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#Faktenfuchs: Nein, Bienen sterben nicht wegen 5G-Masten | BR24

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Bei den vermeintlichen 5G-Masten handelt sich nicht um 5G-Basisstationen

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    #Faktenfuchs: Nein, Bienen sterben nicht wegen 5G-Masten

    Ein weit verbreitetes Video aus Kalifornien behauptet: Bienen sterben wegen 5G-Basisstationen. Doch in der Stadt Sierra Madre gibt es keine 5G-Sendemasten. Auch ansonsten ist umstritten, ob die Strahlen Insekten überhaupt schaden können.

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    Zu 5G kursieren viele Behauptungen und Befürchtungen - jetzt auch in Bezug auf Bienen. Ein virales Youtube-Video, das in Kalifornien aufgenommen wurde, greifen inzwischen auch in Deutschland einige Artikel auf diversen Webseiten auf. Sie werden Tausende Male geteilt.

    Das Video, das auf Youtube inzwischen mehr als 260.000 Mal gesehen wurde, zeigt zwei Sendemasten und tote Bienen auf der Straße dazwischen. Der Mann, der filmt, sagt: "Es tötet Bienen", und betitelt sein Video auf Youtube "Bees dying under 5G poles".

    Der #Faktenfuchs hat die Behauptung geprüft - und stellt fest: Sie ist falsch.

    In Sierra Madre stehen keine 5G-Sendemasten

    In der kalifornischen Stadt Sierra Madre, in der das Video gedreht wurde, gibt es keine Sendestationen für 5G. Das bestätigte die Stadtverwaltung BR24 über Facebook. Damit ist die Hauptbehauptung des Videos, die ja schon in dessen Titel steht, widerlegt.

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    Antwort der City of Sierra Madre auf Facebook

    Bleibt die Frage, ob es generell Beweise dafür gibt, dass Bienen durch Mobilfunk-Strahlung sterben können.

    Keine wissenschaftlichen Beweise für Bienensterben durch Mobilfunk

    Viele Menschen machen sich Sorgen, dass 5G als neuer Mobilfunkstandard der Gesundheit des Menschen schaden könnte. Dafür gibt es - sofern die Grenzwerte eingehalten werden - keine wissenschaftlichen Hinweise, auch wenn einige Fragen vor allem zur Langzeitwirkung der Handynutzung noch offen sind. Hierzu gibt es bereits eine ausführliche #Faktenfuchs-Recherche.

    Was Bienen betrifft, verhält es sich laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) so: "Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand gibt es keine wissenschaftlich belastbaren Hinweise auf eine Gefährdung von Tieren und Pflanzen durch hochfrequente elektromagnetische sowie niederfrequente und statische elektrische und magnetische Felder unterhalb der Grenzwerte." Allerdings gibt es dem BfS zufolge nur wenige Studien, die wissenschaftlich gut gemacht sind.

    Diese beiden Aussagen seien auch auf einem Workshop genau zu diesem Thema in München Anfang November bekräftigt worden.

    Auch diejenigen Studien, die sich explizit mit Bienen beschäftigen, werden vom BfS als wissenschaftlich nicht aussagekräftig eingestuft. Eine Liste der Untersuchungen ist auf der BfS-Webseite nachzulesen. Dort findet sich auch der Hinweis auf einen Zusammenhang, für den das BfS auf eine Zeit-Recherche zurückgreift: "In Großstädten, die besonders gut mit Mobilfunk versorgt sind, breiten sich Bienen zunehmend aus und gedeihen besser als in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten."

    Vereinzelte Hinweise auf Biodiversität

    Vereinzelt gebe es aber Hinweise darauf, dass hochfrequente Felder womöglich einen Einfluss auf Insekten haben könnten. So konnten in einer Freilandstudie Veränderungen der Zahl und Biodiversität von Bestäubern in der Umgebung von Basisstationen beobachtet werden. Auch mit Blick auf die neue Mobilfunkgeneration 5G bleiben laut BfS noch einige Fragen offen - auch wenn es in Sierra Madre noch kein 5G gibt:

    Im Zusammenhang mit 5G werde aber auch die Nutzung höherer Frequenzen im Millimeterwellenbereich diskutiert. Hier sei es denkbar, dass Bienen mehr Energie aufnehmen als bisher, was zu einer stärkeren Erwärmung führen kann, schrieb das BfS in einer Mail an BR24 und verwies dabei auf eine Studie. "Ob es tatsächlich zu der genannten höheren Energieaufnahme kommen und welche Auswirkungen dies haben wird (denkbar sind auch Verhaltensanpassungen), hängt aber von der konkreten Ausgestaltung höherer Frequenzbereiche ab", heißt es in der Mail.

    In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass die von Bienenforschern zur Verfolgung der Flugbahn häufig genutzte Radartechnik das Flugverhalten von Bienen nicht beeinträchtigt, was gegen einen negativen Einfluss dieser höheren Frequenzen spricht.

    Zum Video konkret schreibt das BfS, es gebe mehrere mögliche Erklärungsansätze für die toten Bienen, wie sie auf den Aufnahmen zu sehen sind: etwa turnusgemäße Sterblichkeit, jahreszeitlich bedingte Hitze, Feinde oder ähnliches. "Zudem ist die Zahl der beobachteten toten Bienen im Vergleich zu der Anzahl der Bienen im Bienenstock sowie zu der Zahl der täglich natürlich schlüpfenden und sterbenden Bienen nicht überraschend hoch. "

    Fazit

    Das Video zeigt kein Bienensterben durch 5G - weil es in dem Ort kein 5G gibt. Die Studienlage zur Wirkung von Mobilfunk auf Insekten zeigt bislang, dass es bei Einhaltung der Grenzwerte keine Probleme gibt - trotz vereinzelter Hinweise. In Bezug auf 5G gibt es aber noch Forschungsbedarf.