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Rekonstruktion - So sah der Denisova-Mensch aus | BR24

© Bayerischer Rundfunk / IQ-Wissenschaft und Forschung

Ein Gesicht für den Denisova-Menschen

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Rekonstruktion - So sah der Denisova-Mensch aus

Der moderne Mensch und der Neandertaler haben sich miteinander vergnügt. Beide hatten es auch sehr nett mit dem Denisova-Menschen. Mittels eines Erbgut-Vergleichs der drei konnten Forscher erstmals das Aussehen des Denisova-Menschen rekonstruieren.

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Das Erbgut stammt aus den wenigen Überresten, die bislang von Denisova-Menschen gefunden wurden: Unterkiefer, ein paar Zähne und das Fragment eines Fingerknochens. Forscher der Hebräischen Universität in Jerusalem verglichen nun spezifische Veränderungen des DNA-Strangs von Mensch, Neandertaler und Denisova-Mensch, ein Verfahren das DNA-Methylierung genannt wird.

Sie entdeckten 56 anatomische Eigenheiten des Denisova-Menschen. 34 davon standen in Zusammenhang mit dem Schädel: So hatte der Denisova-Mensch wie der Neandertaler ein hervorstehendes Gesicht sowie ein breites Becken. Eine Eigenheit dieser Menschengruppe sind dagegen ein verlängerter Zahnbogen und ein breiteres Gesicht als es Homo sapiens und der Neandertaler hatten. Die Studie wurde am 19. September 2019 im Fachmagazin "Cell" veröffentlicht.

© Maayan Harel/dpa

Rekonstruktion eines Denisova-Mädchens

Wie sich Homo sapiens und Denisova-Mensch begegneten

Der Denisova-Mensch ist ein entfernter Verwandter des Neandertalers. Der Familienstammbaum verzweigte sich vor etwa 400.000 Jahren. Der Neandertaler siedelte sich in Europa und Westasien an, der Denisova-Mensch in Ostasien. Vor rund 50.000 Jahren kreuzten sich dann die Wege von Denisova-Mensch und Homo sapiens, als der moderne Mensch von Afrika nach Papua-Neuguinea und Australien unterwegs war. Sowohl der Denisova-Mensch, als auch der Neandertaler haben Spuren in unserem Erbgut hinterlassen.

Der Denisova-Mensch hat unser Immunsystem verbessert

Der Denisova-Mensch hat dem modernen Menschen eine Genvariante vermacht, die die Immunabwehr ankurbelt. Das haben australische Forscher herausgefunden. Die Genvariante mit dem Namen "I207L" verstärkt die Immunreaktion und die Reaktion auf Entzündungen. Menschen, die dieses Gen besitzen, sind besser vor krankheitserregenden Mikroben geschützt. Die Gen-Variante ist besonders in Ozeanien verbreitet und unter indigenen Bevölkerungen, die australische, melanesische, Maori und polynesische Vorfahren haben. Heutzutage haben Einheimische aus Papua-Neuguinea noch bis zu fünf Prozent des Erbguts von Denisova-Menschen. Die Studie wurde am 18. September 2019 im Fachmagazin "Nature Immunology" veröffentlicht.

Denisova-Spuren in Tibet

Spuren des Denisova-Menschen wurden auch im tibetischen Hochland entdeckt. Und im Erbgut der heutigen Menschen in Tibet. So tragen Menschen im Himalaya eine spezielle Gen-Ausprägung in ihrer DNA, die vom Denisova-Menschen stammt. Durch diese konnten sich Menschen in Tibet an ihren extremen Lebensraum in großer Höhe mit dünner sauerstoffarmer Luft anpassen. In der Frühzeit der Menschwerdung gab es zahlreiche Menschenarten: Neben dem Homo sapiens, dem Denisova-Menschen und dem Neandertaler gab es auch noch den Homo luzonensis, Homo naledi, Homo floresiensis, Homo habilis und den Homo erectus.