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Tatsächlich gibt es solche Hinweise auf FFP2-Gebrauchsanweisungen. Trotzdem schützen die Masken vor SARS-CoV-2-Viren.

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    Stimmt es, dass FFP2-Masken nicht vor Viren schützen?

    Über Whatsapp und Twitter verbreiten sich Fotos von Gebrauchsanweisungen mit dem Hinweis, dass die FFP2-Masken nicht gegen Viren schützen würden. Experten sagen: Vor SARS-CoV-2-Viren schützen die Masken dennoch. Ein #Faktenfuchs.

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    Von
    • Julia Ley

    Seit Montag, dem 18. Januar 2021 gilt in Bayern eine FFP2-Maskenpflicht beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr. Die Maßnahme ist umstritten – unter anderem deshalb, weil das RKI die FFP2-Masken im privaten Bereich eigentlich nicht empfiehlt: Aus Sorge, dass Laien sie nicht richtig handhaben können und weil etwa bei Menschen mit eingeschränkter Lungenfunktion oder älteren Personen "gesundheitliche Auswirkungen nicht auszuschließen" sind.

    Zuletzt beschäftigte viele Nutzer in sozialen Netzwerken und den BR24-Kommentarspalten jedoch auch noch eine ganz andere Frage: Kann es sein, dass die FFP2-Masken gar nicht vor Viren schützen? Das suggerieren zumindest zwei Fotos von Gebrauchsanweisungen, die derzeit viel geteilt werden. Ein entsprechender Tweet wurde mehr als 500 Mal retweetet.

    Die Behauptung: Das am meisten verbreitete Foto zeigt eine "Gebrauchsanleitung für partikelfiltrierende Halbmasken FFP1, FFP2, FFP3". Zur Erklärung: “FFP” leitet sich von dem englischen "Filtering Face Piece" ab. Auf Deutsch werden die Masken als "partikelfiltrierende Halbmasken" bezeichnet, weil sie, anders als andere Schutzmasken, nicht das ganze Gesicht bedecken. Die Ziffer 1, 2 oder 3 gibt dabei die Filterleistung der Maske an, also wie viel Prozent der Aerosolpartikel sie abhält.

    Auf dem Foto findet sich in der Gebrauchsanweisung für FFP2-Masken der Hinweis: "Nicht gegen Partikel radioaktiver Stoffe, Viren und Enzyme." Ein zweites Foto zeigt eine ähnlich lautende Einschränkung für FFP2-Masken.

    Eine Quelle für die Fotos wird von keinem der Nutzer genannt. Auf welche Hersteller sie sich beziehen, ob die Gebrauchsanweisungen aktuell, veraltet oder die Fotos womöglich gar manipuliert sind, lässt sich daher schwer nachvollziehen. In den Hinweisen anderer FFP2-Masken findet sich die Einschränkung nicht.

    Googelt man den Wortlaut der Überschrift des ersten Bildes findet sich allerdings eine Gebrauchsanweisung der Marke Uvex. Tatsächlich findet sich auch hier der Hinweis mit den Viren. Doch lässt sich daraus schließen, dass die FFP2-Masken nicht vor Viren schützen?

    Die Fakten: Die kurze Antwort: Nein. Das bestätigt auf #Faktenfuchs-Anfrage Wolf Wagner, Produktgruppenmanager der Firma UVEX, die diesen Hinweis auf ihre Gebrauchsanweisungen für FFP2-Masken druckt. Wagners Erklärung:

    "FFP2-Masken sind ursprünglich Arbeitsschutzmasken, die im Handwerk eingesetzt werden. Sie werden deshalb standardmäßig nicht darauf getestet, dass sie vor Viren wie dem SARS-CoV-2-Virus schützen. Daher übernehmen wir keine Haftung für diese Art der Nutzung." Wolf Wagner, Uvex

    Aus demselben Grund würden FFP2-Masken auch nicht etwa als "Corona-Masken" beworben. Stattdessen verweist die Firma potentielle Kunden auf unabhängige Organisationen, wie das Robert Koch-Institut und die Weltgesundheitsorganisation, die FFP2-Masken insbesondere für medizinisches Personal empfehlen, die mit Covid-19-Patienten arbeiten.

    Auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bestätigt: "Eine dicht sitzende FFP2-Maske stellt einen geeigneten Schutz vor infektiösen Aerosolen, einschließlich Viren dar."

