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Earth Overshoot Day: Ab heute schulden wir der Erde was | BR24

© Bayerischer Rundfunk / Rundschau

Der Earth Overshoot Day steht symbolisch für den Tag im Jahr, an dem die Menschheit ihre natürlichen Ressourcen aufgebraucht hat. Dieses Jahr fällt der Earth Overshoot Day auf den 29. Juli, das bisher früheste Datum.

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Earth Overshoot Day: Ab heute schulden wir der Erde was

Mit dem 29. Juli haben wir Menschen die natürlichen Ressourcen der Erde aufgebraucht, die unser Planet innerhalb eines Jahres liefern und wiederherstellen kann. Die Zahlen für Deutschland sind noch dramatischer.

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Noch vor knapp 20 Jahren, im Jahr 2000, fiel der Earth Overshoot Day auf den 1. November. Seither lebt die Weltbevölkerung immer früher auf Pump. Das wäre nicht so dramatisch, wenn wir unsere ökologischen Schulden auch einmal zurückzahlen würden. Tun wir aber nicht. Ganz im Gegenteil, wir betreiben jährlich mehr Raubbau an der Natur. Machen wir im gleichen Stil weiter wie bisher, bräuchten wir wohl im Jahr 2030 zwei Erden und vielleicht 2050 drei Erden, um unseren Rohstoff- und Energie-Bedarf zu decken. Momentan verbraucht die Weltbevölkerung so viel wie 1,75 Erden zur Verfügung stellen würden.

Earth Overshoot Day ist kein Spiel

Schon klar, der "Erdüberlastungstag" ist nur ein Rechenspiel, zeigt aber, dass wir die Erde auspressen wie eine Orange. Und irgendwann ist kein Saft mehr in der Orange. Aus diesem Grund hat The Global Footprint Network den Earth Overshoot Day ins Leben gerufen. Als Warnung vor Raubbau. Um den "Welterschöpfungstag" zu berechnen, wird die Biokapazität unseres Planeten, also die Fähigkeit der Natur, Rohstoffe jeder Art zu produzieren oder wiederherzustellen, mit dem ökologischen Fußabdruck der Menschheit verrechnet. Gerechnet wird in einer eigenen Einheit: dem globalen Hektar gha. Er steht für die Fläche, die nötig wäre, um den Verbrauch weltweit oder pro Land zu "finanzieren". Auf die unterschiedliche Fruchtbarkeit von Böden wurde Rücksicht genommen. Ein Hektar Wüstensand ist nicht gleichzusetzen mit einem Hektar Amazonasdschungel.

Deutschland nimmt mehr, als es gibt

Sieht man sich den Verbrauch auf Länderebene an, ist Deutschland - wie auch andere Industrienationen - wahrlich kein Vorzeigeland. Wir verbrauchen hierzulande Rohstoffe und Energie für drei, das heißt, Deutschland müsste dreimal so groß sein, um den Verbrauch der Bevölkerung zu decken. Deutschland pumpt die Erde zudem schon länger an als der Weltdurchschnitt: Der Earth Overshoot Day für Deutschland war bereits am 3. Mai 2019. Welche Länder der Welt Ressourcen nehmen und welche Ressourcen geben, sehen Sie hier.

Wer die Welt 2019 wann erschöpft hat:

Was tun gegen den Earth Overshoot?

Auf jeden Fall nicht den Kopf in den Sand stecken! Jeder kann etwas für die erschöpfte Erde tun, indem er einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leistet. Wie das geht? Zum Beispiel mit den fünf "F"s: weniger Fleisch essen, energiearm und bescheiden wohnen wie der Philosoph Diogenes im seinem Fass, weniger Fliegen, weniger konventionell Auto / Bus fahren - und eine Ergänzung von Greenpeace: Forderungen an den Staat stellen. So wie es beispielsweise die junge schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg tut. Damit Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf die Agenda kommen.

Der World Wide Fund For Nature Deutschland (WWF) empfiehlt auch, weniger Lebensmittel zu kaufen, um weniger wegzuschmeißen, Kleidung bewusster zu kaufen und zu nutzen sowie nachhaltiger zu reisen. Aktionen, um das Datum des Earth Overshoot Day wieder Richtung Jahresende zu verschieben, finden Sie unter #MoveTheDateSolutions.

"Wir konsumieren und wirtschaften, als gäbe es kein Morgen. Die Zeche dafür zahlen unsere Kinder und Enkelkinder. Wir müssen den Raubbau beenden und endlich in den natürlichen Grenzen der Erde leben. Dafür müssen wir unsere Finanz- und Wirtschaftssysteme auf Nachhaltigkeit umstellen." Eberhard Brandes, WWF Deutschland.