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Karneval oder Fasching: Verkleiden wirkt positiv auf die Psyche | BR24

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Fasching ohne Kostüm? Undenkbar! Die närrische Zeit über verwandeln wir uns in Superhelden, Prinzessinnen und Clowns. Und so ein Kostüm verändert uns nicht nur optisch - es befreit uns. Planet Wissen schaut hinter die Maske.

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Karneval oder Fasching: Verkleiden wirkt positiv auf die Psyche

Einmal im Jahr ein anderer sein – im Fasching bietet sich diese Möglichkeit. Das kann durchaus positive Effekte für die Psyche haben. Denn unsere anarchische, wilde, freiheitsliebende Seite müssen wir im Alltag immer unterdrücken.

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Karneval, Fasching oder Fastnacht markiert das Ende des Winters und ist in der kulturellen Tradition verankert. Wesen des Festes ist es auch, sich zu verkleiden, damit die Identität zu wechseln und ausgelassen zu feiern. Aber welche menschlichen Bedürfnisse stecken hinter diesen Formen der Maskerade? Für Psychotherapeuten und Pädagogen steht fest, dass das Verkleiden Erwachsenen die Möglichkeit gibt, mit Identitäten zu spielen, Urlaub zu machen von angestammten Rollen ohne mit unliebsamen Konsequenzen rechnen zu müssen. Dabei können Karnevalskostüme - egal ob Pirat, Prinzessin oder Clown - positive Effekte auf die Psyche haben. Denn das Kostümieren bietet die Möglichkeit, Facetten zu erproben, die in unserem Alltag zu kurz kommen.

Im Karneval dürfen wir über die gesellschaftlichen Stränge schlagen

Während der Karnevalszeit sei es gesellschaftlich akzeptiert, aus der Reihe zu tanzen. Kostüme würden dabei den Prozess der Enthemmung unterstützen, wenn jemand in eine andere Persönlichkeit schlüpfe, vielleicht sogar unerkannt bleibe und damit persönliche Verantwortung reduziere. Damit eröffneten sich neue Rollen- und Verhaltensspielräume sowie soziale Interaktionsmöglichkeiten, so Psychologieprofessorin Katja Mierke von der Hochschule Fresenius in Köln 2019.

Alltagskonventionen verbieten die anarchische Seite in uns

Im Karneval könne eine andere Seite der Persönlichkeit ausgelebt werden, die im Alltag vielleicht zu kurz komme. Als Beispiel nannte Mierke das Piratenkostüm. "Es repräsentiert unsere anarchische, wilde, freiheitsliebende Seite - ganz nach dem Motto: Ich nehme mir, was mir gefällt", sagte die Psychologin. Eine solche Seite schlummere in vielen Menschen, doch die Konventionen des Alltags erlaubten es oft nicht, diese Eigenschaften auszuleben. "Wir denken und bewegen uns dann auch anders als im Feenkleidchen oder im Anzug."

Dem "inneren" Piraten mehr Raum im Alltag geben

Versuche hätten gezeigt, dass Kleidungsstücke - wie etwa ein Arztkittel - durchaus Auswirkungen auf das Innenleben hätten. Zudem könnten Menschen, die ihre Identität in vielen verschiedenen Rollen ausleben und dafür ein positives Feedback erhalten würden, besser mit Rückschlägen umgehen. "Dem inneren Piraten sollte man also nicht nur in der Karnevalszeit, sondern auch im Alltag etwas Raum geben", empfahl Mierke.