Zurück zur Startseite
Wissen
Zurück zur Startseite
Wissen

Zahlen und Fakten über Suizid | BR24

© BR

Video: Jährlich sterben in Deutschland knapp 10.000 Menschen durch Suizid. Man geht davon aus, dass sich etwa zehn- bis vierzigmal so viele Suizidversuche ereignen. Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei jungen Menschen unter 25 Jahren.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Zahlen und Fakten über Suizid

In Deutschland sterben mehr Menschen durch Selbsttötung als durch Verkehrsunfälle, Drogenmissbrauch, Aids und Mord. Und zwar zusammengerechnet. Männer legen etwa dreimal so häufig Hand an sich wie Frauen.

Per Mail sharen
Teilen

Im Jahr 2017 nahmen sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 9.241 Menschen in Deutschland das Leben. Die meisten davon, 1.026 Personen, waren zwischen 50 und 54 Jahren alt. Während 6.990 Männer Selbstmord begingen, waren es bei den Frauen 2.251. Etwa zehn Prozent der Menschen, die ihr Leben beendeten, waren jünger als 30 Jahre. Die Suizidrate in Deutschland ist zwar seit den 1980er Jahren gesunken, hält sich aber seit Jahren auf konstant hohem Niveau.

Hohe Suizidrate in Bayern

Nach absoluten Zahlen hatte Bayern im Jahr 2017 die höchste Suizidrate in Deutschland. Insgesamt nahmen sich 1.597 Menschen im Freistaat das Leben. Deutlich mehr Männer als Frauen wählten den Freitod: 2017 waren es 1.226 Männer und 371 Frauen. Die Altersklasse der 50- bis 55-Jährigen sticht besonders heraus: 188 Menschen verübten Suizid, 140 Männer und 48 Frauen. Die Suizidrate sei im Durchschnitt im Alpenraum höher, sagt Peter Brieger, ehemaliger ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Kempten. Tradition, unterschiedliche Kohäsion der Gesellschaft und weniger Psychotherapeuten könnten ebenso eine Rolle spielen wie ein "schroffer Lebensalltag". Eine genaue Erklärung haben aber auch Fachleute nicht. Letztlich seien die Gründe für einen Selbstmord ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Faktoren, erklärt Brieger.

Analyse von Suizid-Fällen im Bezirkskrankenhaus Kempten

Im Bezirkskrankenhaus Kempten werteten Ärzte und Wissenschaftler im Jahr 2018 mehr als 600 Akten über Suizide zwischen 2001 und 2009 in der Allgäuer Region aus. Bei knapp der Hälfte der untersuchten Fälle gab es zuvor Warnsignale. Nach Sichtung der Daten kam das Forscherteam zu dem Ergebnis, dass das Umfeld von Suizidgefährdeten trotz Suizidankündigungen häufig nicht rechtzeitig eingriff. "Wir müssen suizidgefährdete Menschen besser verstehen", sagte Peter Brieger, der die Analyse der Akten veranlasste.

Die Allgäuer Studie zeigte auch, dass somatische, also körperliche Erkrankungen mit 26 Prozent Hauptgrund von Suiziden waren sowie chronische, belastende Erkrankungen mit Symptomen wie Schmerzen und Atemnot. Angeführt wird die Liste von Krankheiten des Kreislaufsystems, des Muskel-Skelett-Systems sowie des Bindesgewebes und des Nervensystems. Ein weiterer Grund für Suizide waren Depressionen. Diese kamen mit 23 Prozent auf Platz zwei. In 15 Prozent der Fälle waren Partnerschaftsprobleme das Motiv für die Selbsttötung.

Bei welchen Bevölkerungsgruppen das Suizidrisiko erhöht ist

In Deutschland wählen laut der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) überdurchschnittlich oft Männer, Menschen im höheren Lebensalter, Menschen mit gleichgeschlechtlicher sexueller Orientierung und junge Frauen mit Migrationshintergrund den Freitod.

