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Kartoffeln grün Sind Kartoffeln mit grünen Stellen oder Trieben essbar?

Kann ich Kartoffeln mit grünen Stellen oder Trieben noch essen? Reifen grüne Kartoffeln nach? Und was tun mit gekeimten Zwiebeln? Und: Darum ist die Kartoffel Giftpflanze des Jahres 2022.

Stand: 22.12.2021

Triebe und grüne Stellen an Kartoffeln, Knoblauch und Zwiebeln | Bild: mauritius-images

Was ist, wenn Kartoffeln grün sind?

Grüne Stellen an Kartoffeln weisen auf Solanin hin, ein Giftstoff, mit dem sich die Kartoffeln eigentlich vor Fressfeinden schützen. Es entsteht durch Lichteinfall, also etwa wenn Kartoffeln zu hell gelagert werden. Für Menschen ist Solanin alles andere als bekömmlich: "Solanin kann zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Durchfall führen", warnt Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern.

Grüne Stellen an Kartoffeln sind ein Hinweis auf Solanin - daher die Stellen gründlich wegschneiden.

Das ist allerdings kein Grund, wegen zweier grüner Partien gleich die ganze Kartoffel wegzuwerfen. Wenn man sie so schält oder abschneidet, dass keine keimgrünen Stellen mehr zu sehen sind, kann man die Knollen unbesorgt in den Kochtopf wandern lassen. Gut zu wissen: Solanin wird durch Kochen nicht zerstört - es genügt also nicht, die "angegrünten" Kartoffeln einfach nur gut durchzugaren.  

Wie man Gemüse richtig lagert, lesen Sie hier: So bleiben Obst und Gemüse länger frisch

Warum darf man grüne oder gekeimte Kartoffeln nicht essen? 

Stark gekeimte Kartoffeln sehen schon von außen nicht mehr sonderlich appetitlich aus ...

Weil sich nicht nur in den grünen Stellen, sondern auch in den Keimtrieben Solanin sammelt, sollte man die betroffenen Knollen entsprechend gründlich inspizieren: Kleine grüne Stellen oder kleine Keimtriebe (zirka 5 Zentimeter) am besten großzügig ausschneiden; bei stark gekeimten Kartoffeln (Triebe länger als zirka 10 Zentimeter) lohnt sich das nicht mehr - denn das Keimen entzieht der Knolle Vitamine, Nähr- und Mineralstoffe und "damit sind die Kartoffeln ernährungsphysiologisch nicht mehr sonderlich wertvoll", betont Daniela Krehl. Dann besser gleich ab in die Erde damit, als Saatkartoffel. Das funktioniert so: Kartoffeln pflanzen

Warum ist die Kartoffel Giftpflanze des Jahres 2022?

Für 2022 hat es die Kartoffel auf die Liste der Jahreswesen des Naturschutzbundes NABU geschafft - als Giftpflanze des Jahres. Aber nicht etwa, um die tolle Knolle in Verruf zu bringen, sondern "um auf die Giftwirkung in den grünen Pflazenteilen und Früchten aufmerksam zu machen", so die Begründung des Botanischen Sondergartens Wandsbeck bei Hamburg, der die Kartoffel vorgeschlagen hat. Und weiter: "Nehmen wir die Kartoffel als Botschafterin dafür, dass es mit wenigen Grundkenntnissen problemlos möglich ist, unfallfrei mit Giftpflanzen in Haus und Garten zu leben. Denn das Uhrwerk der Biodiversität ist auch auf die giftigen Vertreter in Flora und Fauna angewiesen!"

Grüne Kartoffeln - nachreifen möglich? 

Im Internet taucht immer wieder die Frage auf, ob grüne Kartoffeln nachreifen könnten - ähnlich wie grün geerntete Tomaten, die dann in Zeitungspapier gehüllt nach ein paar Tagen bzw. Wochen rot und reif werden. Die Antwort ist nein. "Bei Wurzelgemüse ist kein Nachreifen bekannt", sagt Daniela Krehl. Die Kartoffelknolle ist nichts anderes als ein verdicktes Wurzelteil, das das grüne Solanin erzeugt, sobald es in Kontakt mit Licht kommt. Das ist kein Reifeprozess. 

Kann man das Grüne von der Zwiebel essen? 

Grüne Triebe an Zwiebeln sind ein gesunder Snack!

Im Gegensatz zu den Solanin-haltigen Keimtrieben von Kartoffeln kann man gekeimte Zwiebeln mitsamt des grünen Triebes bedenkenlos essen - sie enthalten keine gesundheitsschädlichen Stoffe. Im Gegenteil, so Daniela Krehl: "Zwiebel-Triebe sind ein gesunder Snack; da stecken viele sekundäre Pflanzenstoffe und Nährstoffe drin." Sie eignen sich etwa im Quark oder auf dem Salat als Schnittlauch-Ersatz. Die Knolle selbst verliert allerdings an Inhaltsstoffen und Geschmack, je länger und stärker sie treibt - wo und wie man diese Zwiebeln noch verwenden mag, ist da reine Geschmackssache.  

Wie am besten Zwiebeln lagern? 

"Dunkel, trocken und kühl - so etwa 10 Grad", das sind laut Daniela Krehl die optimalen Lagerbedingungen für Zwiebeln. Im Keller in einem Korb oder einer Obstkiste - oder auch zu einem Zopf geflochten und aufgehängt sind sie vor Schimmel sicher. Wer nicht flechten kann oder mag, kann die Knollen auch in Dreiergruppen in eine alte Feinstrumpfhose einknoten und aufhängen.


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