    Um als FFP2-Maske verkauft werden zu dürfen, müssen die Masken bestimmte Partikelgrößen abhalten können

    Doch warum werden FFP2-Masken von den Herstellern nicht darauf getestet, ob sie auch Viren abhalten? Das hat mit ihrem Ursprung zu tun. FFP2-Masken sind laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eigentlich "Gegenstände der persönlichen Schutzausrüstung im Rahmen des Arbeitsschutzes". Üblicherweise werden die "Staubschutzmasken" im Handwerk eingesetzt, um den Träger vor Tröpfchen und Aerosolepartikeln zu schützen.

    Diesen Schutz bieten FFP2-Masken sowohl mechanisch als auch elektrostatisch, erklärt Caroline Schröder, Pressesprecherin des FFP-Masken-Herstellers Dräger:

    "Die mechanische Schutzwirkung basiert auf der Anordnung des Filtermaterials und dessen eigentlicher Filterleistung. Die elektrostatische Schutzwirkung kann hingegen mit der eines Staubtuchs verglichen werden: Beim Wischen von Staub haftet dieser am Tuch. So ist es auch bei FFPs – sie halten die Partikel quasi fest." Caroline Schröder, Dräger

    Weil sie eigentlich keine medizinischen Masken sind, werden FFP-Masken im Rahmen der Zertifizierung aber nicht explizit darauf geprüft, ob sie Bakterien oder Viren abhalten, erklärt ein Pressesprecher des BfArM auf #Faktenfuchs-Anfrage.

    Dennoch werden die Masken schon lange auch im medizinischen Bereich – etwa in Krankenhäusern oder in der Pflege – eingesetzt. Denn vor vielen Viren wie dem SARS-CoV-2 schützen zertifizierte FFP2-Masken sehr gut. Dass das so ist, hängt mit der Filterleistung der Masken zusammen. Um als FFP2-Maske verkauft werden zu dürfen, müssen die Masken bestimmte Partikelgrößen abhalten können. Und SARS-CoV-2 verbreitet sich nicht als einzelnes, freischwebendes Viruspartikel, sondern in Aerosolpartikeln und Tröpfchen. Und die sind mindestens so groß wie die Aerosole, auf die die Masken geprüft werden.

    Beim Kauf auf das CE-Kennzeichen achten

    Die Garantie dafür, dass eine FFP-Maske gesetzliche Anforderungen und technische Normen einhält, ist das CE-Kennzeichen. Es sollte sowohl auf der Packung als auch auf der Maske selbst zu sehen sein. Hersteller belegen damit, dass ihre Produkte einer unabhängigen Überprüfung standgehalten haben.

    Für FFP2-Masken gilt die europäische Norm EN 149:2001+A1:2009. Dabei wird insbesondere die Filterleistung geprüft. FFP2-Masken müssen mindestens 94 Prozent der zwei Testaerosole Natriumchlorid und Parrafinöl abhalten. In Bezug auf SARS-CoV-2 ist vor allem Natriumchlorid relevant. Und das muss während der Prüfung laut der Norm in einer Verteilung von 0,02 bis 2 Mikrometer (μm) vorliegen.

    Wissenschaftler der FH Münster haben in der folgenden Grafik anschaulich dargestellt, wie groß SARS-CoV-2-Partikel üblicherweise sind – und mit welchen Partikelgrößen die Masken getestet werden.

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    Die Grafik zeigt die Größe von Sars-Cov-2-Aerosolen im Vergleich zu den Aerosolpartikeln, auf die FFP2-Masken getestet werden.

    Ein einzelnes SARS-CoV-2-Virus hat laut dem RKI einen Durchmesser von 0,08-0,14 Mikrometer (μm). Einzelne Viruspartikel spielen bei der Übertragung von SARS-CoV-2 aber wie gesagt keine Rolle. Denn das Virus verlässt den Körper in Form von Aerosolepartikeln. Und diese Partikel sind deutlich größer als das Virus selbst, wie Stephan Ludwig, Leiter des Instituts für Molekulare Virologie an der Uni Münster, dem #Faktenfuchs erklärt.

    Auch der Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bestätigt:

    "Auch wenn im Rahmen der Norm keine unmittelbare Prüfung mit Viren vorgesehen ist, kann man anhand der Partikelfilterleitung auf das fast vollständige Abfangen virusbeladener Aerosole durch CE-gekennzeichnete FFP2-Masken und damit auf die entsprechende Infektionsschutzwirkung rückschließen." Sprecher BfArM

    Und wenn doch mal ein Aerosol durchrutscht?

