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Kommt nach dem Urlaub die Corona-Trennungswelle? | BR24

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Beziehungsprobleme: Das Aufeinandersitzen im Lockdown kann für Paare zur Herausforderung werden.

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Kommt nach dem Urlaub die Corona-Trennungswelle?

Viele Paare haben in der Zeit der strengen Ausgangssperren gemerkt, dass es in der Beziehung kriselt. Aber droht deswegen eine Scheidungswelle im Herbst? Experten sind sich da uneins.

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Statistisch lässt sich das nicht belegen, doch laut einer dpa-Recherche könnte der Corona-Shutdown eine Scheidungswelle nach sich ziehen. Zu den Experten, die mit einer erhöhten Zahl an Trennungen rechnen, gehört der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger.

"Während der Hochphase von Corona gab es durch die Zwangsnähe eine radikale Belastung für Beziehungen. Viele werden gedacht haben: Ich gebe der Beziehung im Urlaub noch einmal eine Chance. Doch so kommt man von einer Zwangsnähe in die andere."

Wegen Corona halten sich Scheidungsanwälte angeblich Termine frei

Die befürchtete Trennungswelle könne bis zu fünfmal höher ausfallen als dies nach der Urlaubszeit normalerweise der Fall ist, so Krüger. Gehe man von etwa 100.000 Trennungen nach den Sommerferien aus, würde dies bedeuten, dass einer halben Million Paaren das Aus droht. Es gäbe Scheidungsanwälte, die sich schon Termine frei hielten, sagt Michael Krüger.

Jürgen Wolf vom "Evangelischen Beratungszentrum München e. V." (ebz) kann diese Prognose nicht bestätigen. Der systemische Therapeut leitet mehrere Beratungsstellen. Dass in den letzten Wochen und Monaten die Zahl der Anfragen exponentiell angestiegen wären, hat er nicht festgestellt. Das bedeute zwar nicht, dass die Menschen keine Probleme in der Beziehung hätten. Die Frage sei, wie sie damit umgehen.

"Es gibt drei Strategien, mit Krisen umzugehen: Angriff, Flucht oder Erstarrung. Angriff kam während des Corona-Shutdowns nicht infrage, das hätte permanenten Streit bedeutet. Flucht auch nicht, da ja niemand rausdurfte. Also blieb die Erstarrung."

In vielen Beziehungen und Familien hat Jürgen Wolf diese Erstarrung beobachten können. Erstarrung führt zum Verharren in einem ungelösten Konflikt, zu einem Gefühl des Ausgeliefertseins, zu einem Überlebensmodus. Kein Zustand also, in dem man entschlossen zum Hörer greift, um einen Termin beim Scheidungsanwalt auszumachen. Jürgen Wolf hält deswegen auch nichts von der kursierenden Corona-Baby-Boom-Theorie.

"Ich glaube nicht, dass es im Corona-Jahr eine viel höhere Geburtenrate geben wird als sonst, denn es gibt kaum etwas, was die Erotik weniger fördert, als das unfreiwillige aneinander kleben."

Durch erneuten Lockdown könnte die Zahl der Trennungen steigen

Mit der Lockerung des Shutdowns sei es wieder möglich, verstärkt eigene Wege zu gehen. Bevor sie sich trennen, ziehen viele Paare es vor "ein Parallelleben zu führen", wie Jürgen Wolf das nennt. Das heißt nicht unbedingt, dass man fremd geht. Man macht wieder mehr Sport, geht seinen Hobbies nach, trifft Freunde und lebt eben auch ein unabhängiges Leben als Ausgleich zur Paarbeziehung.

Mehr Freiheit führt dazu, dass sich Spannungen besser regulieren lassen, so Familientherapeut Jürgen Wolf. Entscheidend sei, ob es in der nächsten Zeit noch mal zu einem Lockdown kommt. Wenn die Maßnahmen ähnlich restriktiv oder noch schärfer ausfallen als im Frühjahr, dann könnte es schon sein, dass sich mehr Paare trennen als sonst.

Paarberatungen

Wer Hilfe braucht, kann sich zum Beispiel an diese Beratungsstellen wenden:

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Viele unverheiratete Paare leiden unter Trennungsschmerz und wehren sich gegen die Reisebeschränkungen. Die Twitter-Kampagne #loveisnotourism macht darauf aufmerksam und bietet Betroffenen eine Austauschplattform.

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