Zurück zur Startseite
Wissen
Zurück zur Startseite
Wissen

Vorsicht Wildwechsel! Paarungszeit macht Rehe unvorsichtig | BR24

© picture-alliance/dpa

Ein Reh steht am Straßenrand

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Vorsicht Wildwechsel! Paarungszeit macht Rehe unvorsichtig

Wenn der Bock die Ricke treibt, dann gibt's im Wald und auf dem Feld kein Halten mehr. Autofahrer müssen sich jetzt auf Wildwechsel einstellen, denn in der Paarungszeit von Mitte Juli bis Anfang August gibt es für die Rehböcke kein Halten mehr.

Per Mail sharen
Teilen

Autofahrer müssen sich in der Paarungszeit auf Wildwechsel einstellen. Der Duft der Ricke, das Reh-Parfüm, das jetzt voller Pheromone steckt, ist für den Rehbock in diesen Tagen einfach unwiderstehlich. Mitte Juli bis Anfang August ist die Hauptzeit der Rehbrunft. In dieser Zeit bekommen nicht nur Förster und Jäger, sondern auch Spaziergänger die sonst so scheuen Rehe viel häufiger zu Gesicht. Rehe verlieren gerade in den nächsten drei, vier Wochen ihre Scheu und sind deutlich unvorsichtiger, so Jenifer Calvi von der Deutschen Wildtier Stiftung.

Im Frühjahr ist das Wild auf Futtersuche

Rehe machen im Frühjahr keine Fastenkur wie viele Menschen, sondern wollen fressen, um nach dem Winter wieder zu Kräften zu kommen. Neben zartem Grün sowie frischen Trieben und Knospen lockt sie Salz an. Das findet das Wildtier an Landstraßen, denn hier sind Boden und Pflanzen angereichert mit dem Mineral. Rehe stehen oft unvermittelt auf der Straße. Sie verursachen auch die meisten Wildunfälle: mehr als 82 Prozent, sagt der Deutsche Jagdverband (DJV).

Erhöhter Wildwechsel bei Dämmerung!

Vor allem in der Abenddämmerung und im Morgengrauen besteht erhöhte Wildwechselgefahr. Das Wild sucht in Wäldern und auf Feldern Futter, beziehungsweise kehrt von der Nahrungssuche zurück. Die Lebensräume für die Tiere werden weniger: Um zum Futterplatz zu gelangen, muss das Wild häufig Straßen überqueren. Geblendet vom Licht der Scheinwerfer bleiben die Tiere bewegungslos stehen.

Immer mehr Wildunfälle in Bayern

Die Zahl der Wildunfälle auf Bayerns Straßen ist in den vergangenen Jahren nach Angaben des Bayerischen Innenministeriums deutlich gestiegen: Von 57.275 Wildunfällen im Jahr 2008 auf 75.879 im Jahr 2018, was einer Steigerung von 32 Prozent entspricht. Und dabei handelt es sich nur um die Fälle, die der Polizei gemeldet wurden. Rund drei Viertel aller Wildunfälle sind Zusammenstöße mit Reh-, Rot- oder Damwild, wovon das Rehwild besonders häufig beteiligt ist.

© BR

Rehe und Wildschweine überqueren vor allem in den Dämmerstunden die Fahrbahn. Wie verhält man sich richtig, wenn plötzlich ein Tier auf der Straße steht, oder es schon zu einem Unfall gekommen ist?

Was tun, wenn ein Wildtier am Straßenrand entdeckt wird?

Als Faustregel gilt: Wenn ein Tier die Straße überquert hat, ist mit weiterem Wild zu rechnen. Steht ein Wildtier bereits neben oder auf der Straße, sollte man bremsen, abblenden und möglichst hupen. Wichtig ist es dabei natürlich, den nachfolgenden Verkehr im Auge zu behalten. Zur eigenen Sicherheit sollte der Autofahrer kein Ausweichmanöver probieren. Die Gefahr durch hektische Lenkradbewegungen in den Gegenverkehr zu geraten oder am nächsten Baum zu landen, ist groß. Der so verursachte Schaden kann wesentlich höher sein als nach einer Kollision mit dem Tier.

