Junge Frau mit Kopfschmerzen

90 Prozent kennen quälende Kopfschmerzen, drei bis vier Prozent der deutschen Bevölkerung leiden sogar täglich darunter.

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Kopfschmerztag - Was tun gegen Kopfweh?

Kopfschmerztag - Was tun gegen Kopfweh?

Die allermeisten Deutschen haben schon mehrmals unter Kopfschmerzen gelitten, drei bis vier Prozent leiden sogar täglich darunter. Der Griff zur Schmerztablette sei aber nicht immer sinnvoll, warnen Experten. Sie empfehlen Alternativen.

Bis zu 90 Prozent aller Deutschen leiden mindestens einmal im Leben unter Kopfschmerzen. Regelmäßig betroffen sind laut Deutscher Schmerzhilfe mehr als die Hälfte der Erwachsenen und knapp 20 Prozent der Kinder zwischen acht und 16 Jahren.

Auch Schmerztabletten können Kopfschmerzen auslösen

Rund 320 verschiedene Arten von Kopfschmerzen gibt es. Der Spannungskopfschmerz und die Migräne sind die beiden häufigsten Kopfschmerzarten. Betroffene wissen sich oft nur noch mit Schmerztabletten zu helfen. Dabei können Schmerztabletten selbst Kopfschmerzen verursachen, warnt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Die Fachgesellschaft hat dazu dieses Jahr eine Leitlinie mit dem Titel "Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln" veröffentlicht.

Gefahr von Schmerzmitteln bei Kopfschmerzen nach Covid-19

Die DGN warnt auch davor, bei täglich auftretenden Kopfschmerzen nach einer Covid-19-Erkrankung ständig Schmerzmittel einzunehmen. Gerade, weil normale Schmerzmedikamente bei COVID-19-assoziierten Kopfschmerzen allgemein gut wirkten, bestehe die Gefahr, dass Betroffene sie über Wochen und Monate täglich einnehmen, schreibt die DGN in einer Pressemitteilung. Auch hier könne die dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln laut DGN wiederum Kopfschmerzen auslösen und zu einer Chronifizierung führen.

Was sind Kopfschmerzen?

Kopfschmerzen werden in die Kategorien primär und sekundär eingeteilt. Primäre Kopfschmerzen gelten als Krankheit. Darunter fallen zum Beispiel Spannungskopfschmerzen und Migräne. Sekundäre Kopfschmerzen treten als Folge anderer Erkrankungen auf, zum Beispiel durch eine Erkältung, Bluthochdruck oder eine Verletzung an Kopf oder Halswirbel. An welcher Form von Kopfschmerz ein Patient leidet, ist die wichtigste Frage, die zu Beginn einer Behandlung geklärt werden muss - meist von Hausärzten als erste Anlaufstelle von Kopfschmerzpatienten.

Dokumentation von Kopfschmerzen wichtig für richtige Diagnose

Damit die richtige Diagnose gestellt werden kann, hilft die Dokumentation des Schmerzes, sagt die DGN. Wichtige Fragen sind hierfür unter anderem: Ist der Schmerz stechend oder dumpf? Geht er mit Übelkeit einher? Wie häufig tritt er auf und in welchen Situationen? Wie oft wurden Schmerzmedikamente eingenommen?

Alternativen zu Schmerzmitteln bei Spannungskopfschmerzen

Werden bei Kopfweh zu häufig Schmerz- oder Migränemittel eingenommen, also über drei Monate hinweg mehr als zehnmal im Monat, können die Schmerztabletten selbst Kopfschmerzen verursachen. Die DGN empfiehlt deshalb bei häufigen Kopfschmerzen eine vorbeugende Behandlung. Bei Spannungskopfschmerzen sind dies Entspannungsverfahren, Stressbewältigung und Verhaltenstherapien. Auch Physiotherapie und Ausdauersport können bei häufigen Spannungskopfschmerzen helfen.

Bei besonders schweren Fällen von Spannungskopfschmerzen könnten Medikamente helfen, dann aber nicht Schmerzmittel, sondern eine Dauertherapie mit Amitriptylin, einer Substanz, die eigentlich der Klasse der Antidepressiva angehört, erklärt die DGN.

Migräne - eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Etwa 12 Millionen Menschen in Deutschland leiden daran.

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Ausdauersport und Verzicht auf Rotwein können gegen Migräne helfen

Auch bei Migräne, einer Kopfschmerzform, unter der immerhin jede fünfte Frau und fast jeder zwölfte Mann leidet, sollte eine medikamentöse Therapie immer auch durch eine Therapie ohne Medikamente ergänzt werden. Wer kann, versucht, die Migräneanfälle von vornherein zu vermeiden, um so auf die häufig eingesetzten Medikamente wie Triptane verzichten zu können.

„Durch eine solche Anfallsprophylaxe, dem Vermeiden von bekannten individuellen Triggern wie zum Beispiel visuellen Reizen oder Rotwein, durch regelmäßigen Ausdauersport und mit Entspannungsverfahren schaffen es viele Patienten mit Migräne, ihre Anfallsfrequenz so zu senken, dass sie nicht an mehr als zehn Tagen Medikamente einnehmen müssen. Kommt es aber zu einem Migräneanfall, ist es wichtig, so früh wie möglich die Tabletten einzunehmen, dann sind sie wirksamer." Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Kopfschmerzexperte und Pressesprecher der DGN

Zahlen zu Kopfschmerzen

  • 57,5 Prozent der Frauen und 44,4 Prozent der Männer in Deutschland berichten, binnen eines Jahres mindestens einmal von Kopfschmerzen betroffen zu sein.
  • 14,8 Prozent der Frauen und 6,0 Prozent der Männer erfüllen die kompletten Kriterien für Migräne.
  • Bei Frauen ist die Anzahl der erkrankten Personen, die sogenannte Prävalenz, bei 18- 29-Jährigen am höchsten, bei den Männern in der Altersgruppe der 30- 39-Jährigen.
  • Eine wahrscheinliche Migräne haben 28,4 Prozent der Frauen und 18,0 Prozent der Männer.
  • 9,1 Prozent der Migränepatienten leiden unter chronischen Kopfschmerzen..
  • 10,3 Prozent der Frauen und 6,5 Prozent der Männer sind von Kopfschmerzen vom Spannungstyp betroffen.

Quelle: Robert Koch-Institut (RKI) und PD Dr. Charly Gaul, Pressesprecher der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG)

Der Deutsche Kopfschmerztag

Der Deutsche Kopfschmerztag fällt auf den 5. September und wurde im Jahr 1999 vom Bundesverband Deutsche Schmerzhilfe e.V. ins Leben gerufen, um über die verschiedenen Ausprägungen und Behandlungsmöglichkeiten von Kopfschmerzen aufzuklären. Der Europäische Kopfschmerztag findet am 12. September statt.

Migräne ist eine häufige Erkrankung: schlimme Kopfschmerzen, zusammen mit Übelkeit, Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Was kann ein Patient tun?

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