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Neuschwanstein - 150 Jahre Traumschloss des Märchenkönigs | BR24

© picture alliance / imageBROKER

Hoch über dem Forggensee thront Schloss Neuschwanstein.

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    Neuschwanstein - 150 Jahre Traumschloss des Märchenkönigs

    Schloss Neuschwanstein zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Rund 1,5 Millionen Menschen besuchten allein im Jahr 2018 das "Märchenschloss" von König Ludwig II. Am 5. September 1869 war Grundsteinlegung für das Bauwerk.

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    Der Ort, an dem heute Schloss Neuschwanstein steht, war dem späteren König Ludwig II. schon als Kronprinz vertraut. In seiner Kindheit verbrachte die königliche Familie viel Zeit in Schloss Hohenschwangau bei Füssen im Allgäu. Oberhalb von Hohenschwangau lag eine Ruine, die Ludwig bei Wanderungen besuchte. Im Jahr 1864 wurde er nach dem plötzlichen Tod seines Vaters König von Bayern. Nun konnte er sich als Bauherr betätigen.

    "Ich habe die Absicht, die alte Burgruine Hohenschwangau bei der Pöllatschlucht neu aufbauen zu lassen im echten Styl der alten deutschen Ritterburgen, und muss Ihnen gestehen, dass ich mich sehr darauf freue, dort einst (in 3 Jahren) zu hausen" Ludwig II. im Mai 1868 in einem Brief an Richard Wagner

    Die Opern Richard Wagners und deren Bühnenbilder waren eine wichtige Inspirationsquelle für die Entwürfe von Schloss Neuschwanstein. Auch die Wartburg bei Eisenach, deren Wiederaufbau Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen hatte, war ein Vorbild. Wie diese sollte Schloss Neuschwanstein einer Burg aus dem Mittelalter gleichen, oder eher einer romantisierenden Vorstellung davon. Mit seinem Bauprojekt war Ludwig nicht allein. Die Hohenzollern zum Beispiel hatten ihre Stammburg bei Bisingen in neugotischem Stil wiederherstellen lassen, Queen Victoria in Schottland den Bau von Balmoral Castle in einem ähnlichen Stil veranlasst. Im Gegensatz zu diesen Schlössern sollte Neuschwanstein aber nur eine einzige Person beherbergen: König Ludwig II. von Bayern.

    Moderne Technik im Märchenschloss

    Ludwig II. ließ Neuschwanstein komplett nach seinen Vorstellungen errichten und bestimmte bei vielen Details persönlich mit. Von außen sollte Neuschwanstein einem mittelalterlichen Traumschloss gleichen. Verwirklicht wurde der Bau jedoch nach dem damals aktuellen Stand der Technik. Das Mauerwerk besteht aus Ziegeln, der helle Kalkstein ist nur Fassade. Die Säulen im großen Thronsaal wirken, als wären sie aus massivem Marmor. Tatsächlich bestehen sie aus gusseisernen Rohren, die mit Stuck verkleidet sind. Gestützt wird der Thronsaal von Stahlträgern. Oben in der Kuppel sichert ein Eisengerüst die Stabilität.

    Zentralheizung und fließendes Warmwasser

    Moderne Technik sorgte in Neuschwanstein zudem für deutlich mehr Komfort als auf einer mittelalterlichen Burg: Statt offener Kamine gab es dort eine moderne Heißluft-Zentralheizung. Ein Speiseaufzug transportierte die Speisen von der Küche zum König, ohne dass sie kalt wurden. In allen Stockwerken gab es fließendes Wasser, in der Küche sogar warmes und kaltes. Die Toiletten hatten automatische Spülungen. Diener konnte Ludwig mit einer elektrischen Rufanlage herbeizitieren. Und die Fensterscheiben waren für die damalige Zeit ungewöhnlich groß.

    Ruinöse Baukosten

    Der Bau von Neuschwanstein verschlang viel Geld. Das Gleiche galt für die Schlösser Linderhof und Herrenchiemsee. Ludwig II. nahm Kredite auf, konnte aber trotzdem viele der von ihm beauftragten Handwerker nicht bezahlen. Im April 1884 wagten es 19 Betroffene, nach jahrelangem Warten "allerunterthänigst" eine Eingabe an den König zu senden. Der Finanzminister von Bayern beschaffte daraufhin 7,5 Millionen Mark, und Ludwig II. konnte einen Teil der Rechnungen begleichen. Doch auch diese Summe war bald aufgebraucht.

    Letzter Ort in Freiheit

    Der menschenscheue Ludwig II. wollte sich vor der Welt nach Neuschwanstein zurückziehen. Gesehen hat er das Schloss nur als Baustelle. Auf Schloss Neuschwanstein befand er sich auch 1886, als ihn die bayerische Regierung wegen angeblicher Geisteskrankheit für unmündig erklärte und absetzte. Von dort wurde Ludwig am 12. Juni 1886 nach Schloss Berg am Starnberger See gebracht, wo er am darauffolgenden Abend unter mysteriösen Umständen den Tod fand.

    Traumschloss wird Touristenattraktion

    Sieben Wochen nach dem Tod Ludwigs II. wurde Schloss Neuschwanstein für Besucher geöffnet. Seine Untertanen sollten sehen, wofür er Unsummen verschwendet hatte. Doch diese reagierten begeistert, so wie die Touristen, die bis heute zu der weltbekannten Sehenswürdigkeit strömen.

    Vom 2. bis 9. September 2019 widmet sich der Bayerische Rundfunk unter dem Motto "Neuschwanstein - Schloss der Träume" dem Märchenschloss von König Ludwig II. und seinem Jubiläum. Alle Sendungen in Fernsehen und Hörfunk sowie viele Informationen zu Schloss Neuschwanstein unter: www.br.de/neuschwanstein