BR24 Logo
BR24 Logo
Wissen

Winterreifen-Check: Darauf sollten Sie im Ausland achten | BR24

© picture alliance

Winterreifen-Check: Darauf sollten Sie im Ausland achten!

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Winterreifen-Check: Darauf sollten Sie im Ausland achten

Wer es bis jetzt vertrödelt hat, für den wird es höchste Zeit: Zum Start in den Winterurlaub sollten die Winterreifen aufgezogen sein. Denn je nach Land gelten unterschiedliche Regelungen. Eins ist aber sicher: Bei Schnee und Eis geht es nicht ohne.

Per Mail sharen
Teilen

Damit der erste Schneefall nicht für ein böses Erwachen sorgt, sollte man den Reifenwechsel nicht weiter auf die lange Bank schieben. Wer in Deutschland auf verschneiten oder vereisten Straßen fährt, darf dies nur mit Winter- oder Ganzjahresreifen tun. Theoretisch ist ein Reifenwechsel nicht zwingend vorgeschrieben, sondern hängt situativ von den Witterungsverhältnissen ab.

Bei den entsprechenden Wetterverhältnissen schreibt das Gesetz seit 2010 allerdings vor, dass Winterbereifung Pflicht ist, sprich: bei Schnee, Eis, Reifglätte oder vergleichbaren Bedingungen. Benutzen Sie das Fahrzeug tatsächlich nur bei gutem Wetter, können Sie auf die Winterbereifung verzichten. Doch wer tut das schon? Die sogenannte O-bis-O-Regel - Winterreifen von Oktober bis Ostern - kann nur als grobe Orientierung dienen.

Was sind Winterreifen?

Seit dem 1. Januar 2018 gilt: Winterreifen müssen - neben dem herkömmlichen und bekannten M+S-Zeichen - auch mit dem alpinen Symbol, einem dreizackigen Bergl mit Schneeflocke, ausgezeichnet sein. Diese Reifen haben spezielle Wintertests absolviert. Das M+S Zeichen entspricht nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen. Für ältere Reifen mit dieser Kennzeichnung gilt bis zum 30.9.2024 noch eine Übergangsfrist.

© picture alliance / dpa Themendienst

Die M+S-Kennzeichnung und das alpinen Symbol.

Warum Winterreifen?

Winterreifen werden aus einer weicheren Gummimischung gefertigt und verfügen über größere Spurrillen als Sommerreifen. Dadurch können sich Schnee und Schneematsch nicht festsetzen. Unabhängig von Schnee und Eis verfügen Winterreifen über bessere Bremseigenschaften als Sommerreifen, sobald die Temperatur einige Tage unter plus sieben Grad Celsius liegt. Damit der Winterreifen auf rutschiger Straße greift, braucht er genügend Profil.

Meist weniger als acht Jahre Lebensdauer

Die Reifenbranche empfiehlt, einen Winterreifen nicht länger als acht bis zehn Jahre zu fahren. Der ADAC hingegen empfiehlt maximal sechs Jahre, da in den meisten Fällen das Reifenprofil bereits vor der Frist von acht bis zehn Jahren abgefahren ist. Darum sollten Sie die Profiltiefe ihrer Reifen kontrollieren, bevor Sie sie in der Werkstatt montieren lassen. Und das geht ganz einfach mit einer Euro-Münze: Verschwindet der Goldrand im Reifenprofil, hat der Reifen noch die erforderlichen vier Millimeter.

Wie viel Profil muss sein?

Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Mindestprofiltiefe für Winterreifen von 1,6 Millimeter. Experten und Automobilclubs empfehlen mindestens vier Millimeter Reifenprofil. Hat der Reifen weniger Profil, sind die Lamellen, die den Reifen auf glattem Untergrund griffig machen, schon zu dünn. Außerdem liegt unter den vier Millimetern oft eine härtere Gummimischung. Sie soll dem Reifen Stabilität verleihen, führt aber bei abgefahrenem Profil dazu, dass der Reifen auf eisiger Straße leichter rutscht.

Achtung! Im Nachbarland Österreich werden Winterreifen mit weniger als vier Millimetern Profil generell nicht als solche anerkannt - sie gelten als Sommerreifen.

© picture alliance/Daniel Karmann/dpa

Mit einer Euro-Münze die Profiltiefe messen.

Wie sieht es mit Ganzjahresreifen aus?

Für Ganzjahresreifen gilt, dass auch sie - wie Winterreifen - das "Alpine"-Symbol oder die M+S-Kennzeichnung aufweisen müssen. Sind diese Symbole nicht vorhanden, gelten sie als Sommerreifen.

Welche Bußgelder drohen in Deutschland?

Wer bei winterlichen Straßenverhältnissen mit seinem sommerbereiften Auto fährt, dem droht bei Kontrollen auf deutschen Straßen ein Bußgeld von 60 Euro und ein Punkt in Flensburg. Bleibt ein Auto mit Sommerreifen auf der Straße liegen und behindert andere, steigt das Bußgeld auf 80 Euro. Auch dafür gibt es einen Punkt. Werden mit Sommerbereifung andere Verkehrsteilnehmer gefährdet oder wird gar ein Unfall verursacht, können über 100 Euro fällig werden - unabhängig von den sonstigen Umständen des Unfalls.

Was gilt im Falle eines Unfalls?

Mit Sommerreifen bei winterlichen Verhältnissen einen Unfall bauen? Das kann teuer werden, denn das kann zu einer Leistungskürzung der Kaskoversicherung wegen grober Fahrlässigkeit (§ 81 VVG) führen. Das Gleiche gilt für die Haftpflichtversicherung. Auch hier kann man zur Mithaftung verpflichtet werden, auch wenn man den Unfall nicht primär verschuldet hat.

