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Medizin-Nobelpreis: Wie das Hepatitis-C-Virus entdeckt wurde | BR24

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Wie macht man einen Krankheitserreger ausfindig? Die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus ist ein Forschungskrimi. Drei Forscher, die daran beteiligt waren, bekommen 2020 den Nobelpreis dafür.

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Medizin-Nobelpreis: Wie das Hepatitis-C-Virus entdeckt wurde

Wie macht man einen Krankheitserreger ausfindig? Das ist nicht nur während der Coronapandemie eine wichtige Frage für die Medizin. Auch die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus hat die Welt verändert. Dafür wurde nun der Nobelpreis vergeben.

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Ein Nobelpreis für die Entdeckung eines Virus, das passt eigentlich gut in die momentane Lage. Das Virus, um das es sich dreht, ist das Hepatitis-C-Virus, das sich über infiziertes Blut oder sexuellen Kontakt verbreitet. Ausgezeichnet wurden die drei Wissenschaftler Harvey J. Alter, Michael Houghton und Charles M. Rice, deren Forschungen zur Entdeckung des Hepatitis-C-Virus ausschlaggebend waren.

Das Virus führt zur Entzündung der Leber, Hepatitis, die chronisch werden kann und unbehandelt in einer Leberzirrhose mündet. Sie kann auch innerhalb von 10 bis 30 Jahren Leberkrebs auslösen. Weltweit sind 70 Millionen Menschen chronisch an Hepatitis-C-Infektionen erkrankt, 400.000 Menschen sterben jedes Jahr daran und es lässt sich in seiner Gefährlichkeit damit mit HIV- und Tuberkulose-Infektionen vergleichen.

Unbekannter Erreger für Lebererkrankung

Die diesjährigen Nobelpreisträger konnten zeigen, wie medizinische Forschung über viele Jahre hinweg und über viele Umwege zu einem bahnbrechenden Ergebnis führen kann. Und wie diese Forschung langfristig Millionen Menschen das Leben rettet.

Schon in den 1960er Jahren wurde das Hepatitis-B-Virus entdeckt, dafür erhielt im Jahr 1976 Baruch Blumberg den Medizinnobelpreis. Schnell wurden Tests, Medikamente und eine Impfung entwickelt. Doch in der Praxis war bald klar: Die Fallzahlen gingen zwar zurück, doch immer noch entwickelte eine große Anzahl der Menschen, die Bluttransfusionen bekamen, Hepatitis. Es musste einen Erreger geben, den die Medizinerinnen und Mediziner übersehen hatten, oder wie ein Mitglied des Nobelpreiskomitees heute sagte: "Eine Bluttransfusion war wie Russisch Roulette."

Einer der Nobelpreisträger des Jahres 2020, Harvey J. Alter, arbeitete zu diesem Zeitpunkt beim US-amerikanischen National Institute of Health (NIH). Alter und seine Kollegen konnten in Versuchen zeigen, dass das Blut der an Hepatitis-Erkrankten auch Schimpansen infizieren konnte – es war also ansteckend. Die geheimnisvolle Krankheit bekam dann den Namen: "non-A, non-B" Hepatitis. Und es lag nahe anzunehmen, dass es sich um ein Virus handeln könnte.

Hepatitis-C-Virus identifiziert

Es ging nun darum, den Erreger zu bestimmen. Hier kommt der zweite Forscher ins Spiel, Michael Houghton, ein Mitarbeiter der Pharmafirma Chiron. Mit allen bis dahin bekannten Nachweismethoden konnte das neue Virus nicht ausfindig gemacht werden. Houghton und sein Team machten sich auf eine aufwändige Spurensuche, der Durchbruch kam 1989.

Zunächst untersuchten sie DNA-Teile aus dem Blut eines der infizierten Schimpansen. Die meisten DNA-Teile stammten vom Erbgut des Schimpansen, aber die Forscher schlossen, dass der übrige Teil vom Virus stammen müsste.

Die nächste Annahme: Im Blut von menschlichen Patienten mit Hepatitis müssten sich doch Antikörper finden lassen. Diese sind Bestandteile des Immunsystems, die an die Viren andocken, um sie so zu bekämpfen. So könnte man, wenn die Theorie stimmte, die gesuchten Virenbestandteile "markieren". Eine bis dahin völlig ungetestete Nachweismethode.

Der Mut der Forscher lohnte sich: Sie fanden einen einzigen Klon des Virus und konnten so eine Erbgutanalyse durchführen. Es gehörte zur Gruppe der "Flaviviren", die, ebenso wie etwa das Gelbfieber- und das Zika-Virus, zu den RNA-Virus gehören. Auch das SARS-Cov-2-Virus ist im Übrigen ein RNA-Virus. Houghton und sein Team gaben dem neuen Erreger den Namen: Hepatitis-C-Virus. Später konnten sie auch einen Bluttest gegen das Virus entwickeln und so Blutkonserven weltweit sicher machen.

Neues Virus ist auch der gesuchte Erreger

Doch nur ein neues Virus zu finden, reichte nicht. Es musste auch überzeugend geklärt sein, dass es die Krankheit tatsächlich auslöst. Der dritte Schritt in der Entdeckung des Hepatitis-C-Virus kam von Charles M. Rice, einem Wissenschaftler der Washington University in St. Louis. Er und sein Team entdeckten, dass nicht alle Hepatitis-C-Viren, die sie in Blutproben fanden, sich vermehren konnten.

Mittels Gentechnik veränderten sie diese inaktiven Viren in aktive – und infizierten damit Schimpansen. Die entwickelten eine Hepatitis. Damit war bewiesen: Das Hepatitis-C-Virus ist der alleinige Infektionsherd für diese Art der Leberentzündung.

Bekämpfung des Hepatitis-C-Virus

Die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus war die Grundlage dafür, dass wir heute Patienten und Bluttransfusionen auf das Virus testen können und dass wirksame Medikamente entwickelt werden konnten. Erstmals in der Geschichte der Menschheit kann eine Infektion mit Hepatitis-C-Viren geheilt werden.

Eine Hepatitis-C-Erkrankung verläuft anfangs meist unauffällig und ohne Beschwerden. Gut 25 Prozent der Erkrankungen heilen von selbst wieder aus, der Rest allerdings kann chronisch werden. Die Beschwerden, die die Patienten im Laufe der Zeit bekommen, sind grippeähnlich. Die Erkrankten leiden an chronischer Mattigkeit, Bauchbeschwerden, Gelenk- und Nierenentzündungen.

Diese Symptome werden allerdings anfangs oftmals nicht mit Hepatitis-C in Zusammenhang gebracht. So kann die Erkrankung unbemerkt voranschreiten und zu einer Leberzirrhose oder einem Leberkarzinom führen.

Nobelpreiswoche

Am Dienstag, den 6.10, wird ab 11:45 Uhr bekannt gegeben, wer den Physiknobelpreis erhält. Danach kommt Chemie, Literatur und der Friedensnobelpreis am Freitag. Am Montag wird der "Wirtschaftsnobelpreis" bekannt gegeben, der aber streng genommen kein Nobelpreis ist.

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Den Medizin-Nobelpreis 2020 erhalten drei Forscher für die Entdeckung des Hepatitis C-Virus. Das gab die Nobelversammlung am Karolinska-Institut heute bekannt.

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Was ist Hepatitis-C?

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