    Wer skeptisch ist, mag einwenden, dass selbst zertifizierte FFP2-Masken nicht 100 Prozent der Partikel abhalten – sondern eben nur 94 Prozent. Das stimmt. Grund zur Sorge ist es aber nicht: Denn weniger Aerosole bedeuten eben auch: weniger Viruspartikel. Und sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren, brauche es mehr als nur ein, zwei Viren, erklärt Stephan Ludwig, Leiter des Instituts für Molekulare Virologie an der Uni Münster. Wie viel genau, lasse sich derzeit noch nicht beziffern: "Aber das ist schon eine ganz schöne Ladung."

    Update: 02.02.2021 Auf eine ähnliche Kritik weist Maximilian Weiss, Geschäftsführer der Palas GmbH, Spezialist für Partikelmesstechnik, den #Faktenfuchs kurz nach der Erstveröffentlichung dieses Artikels hin. Eigentlich dürften FFP2-Masken nach der Norm EN149 nur sechs Prozent aller Partikel in einem bestimmten Größenbereich durchlassen. "Von den mehr als 400 in den letzten drei Monaten von uns geprüften Masken haben aber 80 Prozent dieser Vorgabe für kleinste Aerosolpartikeln nicht genügt", so Weiss in einer Pressemitteilung.

    Das Problem: Eben weil die Norm EN 149 eigentlich nicht für den Virenschutz ausgelegt ist, misst sie nur die Gesamtmasse der durchgelassenen Prüfaerosole. Darüber, wie viele Aerosolpartikel welcher Größe durchgelassen werden, sagt die Normprüfung nichts aus. So kann es passieren, dass zwar weniger als sechs Prozent durchgehen – darunter aber sehr viele kleine Partikel sind, die wenig wiegen.

    Das, so Weiss, sei problematisch, weil SARS-CoV-2-Infizierte besonders viele kleine Aerosolpartikel ausatmeten. Eine von ihm erstellte Grafik veranschaulicht das. Der obere Teil der Grafik zeigt die Prozentzahl der Partikel (y-Achse), die 12 verschiedene FFP2-Masken je nach Partikelgröße (x-Achse) durchlassen. Gerade im Bereich sehr kleiner Partikel, zwischen 0,15 und 0,3 Mikrometer, sind das deutlich mehr als sechs Prozent. Wie aus dem unteren Teil der Grafik hervorgeht, ist das genau der Größenbereich, in dem viele Covid-19-Patienten besonders viele Aerosolpartikel ausatmen.

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    Die Grafik zeigt, wie viel Prozent der Partikel einer bestimmten Größe FFP2-Masken abhalten - und welche Partikelgrößen Menschen ausatmen.

    Dass Masken Aerosolpartikel in diesem Größenbereich häufig am schlechtesten filtern, bestätigt auch der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach. In einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier der Gesellschaft heißt es allgemein zu Luftfiltern: Je nachdem welcher Filter verwendet wird und wie schnell die Luft strömt, liege das Minimum der Filterleistung "typischerweise zwischen 0,1 µm und 0,3 Mikrometer" - also in dem Bereich, in dem auch bei Weiss‘ Messungen oft mehr Partikel durchgelassen wurden als laut Norm erlaubt.

    Doch wie gefährlich sind diese kleinen Partikel im Bereich von 0,1 bis 0,3 Mikrometern? Wie viele Viren enthalten sie und welche Rolle spielen sie bei der Übertragung von SARS-Cov-2? Genau diese Frage können Wissenschaftler bisher nicht eindeutig beantworten, wie Professor Martin Kriegel, Experte für Aerosole an der TU Berlin, in einem Gastbeitrag für das Ärzteblatt im Dezember 2020 schrieb.

    Welches Infektionsrisiko von Aerosolen ausgeht, hänge von vielen Faktoren ab:

    • Der Anzahl und Größenverteilung der abgegebenen Aerosolpartikel bei verschiedenen Aktivitäten;
    • Der Viruslast im Aerosol;
    • Der kritischen Virendosis, die es braucht, um sich zu infizieren;
    • Der Ausbreitung der Viren im Raum.

    Grundsätzlich gilt: Größere Tröpfchen ab einem Durchmesser von einigen Mikrometern sind schwerer und sinken deshalb schnell zu Boden. Sie gelten daher als weniger gefährlich, zumal sie von Masken normalerweise gut abgefangen werden. Kleinere Aerosole hingegen können mehrere Stunden lang in der Luft schweben und sich über die Luftströmung gut verbreiten. Je nach Luftfeuchtigkeit kann es allerdings auch passieren, dass Tröpfchen austrocknen und innerhalb von Sekundenbruchteilen so stark zusammenschrumpfen, dass sie quasi zu kleinen Aerosolen werden ohne dass das Virus deswegen inaktiv wird.

