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Isaac Newton: Die unbekannten Seiten des eigenwilligen Genies | BR24

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Isaac Newton wird als das größte Genie der Naturwissenschaft gefeiert. Doch obwohl er seine Schlüsse aus logischem Denken, Experimenten und Beobachtungen zog, hatte der Naturforscher auch eine dunkle Seite.

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Isaac Newton: Die unbekannten Seiten des eigenwilligen Genies

Seine Theorien zur Schwerkraft, zum Licht und zur Flächenberechnung sind bis heute gültig. Doch als Mensch war der Universalgelehrte Isaac Newton schwierig. Seine berufliche Laufbahn endete in einem für einen Naturwissenschaftler atypischen Job.

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Das Wissen, das uns Isaac Newton auf dem Gebiet der Naturwissenschaften hinterlassen hat, ist immens: Mit seiner Gravitationstheorie konnte er belegen, dass die Anziehungskraft auf der Erde genauso funktioniert wie bei Himmelskörpern im All. Er fand heraus, dass sich weißes Licht aus bunten Spektralfarben zusammensetzt. Er entwickelte das Spiegelteleskop, wie wir es heute kennen. Und die Formel "Kraft gleich Masse mal Beschleunigung" stammt auch von ihm. Obwohl er mit seinen Erkenntnissen Generationen von Mathematikern und Physikern Orientierung gab und allgemein als Wegbereiter der modernen Naturwissenschaft gilt, hatte Isaac Newton auch eine dunkle Seite: Er soll streitsüchtig, egoistisch, rigoros und nicht kritikfähig gewesen sein. Seine berufliche Laufbahn endete für einen Universalgelehrten wie ihn eher ungewöhnlich.

Isaac Newton streitet gerne mit Kollegen

So kam es mit zahlreichen seiner Kollegen zu Konflikten. Robert Hooke, der zur Planetenbewegung erfolgreich geforscht hatte, wurde von Newton nicht anerkannt, obwohl er von dessen Erkenntnissen profitiert hatte. John Flamsteed, ein akribischer Datensammler in Sachen Sternenbeobachtung, wurde von Newton unter Druck gesetzt, bis der schließlich seine umfangreichen Aufzeichnungen zu seinen Beobachtungen herausgab.

Streit zwischen Gottfried Wilhelm Leibniz und Isaac Newton

Am bekanntesten ist aber die Auseinandersetzung Isaac Newtons mit dem deutschen Mathematiker und Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz. Bis nach dessen Tod behauptete Newton, der Erfinder der sogenannten Infinitesimalrechnung zu sein - einer Methode, mit der man zum Beispiel Flächen- oder Volumeninhalte mathematisch exakt berechnen kann, auch wenn die Umrandung oder Oberfläche beliebig komplex ist.

Leibniz siegt über Newton

"Also wenn wir heute Infinitesimalrechung betreiben, dann tun wir das so, wie Leibniz das damals entwickelt hat. Newtons Methode war nicht so leicht anwendbar, weil er sich keine Gedanken über die Öffentlichkeitsarbeit, über die Wirkung, über die Einsatzfähigkeit seiner Arbeit gemacht hat", sagt Florian Freistetter, Physiker und Autor einer 2017 erschienen Newton-Biografie über die als "Prioritätsstreit" in die Wissenschaftsgeschichte eingegangene Auseinandersetzung zwischen Newton und Leibniz.

Erklärungsversuche für Newtons schwierigen Charakter

Für Florian Freistetter, Autor der Newton-Biografie, liegt die Ursache für Newtons schwierigen Charakter in der Kindheit des 1643 geborenen Briten. Sein Vater stirbt vor der Geburt. Isaac wird von seiner Mutter und dem Stiefvater zur Großmutter abgeschoben. Erst nach dem Tod des Stiefvaters kommt der Zehnjährige zu seiner Mutter zurück. Er beschäftigt sich von nun an mit dem Erbe des Stiefvaters: einer umfangreichen Hausbibliothek. Während andere Kinder gemeinsam im Wald herumtoben, grübelt Isaac Newton über Konstruktionszeichnungen, entwirft eine Windmühle - die später auch tatsächlich gebaut wurde - oder lässt eine Tretmühle von einer Maus antreiben.

"Man kann das schon so ein bisschen vergleichen, auch mit diesem Klischee des sozial unfähigen Nerds, das ja heute immer noch in der Welt existiert." Florian Freistetter, Autor einer Newton-Biografie

Newtons zweite berufliche Karriere

Im Jahr 1696 beginnt Newton - wohl auch dank seiner guten Kontakte zum englischen Königshaus - eine neue berufliche Karriere: Er wird zum Chef der Münzprägeanstalt ernannt. Anstatt sich auf diesem lukrativen Posten einen gemütlichen Lebensabend zu gönnen, ist er auch in seinem neuen Job, den er bis zu seinem Tod 1727 innehat, ehrgeizig: Er peitscht eine komplette Neuprägung der britischen Währung durch. Aber auch bei der Jagd auf die berüchtigten Falschmünzer kann Isaac Newton nicht aus seiner Haut:

"Jeden, den er geschnappt hat, der ist dann zum Tode verurteilt worden: Also auch da war er so rücksichtslos und hartnäckig, wie er in seiner wissenschaftlichen Arbeit war“, sagt Florian Freistetter, Verfasser der Newton-Biografie.