Suizidversuch als Hilferuf

Auffällig ist auch, dass Suizidversuche häufig von jungen Frauen unternommen werden. Diese sind als Hilferufe zu werten und ein Anzeichen für ernstzunehmende psychische Probleme. Zudem versucht etwa jeder Dritte nicht nur einmal sich selbst zu töten, sondern unternimmt einen weiteren Versuch.

Das Suizid-Risiko ist auch bei vielen psychischen Krankheiten erhöht, besonders bei Psychosen, Suchterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen und Depressionen. Aber: Nicht jeder, der Suizidgedanken äußert, ist automatisch psychisch krank! So können auch Partnerschaftskonflikte, Schulden, Arbeitslosigkeit, chronische Erkrankungen oder Trennungen zu Selbstmordversuchen führen.

© BR

Zahl der Suizide nach Geschlecht 2017

Falsch gedacht - Vorurteile über Suizidgefährdung

Selbsttötungen werden nicht am häufigsten in den dunklen, nasskalten Monaten November und Dezember begangen, sondern oft im Frühjahr und Hochsommer. Und auch diese Ansichten über Suizid und Selbstmordgefährdete sind falsch und führen zu falschen Handlungen und Hilfsmaßnahmen:

  • Wer vom Suizid redet, wird sich nicht das Leben nehmen.
  • Wer eine Suizidgefährdung anspricht, löst einen Suizid erst aus.
  • Alle, die suizidal sind, sind auch psychisch krank.
  • Wer Suizidgedanken hat, möchte unbedingt sterben.
© BR

Zahl der Suizide nach Sterbemonaten 2015 bis 2017

Wie erkennt man, dass sich jemand umbringen will?

Die Warnsignale sind nicht immer als solche zu erkennen. Laut DGS zeigen Studien, dass Menschen viel häufiger als üblich einen Arzt aufgesucht haben, bevor sie sich selbst töteten, die Suizidgefährdung aber nicht erkannt wurde. Deutlichere Anzeichen für eine Selbstmordgefährdung sind:

  • Massiver Rückzug aus sozialen Beziehungen und der Umwelt
  • Androhung oder Ankündigung sich selbst zu töten
  • Gefühl der Wertlosigkeit
  • Starke Hoffnungslosigkeit die Zukunft betreffend
  • Aggressives Verhalten
  • Phase der "Ruhe" nach Anzeichen für einen Suizid

Wie sollten Angehörige und Freunde mit Suizidgefährdeten umgehen?

Das Wichtigste ist, dass man nur suizidgefährdeten Menschen helfen kann, die bereit sind, sich auf eine Behandlung einzulassen. Ein erster Schritt kann sein, die Zuversicht zu vermitteln, dass es Hilfe gibt, auch wenn Betroffene anfangs abwehrend reagieren. Empfohlen wird zudem, dass man mit Suizidgefährdeten redet, ihnen zuhört und nachfragt. Man sollte aber als Angehöriger und Freund nur so weit gehen, wie man eine solche Krisensituation ertragen kann, das heißt, seine eigenen Grenzen erkennen und wenn nötig, professionelle Hilfe für Angehörige in Anspruch nehmen.

Einem Selbstmordgefährdeten kann man auch damit helfen, dass man professionelle Hilfsangeboten heraussucht und denjenigen zu entsprechenden Ärzten und Einrichtungen begleitet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt zudem auf Suizidprävention. Wesentlich sei es, junge Menschen gegen Stress zu stärken und suizidgefährdete Personen rechtzeitig zu identifizieren und langfristig zu betreuen. Seit 2003 macht die WHO am 10. September darauf aufmerksam, dass Suizid zu den häufigsten Todesarten zählt: Etwa 800.000 Menschen weltweit nehmen sich jährlich das Leben. Das heißt: Alle 40 Sekunden tötet sich auf der Welt ein Mensch selbst. In Deutschland waren es 2017 mehr als 25 pro Tag.

Die wichtigsten Adressen

Quellen:

  • Statistisches Bundesamt
  • Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS)
  • Welttag der Suizidprävention
  • Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V.
  • Deutsche Depressionshilfe