Suizidprävention: Zahlen und Fakten über Suizid

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Suizid-Prävention: Warnsignale und wo es Hilfe gibt

Suizid-Prävention: Warnsignale und wo es Hilfe gibt

In Deutschland sterben mehr Menschen durch Selbsttötung als durch Verkehrsunfälle, Drogenmissbrauch, Aids und Mord. Und zwar zusammengerechnet. Männer begehen Suizid etwa dreimal so häufig wie Frauen.

Im Jahr 2020 nahmen sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 9.206 Menschen in Deutschland das Leben, über 25 am Tag. Zum fünften Mal in Folge blieb die Zahl der Suizide damit unter 10.000. Insgesamt ist die Zahl der Suizide jedoch in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen: 1980 nahmen sich beispielsweise noch rund 50 Personen pro Tag das Leben.

In Deutschland steigt die Suizid-Rate mit dem Lebensalter, bei den über 75-Jährigen ist die Rate am höchsten.

Deutlich mehr Männer als Frauen verüben Suizid

Fast dreimal so viele Suizide werden von Männern begangen wie von Frauen. 2022 nahmen sich 6.944 Männer das Leben und 2.262 Frauen. Männer waren dabei im Schnitt 58,5 Jahre alt, Frauen 59,3 Jahre. Die Suizid-Rate in Deutschland ist zwar seit den 1980er-Jahren gesunken, hält sich aber seit Jahren auf konstant hohem Niveau.

Suizid-Rate nach Bundesländern - Bayern auf Platz 6

2020 war die Suizid-Rate besonders in der Mitte und im Nord-Osten Deutschlands hoch: In Sachsen bei 14, in Sachsen-Anhalt lag sie bei 13,9 und in Thüringen bei 13,6 je 100.000 Einwohnern. Alle Zahlen sind etwas niedriger als noch 2018. Die niedrigsten Raten hatten 2020 das Saarland (8,4) und Nordrhein-Westfalen (7,4).

Bayern liegt mit 11,4 auf Platz acht von 16. Woran liegt das? Die Suizid-Rate sei im Durchschnitt im Alpenraum höher, sagt Peter Brieger, ehemaliger ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Kempten. Tradition, unterschiedliche Kohäsion der Gesellschaft und weniger Psychotherapeuten könnten ebenso eine Rolle spielen wie ein "schroffer Lebensalltag". Eine genaue Erklärung haben aber auch Fachleute nicht. Letztlich seien die Gründe für einen Selbstmord ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Faktoren, erklärt Brieger.

Anzahl der Suizide während der Corona-Pandemie wenig verändert

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts für die Jahre bis 2021 liegen noch nicht vor. Doch das Uniklinikum Leipzig hat eigene Daten erhoben, um zu erfahren, ob die Corona-Pandemie bis Ende 2021 zu mehr Suiziden in Deutschland geführt hat. Dabei wurden Kriminalstatistiken aus den Bundesländern Sachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein ausgewertet, insgesamt die Daten von elf Millionen Menschen erfasst.

Das Ergebnis: Die Gesamtzahl der Suizide bei Männern sank im Zeitraum von 2020 bis 2021 im Vergleich zu den Jahren 2017 bis 2019 leicht ab, bei Frauen stieg sie leicht an. Doch die Autoren der Studie betonen, dass die allgemeine Änderung jeweils so klein war, dass sie statistisch nicht aussagekräftig ist. In der Altersgruppe der über 90-jährigen Männern dagegen sei ein aussagekräftiger Anstieg gemessen worden. Das sei eine Altersgruppe, die ohnehin ein hohes Suizidrisiko habe, so die Forschenden.

Warnsignal vor Suizidversuch ist häufig

Im Bezirkskrankenhaus Kempten werteten Ärzte und Wissenschaftler im Jahr 2018 mehr als 600 Akten über Suizide zwischen 2001 und 2009 in der Allgäuer Region aus. Bei knapp der Hälfte der untersuchten Fälle gab es zuvor Warnsignale. Nach Sichtung der Daten kam das Forscherteam zu dem Ergebnis, dass das Umfeld von Suizidgefährdeten trotz Suizidankündigungen häufig nicht rechtzeitig eingriff. "Wir müssen suizidgefährdete Menschen besser verstehen", sagte Peter Brieger, der die Analyse der Akten veranlasste.

Die Allgäuer Studie zeigte auch, dass somatische, also körperliche Erkrankungen mit 26 Prozent Hauptgrund von Suiziden waren sowie chronische, belastende Erkrankungen mit Symptomen wie Schmerzen und Atemnot. Angeführt wird die Liste von Krankheiten des Kreislaufsystems, des Muskel-Skelett-Systems sowie des Bindegewebes und des Nervensystems. Ein weiterer Grund für Suizide waren Depressionen. Diese kamen mit 23 Prozent auf Platz zwei. In 15 Prozent der Fälle waren Partnerschaftsprobleme das Motiv für die Selbsttötung.

Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Suizid-Risiko

In Deutschland wählen laut der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) überdurchschnittlich oft Männer, Menschen im höheren und hohen Lebensalter, Menschen mit gleichgeschlechtlicher sexueller Orientierung und junge Frauen mit Migrationshintergrund den Freitod.