So vermeiden Sie als Autofahrer Wildunfälle

  • Runter vom Gas! Verringern Sie Ihre Geschwindigkeit im Bereich der Warnschilder für Wildwechsel.
  • Augen auf! Beobachten Sie die Fahrbahnränder aufmerksam, insbesondere bei Dämmerung und nachts.
  • Vorsicht Nachzügler! Wo ein Tier ist, ist auch mit weiteren Tieren zu rechnen.
  • Licht abblenden! Steht Wild an oder auf der Fahrbahn, blenden Sie ab, bremsen kontrolliert und hupen. Wild ist im grellen Scheinwerferlicht schnell orientierungslos und reagiert panisch.
  • Auf den Hintermann achten! Bei Kleinwild wie Hase und Fuchs wird oft geraten, nur zu bremsen, wenn kein Auffahrunfall droht.
  • Kontrolle über den Wagen behalten! Damit eine unvermeidbare Kollision nicht tödlich endet: Weichen Sie nicht unkontrolliert aus! Halten Sie das Lenkrad fest, fahren Sie weiter geradeaus und bremsen Sie. Baumunfälle oder Zusammenstöße mit dem Gegenverkehr sind für gewöhnlich auch nicht versichert.

Schäden durch Ausweichmanöver oft nicht versichert

Schäden, die durch Ausweichmanöver gegenüber Tieren entstehen, fallen nicht in den Versicherungsschutz - auch dann nicht, wenn das Ausweichmanöver aus einer Schreckreaktion oder einem ungesteuerten Reflex heraus erfolgt.

Wenn sich eine Kollision nicht vermeiden lässt ...

... sollten Sie das Lenkrad festhalten und eine Vollbremsung machen. Weichen Sie nicht aus, da die Gefahr und der Schaden meist größer sind, wenn Sie in ein entgegenkommendes Auto oder gegen einen Baum fahren. Zudem bezahlen Teilkaskoversicherungen in der Regel zwar bei Kollisionen mit Wildtieren, nicht aber, wenn Sie ausgewichen sind.

Für ein Kleintier nicht bremsen

Läuft Ihnen ein Kleintier (z. B. ein Hase oder eine Katze) vor das Auto, dürfen Sie keine Vollbremsung machen. Wenn Ihnen dabei jemand auffährt, können Sie die Schuld an dem Unfall bekommen.

Ein Wildunfall - was ist zu tun?

Ist es zu einem Unfall gekommen, sollten Sie einiges beachten, damit der Versicherungsschutz greift.

Maßnahmen

  • Unfallstelle absichern, Warnblinkanlage einschalten und Warndreieck in ausreichender Entfernung aufstellen.
  • Wenn gefahrlos möglich, tote Tiere mit Handschuhen von der Straße ziehen. Verletzte Tiere auf keinen Fall anfassen: Verletzungs- und Tollwutgefahr!
  • Den Unfall unverzüglich der Polizei melden – auch wenn das Tier geflüchtet ist. Die verständigt den Jagdpächter.
  • Polizei oder Jagdpächter stellen eine Wildunfall-Bescheinigung zur Schadenregulierung bei der Versicherung aus.
  • Unfallfolgen für die Versicherung durch Fotos dokumentieren. Fahrzeugschäden durch Haarwild sind in der Regel durch die Teilkasko abgedeckt.
  • Auf keinen Fall das tote Wild in den Kofferraum legen und wegfahren. Das ist Wilderei und somit strafbar.
© BR

Vollbremsung, trotzdem zu spät. Was tun bei einem Wildunfall? Unfallstelle absichern, das Tier niemals ohne Handschuhe anfassen, Polizei verständigen. Alles Wichtige in diesem Video.