Wie sieht es mit der Winterreifenpflicht im Ausland aus?

Andere Länder andere Sitten. Wer glaubt, dass er, wenn er den Vorgaben in Deutschland Genüge tut, damit auch im Ausland gewappnet ist, der irrt.

Österreich

Für Österreich gilt ebenfalls eine situative Winterreifenpflicht. PKW müssen zwischen dem 1. November und 15. April des folgenden Jahres die Straßenverhältnisse genau im Blick haben und ggf. mit Winterreifen (mit mindestens vier Millimeter Profil) ausgerüstet sein. "Ganzjahres- oder Allwetterreifen gelten als Winterreifen, wenn sie die Kennzeichnung "M + S" tragen, so der ADAC. Schneekettenpflicht gilt in Österreich nur auf Straßen mit besonderer Beschilderung. Wer dagegen verstößt, muss bis zu 35 Euro berappen. Wenn andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden, können bis zu 5.000 Euro fällig werden.

Schweiz

In der Schweiz besteht keine generelle Winterreifenpflicht. Es können aber, so der Automobilclub, Bußgelder verhängt werden, wenn Fahrzeuge mit ungeeigneter Bereifung Verkehrsbehinderungen verursachen. Und bei einem Unfall mit Sommerreifen auf winterlichen Straßen "kommt eine erhebliche Mithaftung in Betracht", informiert der ADAC.

Frankreich

In Frankreich kann die Benutzung von Winterreifen für bestimmte Strecken kurzfristig vorgeschrieben werden. Schilder machen darauf aufmerksam.

Italien

Wer nach Italien fährt, für den wird es kompliziert. Denn in Italien können – je nach Region – unterschiedliche Regelungen gelten. Deshalb vor Urlaubsantritt genau schlaumachen, was wo gilt. Für einzelne Strecken kann bei Schnee und Eis die Benutzung von Winterreifen oder auch Schneeketten vorgeschrieben werden - vor allem in den Provinzen Südtirol und Mailand. Im Aosta-Tal in Italien gilt vom 15. Oktober bis 15. April eine generelle Winterreifen-Pflicht.

Wie sieht es mit Schneeketten aus?

In einigen Nachbarländern Deutschlands sind in manchen Bereichen Schneeketten vorgeschrieben - vor allem in der Nähe von Bergen und Abhängen. Denn hier stoßen auch neue Winterreifen häufig an ihre Grenzen. Schneeketten können verhindern, dass ein Wagen auf einer geschlossenen Schneedecke hängenbleibt. Wenn ein Schild auf Schneeketten hinweist, müssen diese aufgezogen werden, sonst droht ein Bußgeld.

© picture alliance/Stefan Puchner/dpa

Wenn auf Schneeketten hingewiesen wird, müssen sie auch aufgezogen werden.

Für welche Fahrzeuge gilt die Winterreifen-Verordnung?

Die Verordnung gilt grundsätzlich für alle Motorfahrzeuge, die auf deutschen Straßen unterwegs sind: Autos, Lkws, Busse, Motorräder, Mofas, etc. Der Zulassungsort spielt dabei keine Rolle. Schwere Nutzfahrzeuge wie Lastwagen und Busse müssen nur auf den Antriebsrädern Winter- oder Allwetterreifen aufziehen. Ausgenommen sind land- und forstwirtschaftliche Nutzfahrzeuge, weil sie ohnehin grobstollige Reifen haben. Für Fahrräder gilt ebenfalls keine Winterreifenpflicht, das gilt laut ADAC auch für E-Bikes, die kein Nummernschild benötigen.

Was muss man beim Reifenkauf beachten?

Der Fahrzeugschein enthält die erlaubten Reifenabmessungen - ein guter Händler wird allerdings von Haus aus wissen, welcher Reifen für welches Fahrzeug zugelassen ist. Das Alter eines Reifens erkennen Sie an der sogenannten DOT-Nummer an der Seite des Reifens: "2411" bedeutet zum Beispiel, dass der Reifen 2011 in der 24. Kalenderwoche hergestellt wurde. Seit 2010 müssen Reifen übrigens auch einer Geräuschprüfung unterzogen werden. Dieses sogenannte Reifenabrollgeräusch wird in Dezibel gemessen, der Reifen muss entsprechend gekennzeichnet sein.

Wie lagert man Sommerreifen am besten?

Trocken, dunkel und nicht zu warm. Reifen ohne Felge lagert man am besten aufrechtstehend und dreht sie einmal im Monat, um Druckstellen zu vermeiden. Reifen mit Felge kann man am Felgenloch aufhängen. Oder man lagert sie auf der Felge liegend, so lassen sie sich auch stapeln. Ein sogenannter Felgenbaum kann hilfreich sein. Markieren Sie die Reifen mit Kreide (z. Bsp. VR = vorne rechts), das erleichtert die Montage im Frühjahr. Tipp: Den Reifendruck für die Lagerung um 0,5 bar erhöhen, denn die Reifen verlieren während des Winters etwas Luft.

© picture-alliance/dpa

Es wird kälter. Nachts können die Temperaturen bis auf den Gefrierpunkt sinken. Bei Schnee und Eis riskiert man ohne Winterreifen sogar ein Bußgeld. Die Faustformel lautet: Winterreifen fährt man am besten von O bis O. Also: Oktober bis Ostern.