    Kleinere Aerosolpartikel können tiefer in die Lunge eindringen und könnten daher infektiöser sein. Zugleich gehen Wissenschaftler aber auch davon aus, dass kleinere Aerosolpartikel weniger Virus in sich tragen. Wie viel genau, ist unklar. Aufgrund von bekannten Ausbrüchen geht man auch davon aus, dass es auch Aerosolpartikel gibt, auf denen sich gar kein Virus befindet.

    Was man ebenfalls nicht weiß: Wie viel Virus ein Mensch einatmen muss, um sich zu infizieren. Der Virologe Andreas Bergthaler vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) in Wien hat im Oktober 2020 die Zahl von 500 Viren in den Raum gestellt. Im Vergleich zu anderen Viruserkrankungen wäre diese Zahl recht hoch. Beim HI-Virus etwa reicht schon ein einziges Virus für eine Ansteckung.

    Aufgrund all dieser Unsicherheiten ist die Frage, wie gefährlich kleine Aerosolpartikel sind, bisher nicht eindeutig zu beantworten. Die meisten Wissenschaftler, die der #Faktenfuchs dazu befragt hat, sehen das von Weiss angesprochene Risiko aber eher gelassen: Letztlich biete keine Maske einen 100-prozentigen Schutz. Jede Maske reduziert aber die mögliche Anzahl von Viren, mit denen wir in Kontakt kommen. FFP2-Masken tun das, bei richtiger Handhabung, effektiver als andere Masken.

    Und auch der Kritiker Weiss gesteht zu: Gerade Masken von deutschen Herstellern hätten bei seinen Messungen im Bereich kleiner Partikel sehr gut abgeschnitten: "Weil die einfach ein gutes Qualitätsmanagement machen." Es gebe aber auch sehr gute Masken aus dem Ausland.

    Ein viel größeres Problem als das der mangelnden Filterleistung im Bereich kleiner Partikel sieht Aerosolexperte Ansbach ohnehin in einem anderen Bereich: Viele Masken würden nicht eng genug anliegen – etwa, weil sie zu groß sind oder Männer sie über dem Bart tragen: "Wenn die FFP2 nicht sauber abschließt, ist sie nicht wirksamer als eine einfache Maske."

    Fazit: Dass FFP2-Masken nicht vor Viren schützen, ist falsch. Denn um als FFP2-Maske verkauft werden zu dürfen, müssen die Masken bestimmte technische Anforderungen erfüllen. Die für FFP2-Masken geltende Norm sieht vor, dass die Masken 94 Prozent zweier verschiedener Testaerosole abhalten müssen. Die Testaerosole sind teilweise deutlich kleiner als die Aerosolpartikel, in denen SARS-CoV-2 sich verbreitet.

    Allerdings weisen Experten auch darauf hin, dass es einen Größenbereich gibt, in dem viele Masken mehr Partikel durchlassen als die sechs Prozent, die laut Norm erlaubt sind: zwischen 0,1 und 0,3 Mikrometer. Mehr als die Hälfte der Aerosolpartikel, die Menschen beim Atmen exhalieren, liegt Studien zufolge in diesem Größenbereich.

    Doch selbst wenn einzelne Aerosolpartikel den Maskenstoff passieren können: Bisher ist unklar, welche Rolle Partikel dieser Größenordnung bei der Übertragung spielen. Einerseits bleiben kleinere Aerosolpartikel länger in der Luft und können tiefer in die Lunge eindringen, andererseits gehen Wissenschaftler davon aus, dass sie auch weniger Viren mit sich führen.

    100-prozentigen Schutz bietet keine Maske. Gerade deutsche Hersteller schnitten bei Messungen aber meist sehr gut ab, sagt Maximilian Weiss, Experte für Aerosol-Messgeräte. Christof Ansbach, Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, sieht das größere Problem in der richtigen Nutzung von FFP2-Masken. Diese seien oft zu groß oder zu klein oder würden von Männern über dem Bart getragen.

    Dass manche Hersteller auf ihrer Gebrauchsanweisung explizit darauf hinweisen, dass die Maske nicht vor Viren schützt, hängt mit Haftungsfragen zusammen. Da FFP2-Masken ursprünglich keine medizinischen Masken sind, werden sie im Rahmen der Herstellung nicht explizit darauf geprüft, wie gut sie Viren und Bakterien abhalten.