Suizidversuch als Hilferuf

Auffällig ist auch, dass Suizidversuche häufig von jungen Frauen unternommen werden. Diese sind als Hilferufe zu werten und ein Anzeichen für ernstzunehmende psychische Probleme. Zudem versucht etwa jeder Dritte nicht nur einmal sich selbst zu töten, sondern unternimmt einen weiteren Versuch.

Das Suizid-Risiko ist auch bei vielen psychischen Krankheiten erhöht, besonders bei Psychosen, Suchterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen und Depressionen. Aber: Nicht jeder, der Suizidgedanken äußert, ist automatisch psychisch krank! So können auch Partnerschaftskonflikte, Schulden, Arbeitslosigkeit, chronische Erkrankungen oder Trennungen zu Selbstmordversuchen führen.

Zahl der Suizide nach Geschlecht und Alter im Jahr 2020

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Unwissenheit über Suizidgefährdung

Selbsttötungen werden nicht am häufigsten in den dunklen, nasskalten Monaten November und Dezember begangen, sondern oft im Frühjahr und Hochsommer. Auch andere Information über Suizid und Selbstmordgefährdete sind wenig bekannt und führen dann zu falschen Handlungen und Hilfsmaßnahmen. So löst keiner einen Suizid aus, indem er eine Suizidgefährdung anspricht. Das Gegenteil ist der Fall, sagen Psychiater. "Ein ruhiges, sachliches und direktes Gespräch kann den Gefährdeten bereits entlasten, weil er mit jemandem über die quälenden Suizidgedanken reden kann", so Prof. Dr. Christian Haring, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP) in Wien auf der Webseite Neurologen und Psychiater im Netz.

Auch sind nicht alle Menschen, die suizidal sind, sind psychisch krank. Ursachen können schwere Lebenskrisen wie der Verlust des Arbeitsplatzes oder Partners sein, aber auch Drogen und Alkohol. Ein Teil der Betroffenen hat eine Depression, die behandelbar ist. Wer Suizidgedanken hat, möchte auch nicht zwangsläufig sterben, sondern oft einer Situation entkommen, die nicht mehr auszuhalten erscheint.

Zahl der Suizide nach Sterbemonaten 2018 bis 2020

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Wie erkennt man, dass jemand Suizid begehen will?

Die Warnsignale sind nicht immer als solche zu erkennen. Laut DGS zeigen Studien, dass Menschen viel häufiger als üblich einen Arzt aufgesucht haben, bevor sie sich selbst töteten, die Suizidgefährdung aber nicht erkannt wurde. Deutlichere Anzeichen für eine Selbstmordgefährdung sind:

  • Massiver Rückzug aus sozialen Beziehungen und der Umwelt
  • Androhung oder Ankündigung sich selbst zu töten
  • Gefühl der Wertlosigkeit
  • Starke Hoffnungslosigkeit die Zukunft betreffend
  • Aggressives Verhalten
  • Phase der "Ruhe" nach Anzeichen für einen Suizid

Wie sollten Angehörige und Freunde mit Suizidgefährdeten umgehen?

Das Wichtigste: Man kann nur suizidgefährdeten Menschen helfen, die bereit sind, sich auf eine Behandlung einzulassen. Ein erster Schritt kann sein, die Zuversicht zu vermitteln, dass es Hilfe gibt, auch wenn Betroffene anfangs abwehrend reagieren. Empfohlen wird zudem, dass man mit Suizidgefährdeten redet, ihnen zuhört und nachfragt. Man sollte aber als Angehöriger und Freund nur so weit gehen, wie man eine solche Krisensituation ertragen kann, das heißt, seine eigenen Grenzen erkennen und wenn nötig, professionelle Hilfe für Angehörige in Anspruch nehmen.

Einem Selbstmordgefährdeten kann man auch damit helfen, dass man professionelle Hilfsangeboten heraussucht und die Person zu entsprechenden Ärzten und Einrichtungen begleitet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt zudem auf Suizidprävention. Wesentlich sei es, junge Menschen gegen Stress zu stärken und suizidgefährdete Personen rechtzeitig zu identifizieren und langfristig zu betreuen. Seit 2003 macht die WHO am 10. September darauf aufmerksam, dass Suizid zu den häufigsten Todesarten zählt: Etwa 800.000 Menschen weltweit nehmen sich jährlich das Leben. Das heißt: Alle 40 Sekunden tötet sich auf der Welt ein Mensch selbst.

Suizidprävention und Suizidbeihilfe

Im Februar 2020 hat das Bundesverfassungsgericht das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Sterbehilfe gekippt und für nichtig erklärt. Vertreter des Suizidpräventionsprogramms sehen das kritisch: "Assistierter Suizid und Suizidprävention sind nicht Hand in Hand möglich". Durch dieses Urteil werde die Suizidvorbeugung erschwert. Eine weitgehende Freigabe des assistierten Suizides würde ein weiteres Suizidmittel für viele Menschen verfügbar machen.

Hier kann man sich beraten lassen

Haben Sie Suizidgedanken oder haben Sie diese bei einem Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhalten Sie rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222. Online: https://www.telefonseelsorge.de/ (Chatberatung und Mailberatung)

Weitere Hilfsangebote:

Quellen:

  • Statistisches Bundesamt
  • Nationales Suizidpräventionsprogramm (NaSPro)
  • Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS)
  • Welttag der Suizidprävention
  • Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V.
  • Deutsche Depressionshilfe

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