Freiheit von der Pille "Man kann ganz natürlich verhüten – ohne Hormone"

In Deutschland nimmt immer noch ein Großteil der Frauen zur Verhütung täglich die Pille. Völlig unverhältnismäßig, sagt Buch-Autorin Sabine Kray - weil eine Frau sowieso nur wenige Tage im Monat schwanger werden kann.

Author: Linda Becker

Published at: 23-1-2018 | Archiv

Sabine Kray | Bild: Edisonga

Laut der Beratungsstelle pro famila verwenden immer noch etwa 70 Prozent der 20 bis 29-jährigen Frauen Hormonpräparate, um zu verhüten. Während in den 1960ern die Pille als Befreiung der Frau galt, steht sie mittlerweile seit Jahren in der Kritik: Kopfschmerzen, wenig Lust auf Sex und im schlimmsten Fall Depressionen oder Thrombose. Einige Frauen haben deshalb die natürliche Familienplanung (NFP) für sich entdeckt. NFP bedeutet, man findet heraus wie sein persönlicher Zyklus ist, hält die Daten in einer App fest und kann so seine fruchtbaren Tage von unfruchtbaren Tagen unterscheiden. Autorin Sabine Kray hat sich für ihr Buch "Freiheit von der Pille" intensiv damit auseinandergesetzt, wie sie uns im Interview erzählt hat.

PULS: Warum ist dir das Thema natürliche Familienplanung so wichtig?

Sabine Kray: Weil ich festgestellt habe, dass ich die Pille 17 Jahr lang einfach genommen, aber nie hinterfragt habe. Die Pille wurde mir als Schülerin verschrieben, ich wollte das auch – ich dachte, davon bekomme man schönere Haut und erst mit der Pille sei man wirklich eine Frau, ein sexuelles Wesen. Aber nachdem ich sie abgesetzt hatte, bemerkte ich, dass ich mich ohne viel wohler fühlte und dass ich auch ganz von alleine Lust auf Sex haben kann, ohne dass ein Mann den erste Schritt macht. Es war gut, einfach zu wissen, dass mein Körper mir sagt, was er möchte.

Du hast die Pille also abgesetzt. Was hat das mit deinem Körper gemacht?

Nach sechs Wochen hat sich ungefähr eingestellt, dass ich besser gelaunt war, mehr Lust auf Sex hatte, dass ich mich in meinem Körper irgendwie mehr zuhause gefühlt habe.

Ich habe das nie bereut. Meine Menstruation ist zwar etwas schmerzhafter geworden, aber dagegen kann man ja eine Schmerztablette nehmen. Und natürlich ist eine Schmerztablette im Monat besser, als wenn man sich täglich Hormone reinfährt. Meine Brüste wachsen und schrumpfen während meinem Zyklus mehr – aber ich find das auch toll, dass ich jetzt mehr wahrnehmen kann, was mit meinem Körper eigentlich gerade passiert. Man lernt seinen Körper viel besser zu lesen und kann daran auch einschätzen, wann man seinen Eisprung hat und wann nicht.

Kannst du kurz erklären, wie genau der Zyklus funktioniert?

Ein Zyklus ist zwischen 22 und 30 Tage lang. Das kann auch von Monat zu Monat variieren. Jeder Zyklus beginnt aber mit dem ersten Tag der Periode, das ist Tag eins. Da wird die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen – das ist das Blut, das man sieht. Und nach der Periode wird der Gebärmutterschleim wieder neu aufgebaut und dann entwickelt sich das Ei, das dann zum Eisprung kommt und den Moment festmacht, in dem man schwanger werden kann. Dieser Eisprung findet in der Regel zwischen zehn und zwölf Tagen nach dem ersten Zyklustag statt, dann ist man fruchtbar. Man muss bereits einige Tage vor dem Eisprung aber sehr vorsichtig sein, denn Spermien können bis zu fünf Tage im weiblichen Körper überleben. Das Ei hingegen ist nur für etwa 24 Stunden da. Dennoch: Zur Sicherheit immer fünf Tage vor und fünf Tage nach dem Eisprung mit Kondom verhüten.

An seinem Zyklus kann man dann also die Tage im Monat erkennen, an denen man schwanger werden kann?

Ja, wenn der Zyklus regelmäßig ist, dann kennt man seine fruchtbaren und unfruchtbaren Tage sehr genau. Natürlich schützen nur Kondome vor Geschlechtskrankheiten – aber wenn beide Partner Tests gemacht haben, dann kann man – aus meiner Sicht – in den fruchtbaren Tagen ganz gezielt Kondome verwenden. In den restlichen Tagen muss man sich dann keine Sorgen machen. Gerade jungen Frauen würde ich aber empfehlen, sich dazu genau vom Frauenarzt beraten zu lassen. Es gibt aber auch Workshops zur NFP - da lernt man dann die körperlichen Anzeichen zu erkennen und auch welche Apps man verwenden kann, um seinen Zyklus zu tracken.

Jeder soll natürlich für sich eine freie Entscheidung treffen. Ich will nichts raten – mein Buch zeigt nur Möglichkeiten auf, für die man sich dann selbst entscheiden kann, wenn man Bescheid weiß. Es schadet in jedem Fall nichts, zu verstehen, wie der eigene Körper ganz natürlich funktioniert.

Sendung: 23. Januar 2018 - Filter, ab 15 Uhr