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Ein Laserpointer kann blenden - und blind machen

Handwerker haben sie, Lehrer auch. Und so manches Kind. Laserpointer helfen bei Präsentationen, und Katzen jagen gern den leuchtenden Punkten hinterher. Aber ob als Werk- oder Spielzeug: Die Geräte bergen Gefahren.

Darüber diskutierten Nutzer auf BR24-Facebook. Den Anlass gab der Fall eines Kindes, das einen Rettungsfahrer geblendet hatte.

Nutzerinnen fragten in der Debatte, warum die Geräte zulässig seien - wenn sie doch Schaden anrichten können. Dabei sind eben nicht alle zulässig.

Kommentare der Nutzer auf Facebook

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Meldungen über Gefährdungen

"Laserpointer stecken in mancher Schultasche und werden leider nicht nur als moderner Zeigestock benutzt", heißt es bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Nicht nur Kinder fuhrwerken mit Laserpointern herum und gefährden damit möglicherweise Menschen, wie in dem Fall des Rettungsfahrers. Erst im Dezember gab es eineinhalb Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung für einen 42-Jährigen, der die Besatzung eines Polizeihubschraubers mit einem Laserpointer geblendet hatte.

Was die Zahl der Fälle von Laserblendungen in Bayern betrifft, findet sich in der polizeilichen Kriminalstatistik keine Antwort. Das bayerische Landeskriminalamt suchte aber für BR24 aus seinem System zur Vorgangsbearbeitung nach entsprechenden Fällen. Über Fälle im Dunkelfeld sagt das nichts aus. Sofern Polizeibeamte aber bei einem Fall notieren, dass jemand mit einem Laser blendete, ist der Fall unter diesem Stichwort registriert - auch wenn die Ermittlungen später möglicherweise wieder eingestellt werden. Eine abgeschlossene Statistik liefert das System damit nicht, aber es lassen sich Trends erkennen, wie ein Sprecher erklärte. Und im Fall von Laserblendungen zeigt sich: Es gab ein Hoch im Jahr 2013, aber seither pendelte sich die Zahl wieder auf dem Niveau von davor ein.

Der Einsatz eines Laserpointers und im Speziellen die Blendung dadurch stellt keinen speziellen Straftatbestand dar, wie der Sprecher des Landeskriminalamts gegenüber BR24 erklärte. Es kämen die Straftatbestände des gefährlichen Eingriffs in den Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr oder in den Straßenverkehr in Frage, aber auch zum Beispiel die gefährliche oder fahrlässige Körperverletzung.

Die Zahlen des Bayerischen Landeskriminalamts

Die Zahlen des Bayerischen Landeskriminalamts

Wer von Laserstrahlen, die das Auge treffen, irritiert, abgelenkt, erschreckt oder geblendet wird, kann in seinem Sehvermögen beeinträchtigt sein, lang oder kurz. Bei Piloten ist dann auch ein Flugzeugcrash nicht ausgeschlossen.

Man kann sich übrigens nicht darauf verlassen, dass der Mensch automatisch blinzelt oder sich die Pupillen schnell genug verengen, um das Auge zu schützen - gerade bei starken Laserstrahlen.

Welche Laser darf man privat verwenden?

Aber vom Missbrauch abgesehen: Es sind nicht alle Laserpointer für den privaten Gebrauch erlaubt.

Es gibt verschiedene Laserpointer-Klassen - je nach ihrer Gefährlichkeit. Privat dürfen laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin nur Laserprodukte der Klassen 1 oder 2 verwendet werden, die maximal eine Leistung von einem Milliwatt besitzen. Das Produktsicherheitsgesetz erlaubt es nicht, Produkte in den Verkehr zu bringen, die Menschen gefährden, wenn sie richtig angewandt werden oder wenn Fehler bei der Anwendung vorhersehbar sind.

Auf den Laserpointern muss stehen, welcher Klasse sie angehören und eine deutsche Gebrauchsanweisung muss dabei sein, wie ein Sprecher der Bundesanstalt erklärte.

Das Problem: Im Internet, auf Jahrmärkten oder bei fliegenden Händlern sind auch Laser erhältlich, die nicht klassifiziert sind oder stärker strahlen als für den privaten Gebrauch zugelassen ist. Experten raten zu Geräten mit CE-Kennzeichnung - die gewährleistet, dass die Waren auf die Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen der Europäischen Union hin geprüft sind und ihnen entsprechen.

Weil Laserpointer für jeden einfach zu haben sind, selbst solche mit hoher Leistung, müsse die Gesellschaft sich der Gefahren bewusster werden - vor allem für Kinder und Jugendliche, schrieben Wissenschaftler, die in einer Untersuchung die Fälle von 111 Patienten prüften.

Gefahr fürs Auge

Denn Laserpointer können dauerhaften Schaden an der Retina, also der Netzhaut, und eine Sehbehinderung verursachen, fassten die Mediziner zusammen. Auch australische Forscher stellten fest, dass von ihnen getestete grüne Laserpointer gefährlich sein können - gefährlicher als die roten im Test. Denn die grünen hatten mehr Infrarot-Strahlung und ihre Strahlen waren fokussierter, wie die Studie von 2016 zeigte. Die Bundespolizei in Deutschland warnte schon vor Jahren vor Importen aus Ländern mit niedrigeren oder keinen Sicherheitsstandards in die Bundesrepublik.

Das Auge kann Licht stark bündeln. Der Linseneffekt verstärkt die Leistungsdichte auf dem Weg von der Hornhaut zur Netzhaut bis zu etwa 100.000 Mal. Deshalb können, warnt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in einer Handreichung zum Schutz vor Laserstrahlen, bereits relativ geringe Leistungen für das Auge gefährlich sein.

Schäden an der Netzhaut, zum Beispiel Verbrennungen, können zu erheblichen Beeinträchtigungen des Sehvermögens oder zu massiven Blutungen führen. Eine Schädigung an bestimmten Stellen kann das Scharfsehen und das Farbsehvermögen stark verringern - und wenn, noch schlimmer, die Einmündung des Sehnervs in die Netzhaut getroffen wird, der sogenannte blinde Fleck, dann droht der Bundesanstalt zufolge die völlige Erblindung.

Weitere Gefahren

Den Experten zufolge besteht unter Umständen auch Brand- und Explosionsgefahr, wenn die Strahlung auf brennbares Material oder eine explosionsfähige Atmosphäre trifft.

Fazit

Laserpointer können gefährlich sein für das menschliche Auge, sie können in extremen Fällen zu Unfällen oder Explosionen führen. Unzertifizierte Geräte zu kaufen, birgt die Gefahr, dass sie stärker strahlen als gedacht.