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Plastikschlucker: Mikroplastik in Mantarochen und Walhaien | BR24

© dpa-Bildfunk/Elitza Germanov

Mikroplastik belastet Mantarochen

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Plastikschlucker: Mikroplastik in Mantarochen und Walhaien

Mantarochen und Walhaie gehören zu den größten Tieren in den Weltmeeren. Bei der Nahrungsaufnahme strömen ihnen auch Unmengen von Plastikmüll in den Schlund. Besonders problematisch dabei sei das Mikroplastik, meinen Forscher.

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Der Plastikmüll in den Weltmeeren belastet auch so riesige Tiere wie Mantarochen, die mehrere Meter Spannweite haben können, und die zehn Meter und mehr langen Walhaie. Denn sie filterten täglich hunderte bis tausende Kubikmeter Meerwasser und nehmen bei der Nahrungsaufnahme auch Plastik auf, wenn sie durch verunreinigtes Plankton schwimmen - auch sogenanntes Mikroplastik. Wissenschaftler stellten fest, dass sich die kleinen Plastikteilchen im Verdauungstrakt der Tiere sammeln - mit noch weitgehend unklaren Langzeitfolgen.

💡 Was ist Mikroplastik?

Als Mikroplastik werden kleinste Plastikpartikel und -fasern – feste und unlösliche Kunststoffe – bezeichnet, die in Länge, Breite und Durchmesser zwischen wenigen Mikrometern bis unter fünf Millimeter liegen. Es wird unterteilt in primäres Mikroplastik wie sogenannte Basispellets, das Grundmaterial für die Plastikproduktion und Kunststoffe in der Kosmetik sowie in sekundäres Mikroplastik, das beim Zerfallen größerer Plastikteile entsteht. (Erklärt von Anja Bühling, BR24-Wissen)

© dpa-Bildfunk/Elitza Germanov

Mikroplastikteilchen

Wissenschaftler errechnen Plastikanteil im Magen

Die Forscher um Elitza Germanov von der Murdoch-Universität in Perth (Australien) hatten das Wasser vor Nusa Penida auf Bali sowie im Komodo-Nationalpark und in der östlichen Java-See untersucht. Aus der Partikelzahl in den Proben errechneten sie die wahrscheinliche Aufnahme über das von den Tieren filtrierte Wasser. Demnach landen im Magen eines Riffmantas pro Stunde bis zu etwa 60 Plastikpartikel. Bei Walhaien könnten es sogar mehr als doppelt so viele sein, heißt es im Fachmagazin "Frontiers in Marina Science". Der Inselstaat Indonesien mit seinen mehr als 265 Millionen Einwohnern ist einer der größten Plastikmüll-Produzenten der Welt.

Traurige Bilanz: tote Tiere durch Plastikmüll

Aber nicht nur Mantarochen und Walhaie sind Opfer von Plastikmüll. In diesem Jahr waren vor allem verendete Pottwale und Cuvier-Schnabelwale in den Schlagzeilen. Vor der Küste Sardiniens zum Beispiel wurde Anfang April 2019 ein toter Pottwal angeschwemmt, der mehr als zwanzig Kilogramm Plastik im Magen hatte. Mitte März 2019 strandete ein junger Cuvier-Schnabelwal auf den Philippinen - er hatte sogar vierzig Kilogramm Plastikmüll verschlungen. Ende 2018 wurden knapp sechs Kilogramm Plastik, darunter 115 Becher, 25 Tüten und mehr als 1.000 weitere Plastikteile, in einem in Indonesien angespültem Pottwal entdeckt. 2017 stießen norwegische Forscher auf rund dreißig Plastiktüten im Bauch eines Cuvier-Schnabelwals.

© Christoph Noever/Universität Bergen/dpa

Plastiktüten im Walmagen

Plastik nicht nur im Magen nachweisbar

Plastikteile wurden aber auch im Kot und im Erbrochenen von Mantarochen gefunden. Größere Teile können die Nährstoffaufnahme blockieren und den Verdauungstrakt beschädigen, wie die Forscher vermuten. Stoffe aus den Teilen können sich im Gewebe ansammeln, den Hormonhaushalt der Tiere verändern und ihren Stoffwechsel, ihr Wachstum und ihre Fortpflanzung beeinflussen, heißt es in der Studie zudem.

Tausende Mikroplastik-Partikel täglich

Direkte Analysen des aufgenommenen Plastiks im Magen und Darm seien bei bedrohten Tierarten wie Mantarochen und Walhai kaum möglich, erläuterte Mitautor Neil Loneragan von der Murdoch-Universität. Studien bei Bartenwalen hätten zuvor bereits gezeigt, dass diese wohl tausende Mikroplastik-Partikel täglich schlucken. An der aktuellen Untersuchung war neben mehreren Universitäten auch die Stiftung Marine Megafauna Foundation beteiligt.

© dpa-Bildfunk/Elitza Germanov

Mikroplastik belastet Mantarochen

Tipps zum Vermeiden von Plastikmüll

  • Meiden Sie Produkte aus Plastik generell. Nutzen Sie die, die Sie besitzen, so oft es geht. Verzichten sie auf Plastikverpackungen, billige Wegwerfartikel und Einwegprodukte aus Plastik. #fragBR24 erklärt, welche Alternative die beste zur Plastiktüte ist.
  • Setzen Sie auf Mehrwegverpackungen.
  • Lassen Sie die kostenlosen Tüten für Obst und Gemüse im Supermarkt.
  • Verzichten Sie auf To-Go-Kaffeebecher samt Plastikdeckel. Besorgen Sie sich einen eigenen Becher, den Sie immer wieder verwenden können.
  • Hinterfragen Sie Produkte Ihres täglichen Bedarfs: Mittlerweile gibt es zum Beispiel Shampoos, Duschgele und Bodylotions in fester Form. Sie kommen ohne Verpackung aus.
  • Ersetzen Sie Kosmetikprodukte wie Peelings oder Zahnpasta, die Mikroplastik enthalten, durch natürliche Alternativen.
  • Trennen Sie Ihren Müll, das erleichtert die Sortierung und das Recycling.
  • Weitere Tipps finden Sie hier.
© picture-alliance/dpa

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