben sie diesen Stickstoff nicht."

Karin Greiner, BAYERN 1 Gartenexpertin

Torffreie Erde Nachteile

Für torffreie Erden wird sehr oft ein buntes Gemisch von verschiedenen organischen Stoffen verwendet. Mit einem Basisanteil Kompost und Rindenhumus, der durch Holz- oder Kokosfasern sowie Tonsand, Bims und Quarzsand angereichert wird. Die einzelnen Bestandteile haben allesamt leichte Schwächen, die es als Gärtner auszugleichen gilt.

Zum Beispiel wird der verwendete Rindenhumus meist aus Fichtenrinde hergestellt. Der Humus kann zwar gut Wasser und Nährstoffe auf- und an die Pflanzen wieder abgeben, allerdings kann der Rindenhumus zu Salzschäden führen, wenn man versehentlich zu viel Dünger verabreicht.

Schön ausgereifter Kompost ist zwar eine gute Alternative zu Torf, kann diesen aber nicht vollständig ersetzen. Der Kompost liefert zwar notwendige Nährstoffe und sorgt mit Phosphat und Kalium für eine gute Bodenkultur, allerdings baut er sich auch schnell ab, und anorganische Stoffe (z.B. Stickstoff) müssen dann wieder zugeführt werden. Gerade bei Kompost aus den professionellen Kompostieranlagen ist durch die Gütegemeinschaft Kompost (vergeben auch das RAL-Gütezeichen) gesichert, dass die Erden frei von Schadstoffen sind. Mitunter schwankt jedoch die Qualität.

Zur Auflockerung der Erden werden Kokos- und Holzfasern eingesetzt. Gerade Kokosfasern haben zwei Nachteile. Zum einen kommen sie von weit her, was sich in der Ökobilanz negativ auswirkt. Zum anderen trocknen sie die Bodenoberfläche schnell aus, obwohl es rund um die Wurzeln noch feucht sein kann. Auch Holzfasern können das Wasser nicht so gut speichern wie Torf, sie sorgen aber für eine bessere Durchlüftung der Pflanzenerden. Sowohl Holz- als auch Kokosfasern haben leider selbst kaum Nährstoffe, die sie abgeben können, binden aber Stickstoffe. Dadurch ist häufigeres Düngen erforderlich.

Ist torffreie Erde besser?

Wie bereits erwähnt, können torffreie Erden das Wasser nicht sonderlich gut speichern. Mehr noch. Weil beigemischte Kokosfasern die Oberflächen austrocknen, werden Hobbygärtner oft geblufft, warnt BAYERN 1 Gartenexpertin Karin Greiner:

"Torffreie Erden nehmen auch das Gießwasser nicht so gut auf wie normale Erden mit Torf. Und da kann man schnell getäuscht werden, weil nämlich solche Erden obendrauf schon strohtrocken wirken und unten noch schön feucht und nass sind. Das muss man berücksichtigen."

Karin Greiner, BAYERN 1 Gartenexpertin

Es schadet also nicht, mit dem Finger mal zu testen, ob sich die Erde unter der Oberfläche nicht vielleicht doch feucht anfühlt. Dann klappt das auch mit dem Gießen. Bei Zimmer- oder Kübelpflanzen lohnt es sich, ein bisschen Tongranulat unterzumischen, damit die Erde besser durchlüftet ist und Nährstoffe sowie Wasser besser speichern kann. Weil der PH-Wert der Torfersatzstoffe immer sehr hoch ist, empfiehlt es sich zudem, mit Regenwasser oder enthärtetem Wasser zu gießen. Sonst sind die Nährstoffe für viele Pflanzen nicht verfügbar, was sich dann an gelben Blättern zeigt (Chlorose).

Schnelleres Düngen notwendig

Wirklich wichtig ist rechtzeitiges, also frühes Düngen. Der entscheidende Unterschied zu handelsüblichen Erden mit Torf. Am besten eignen sich Langzeitdünger, die gleich beim Eintopfen eingearbeitet werden. "Insbesondere wenn Holzspäne in diesen Erden verarbeitet sind und nicht die Kokosfaser", sagt Gartenexpertin Karin Greiner, "dann nämlich wird das Lignin aus diesen Holzfasern sehr schnell zersetzt, und der Stickstoff ist für die Pflanzen nicht mehr verfügbar. Deswegen auf Balkon und Terrasse, wenn man die Pflanzen eben dort einsetzt, unbedingt sofort nach dem Einpflanzen mit dem Dünge-Rhythmus beginnen und nicht erst nach einer Wartezeit von etwa drei Monaten." Flüssigdünger ist bei den eher trockenen, torffreien Erden eine gute Alternative und kann ein- bis zweimal pro Woche mit dem Gießwasser ausgebracht werden.

Und noch einen Tipp hat Karin Greiner:

"Meiner Erfahrung nach wachsen besonders Tomaten sehr, sehr gut in diesen torffreien Erden - denn dort gibt es immer so eine Art von Salzstress. Das heißt, der Stickstoff wird schnell verbraucht. Aber Kalium und Phosphate sind oft in reichlicher Menge vorhanden. Tatsächlich tut das den Tomaten gut. Das verbessert den Geschmack. Allerdings muss man die Tomaten auch wirklich regelmäßig düngen, also reichlich Stickstoff zuführen. Zum Beispiel eben in Form von Brennnesseljauche."

Karin Greiner, BAYERN 1 Gartenexpertin

Mehr Garten-Tipps von Karin Greiner

Viele gute Ideen für Balkon & Garten, dazu Tipps für Zimmerpflanzen, und den Haus- und Ziergarten rund ums Jahr gibt unsere Garten-Expertin Karin Greiner jeden Samstag um 13.15 Uhr im Samstagmittag bei BAYERN 1.

Quellen und weiterführende Links:

Querbeet vom BR Fernsehen: Torffreie Substrate im Test

Umweltbundesamt: Kein Torf in den Topf

TELMA - Berichte der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde: Studie zur Situation des Torfabbaus im Baltikum

Podcast "Besser leben. Nachhaltig im Alltag mit dem Umweltkommissar"

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Alle Folgen zum Nachlesen finden Sie auf der Übersichtsseite "Besser leben. Nachhaltig im Alltag mit dem Umweltkommissar".

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