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Vorsicht Wildwechsel! So verhalten Sie sich bei einem Wildunfall | BR24

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Rehe und Wildschweine überqueren vor allem in den Dämmerstunden die Fahrbahn. Wie verhält man sich richtig, wenn plötzlich ein Tier auf der Straße steht, oder es schon zu einem Unfall gekommen ist?

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Vorsicht Wildwechsel! So verhalten Sie sich bei einem Wildunfall

Im Herbst ist die Gefahr von Wildunfällen wegen schlechter Sicht durch Nebel, Regen und in der Dämmerung besonders groß. Zudem kommt es auch zu vermehrtem Wildwechsel, da die Tiere auf der Suche nach Futter sind. So verhalten Sie sich richtig!

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Wildtiere finden in der Herbstzeit auf den Feldern nicht mehr ausreichend Nahrung und überqueren Straßen auf der Suche nach anderen Futterquellen. Die zunehmend schlechten Witterungsbedingungen verbunden mit eingeschränkten Sichtverhältnisse verstärken die Gefahr eines Wildunfalls zusätzlich.

Erhöhter Wildwechsel bei Dämmerung!

Vor allem in der Abenddämmerung und im Morgengrauen besteht erhöhte Wildwechselgefahr. Das Wild sucht in Wäldern und auf Feldern Futter, beziehungsweise kehrt von der Nahrungssuche zurück. Die Lebensräume für die Tiere werden weniger: Um zum Futterplatz zu gelangen, muss das Wild häufig Straßen überqueren. Geblendet vom Licht der Scheinwerfer bleiben die Tiere bewegungslos stehen.

Immer mehr Wildunfälle in Bayern

Die Zahl der Wildunfälle auf Bayerns Straßen ist in den vergangenen Jahren nach Angaben des Bayerischen Innenministeriums wieder gestiegen: Von 57.275 Wildunfällen im Jahr 2008 auf 82.000 im Jahr 2019. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um mehr als acht Prozent. Auch die Zahl der dabei verletzten Personen sei angestiegen - um zwei Prozent auf 520, vier Personen seien sogar bei Wildunfällen getötet worden, so Innenminister Joachim Herrmann. Und dabei handelt es sich nur um die Fälle, die der Polizei gemeldet wurden. Rund drei Viertel aller Wildunfälle sind Zusammenstöße mit Reh-, Rot- oder Damwild, wovon das Rehwild besonders häufig beteiligt ist.

Neue Warntafeln zum Wildwechsel in Bayern

Als Gründe für den Anstieg nannte Herrmann den hohen Wildbestand. Umso wichtiger sei eine angepasste Geschwindigkeit. Um Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer besser zu sensibilisieren, werden derzeit vom Bayerischen Jagdverband landesweit an besonderen Brennpunkten 1.500 Warntafeln zur Vermeidung von Wildunfällen aufgestellt. Die Wildwarntafeln zielen mit emotionalen Bildern, etwa eines hilflosen Jungfuchses, darauf ab, die Verkehrsteilnehmer zu einem verantwortungsvollen Fahren aufzufordern.

Was tun, wenn ein Wildtier am Straßenrand entdeckt wird?

Als Faustregel gilt: Wenn ein Tier die Straße überquert hat, ist mit weiterem Wild zu rechnen. Steht ein Wildtier bereits neben oder auf der Straße, sollte man bremsen, abblenden und möglichst hupen. Wichtig ist es dabei natürlich, den nachfolgenden Verkehr im Auge zu behalten. Zur eigenen Sicherheit sollte der Autofahrer kein Ausweichmanöver probieren. Die Gefahr durch hektische Lenkradbewegungen in den Gegenverkehr zu geraten oder am nächsten Baum zu landen, ist groß. Der so verursachte Schaden kann wesentlich höher sein als nach einer Kollision mit dem Tier.

So vermeiden Sie als Autofahrer Wildunfälle

  • Runter vom Gas! Verringern Sie Ihre Geschwindigkeit im Bereich der Warnschilder für Wildwechsel.
  • Augen auf! Beobachten Sie die Fahrbahnränder aufmerksam, insbesondere bei Dämmerung und nachts.
  • Vorsicht Nachzügler! Wo ein Tier ist, ist auch mit weiteren Tieren zu rechnen.
  • Licht abblenden! Steht Wild an oder auf der Fahrbahn, blenden Sie ab, bremsen kontrolliert und hupen. Wild ist im grellen Scheinwerferlicht schnell orientierungslos und reagiert panisch.
  • Auf den Hintermann achten! Bei Kleinwild wie Hase und Fuchs wird oft geraten, nur zu bremsen, wenn kein Auffahrunfall droht.
  • Kontrolle über den Wagen behalten! Damit eine unvermeidbare Kollision nicht tödlich endet: Weichen Sie nicht unkontrolliert aus! Halten Sie das Lenkrad fest, fahren Sie weiter geradeaus und bremsen Sie. Baumunfälle oder Zusammenstöße mit dem Gegenverkehr sind für gewöhnlich auch nicht versichert.

Schäden durch Ausweichmanöver oft nicht versichert

Schäden, die durch Ausweichmanöver gegenüber Tieren entstehen, fallen nicht in den Versicherungsschutz - auch dann nicht, wenn das Ausweichmanöver aus einer Schreckreaktion oder einem ungesteuerten Reflex heraus erfolgt.

Wenn sich eine Kollision nicht vermeiden lässt ...

... sollten Sie das Lenkrad festhalten und eine Vollbremsung machen. Weichen Sie nicht aus, da die Gefahr und der Schaden meist größer sind, wenn Sie in ein entgegenkommendes Auto oder gegen einen Baum fahren. Zudem bezahlen Teilkaskoversicherungen in der Regel zwar bei Kollisionen mit Wildtieren, nicht aber, wenn Sie ausgewichen sind.

Für ein Kleintier nicht bremsen

Läuft Ihnen ein Kleintier (z. B. ein Hase oder eine Katze) vor das Auto, dürfen Sie keine Vollbremsung machen. Wenn Ihnen dabei jemand auffährt, können Sie die Schuld an dem Unfall bekommen.

Ein Wildunfall - was ist zu tun?

Ist es zu einem Unfall gekommen, sollten Sie einiges beachten, damit der Versicherungsschutz greift.

Maßnahmen

  • Unfallstelle absichern, Warnblinkanlage einschalten und Warndreieck in ausreichender Entfernung aufstellen.
  • Wenn gefahrlos möglich, tote Tiere mit Handschuhen von der Straße ziehen. Verletzte Tiere auf keinen Fall anfassen: Verletzungs- und Tollwutgefahr!
  • Den Unfall unverzüglich der Polizei melden – auch wenn das Tier geflüchtet ist. Die verständigt den Jagdpächter.
  • Polizei oder Jagdpächter stellen eine Wildunfall-Bescheinigung zur Schadenregulierung bei der Versicherung aus.
  • Unfallfolgen für die Versicherung durch Fotos dokumentieren. Fahrzeugschäden durch Haarwild sind in der Regel durch die Teilkasko abgedeckt.
  • Auf keinen Fall das tote Wild in den Kofferraum legen und wegfahren. Das ist Wilderei und somit strafbar.