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Gen-Babys: Mutation schützt vor AIDS, aber verkürzt das Leben | BR24

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Eine Immunität gegen HIV erhöht das Risiko für andere Krankheiten.

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Gen-Babys: Mutation schützt vor AIDS, aber verkürzt das Leben

Die Empörung war groß, als der Chinese He Jiankui verkündete, das Erbgut zweier Babys verändert zu haben, um sie vor der Krankheit AIDS schützen. Eine Studie zeigt nun, dass eine Immunität gegen HIV das Risiko für andere Krankheiten erhöht.

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Eine bestimmte genetische Mutation macht unempfindlich gegen den AIDS-Erreger HIV. Dafür erhöht sie jedoch das Risiko, früher an anderen Krankheiten zu sterben: Menschen mit dieser Genveränderung haben eine um 21 Prozent geringere Chance, das Alter von 76 Jahren zu erreichen. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde die Mutation Ende November 2018 bekannt. Damals verkündete der chinesische Biotechnologe He Jiankui, es seien zwei Mädchen geboren worden, deren Erbgut er entsprechend verändert habe.

Genschere gegen AIDS

Der AIDS-Erreger HIV nutzt ein Zellprotein (Eiweiß), das vom Gen CCR5 codiert wird, um Zellen des Immunsystems anzugreifen. Der Biotechnologe He gab an, die Zwillingsschwestern Nana und Lulu vor Aids schützen zu wollen. Dazu habe er den genetischen Code für CCR5 mithilfe der Genschere Crispr/Cas9 aus deren Erbgut entfernt. Das CCR5-Protein ist das wichtigste, allerdings nicht das einzige Einfallstor für das HI-Virus. Die Bekanntgabe der Genmanipulation löste weltweit Proteste aus. He verteidigte sein Vorgehen und behauptete, dass etwa 100 Millionen Menschen, die wegen der genetischen Mutation Delta 32 kein CCR5-Protein bilden, gesund seien.

Höhere Wahrscheinlichkeit für niedrigeres Sterbealter

Hat die Mutation aber nicht doch Auswirkungen auf die Gesundheit? Das untersuchten Xinzhu Wei und Rasmus Nielsen von der University of California in Berkeley mithilfe der britischen Gen-Datenbank UK Biobank. Darin ist von mehr als 400.000 Menschen im Alter von 40 bis 78 Jahren verzeichnet, welche Genvarianten von CCR5 sie tragen. Möglich sind:

  • zweimal die Mutation Delta 32 von CCR5
  • einmal Delta 32 und einmal intaktes CCR5
  • zweimal intaktes CCR5

Mit zwei voneinander unabhängigen statistischen Analysen gelangten die Forscher zu folgendem Ergebnis, das sie im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichten: Menschen mit der zweifach vorhandenen Delta-32-Mutation haben eine um 21 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, 76 Jahre alt zu werden, als solche, die keine oder nur eine Delta-32-Mutation geerbt hatten.

Vierfach höheres Risiko für Grippetod

"Hier ist ein funktionelles Protein, von dem wir wissen, dass es im Organismus eine Wirkung hat", wird Nielsen in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. Das Protein sei in fast allen Menschen und den meisten Tieren zu finden. "Daher ist es wahrscheinlich, dass eine Mutation, die das Protein zerstört, im Durchschnitt nicht gut für sie ist." Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass die Delta-32-Mutation zwar möglicherweise auch Schutz gegen Krankheitserreger wie Pocken und einige andere Viren bietet. Andererseits ist die Sterblichkeitsrate bei einer Grippe-Infektion einer früheren Studie zufolge um das Vierfache erhöht. Wei und Nielsen distanzieren sich von Hes Forschung.

"Ich denke, es gibt eine Menge Dinge, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt über die Funktionen der Gene unbekannt sind. Die Crispr-Technologie ist viel zu gefährlich, um sie derzeit für die Keimbahnbearbeitung zu verwenden." Xinzhu Wei, University of California in Berkeley

He wurde mittlerweile von seiner Universität im südchinesischen Shenzhen entlassen, weitere Forschung wurde ihm untersagt. Zudem hatten 122 chinesische Wissenschaftler Hes Experiment in einem offenen Brief als "verrückt" verurteilt.