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Da nützt kein Waschen: Über 100 Millionen Bakterien pro Apfel | BR24

© dpa-Bildfunk/Frank Rumpenhorst

Da nützt kein Waschen: Rund 114 Millionen Bakterien pro Apfel

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Da nützt kein Waschen: Über 100 Millionen Bakterien pro Apfel

Da kann einem vor Schreck der Bissen im Halse stecken bleiben: Bis zu 114 Millionen Bakterien stecken in einem Apfel, so das Ergebnis einer Studie der TU Graz. Ob das gute oder schlechte Bakterien sind, hängt aber davon ab, wie er angebaut wurde.

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Äpfel bieten ein breites Spektrum an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen. So viele komplexe, gesunde Wirkstoffe auf einmal enthält kein anderes Lebensmittel. Was bisher aber noch nicht untersucht worden ist: Mit jedem Apfel nimmt man auch etwa 114 Millionen Bakterien zu sich - wenn man ihn mit Stumpf und Stiel verspeist. Wer den Apfelbutzen übrig lässt, schluckt immerhin noch rund zehn Millionen Bakterien.

100 Millionen Bakterien pro Apfel

Eine Studie der TU Graz, die in Frontiers in Microbiology veröffentlicht wurde, hat untersucht, wie viele und welche Bakterien in Äpfeln zu finden sind. Die Forscher verglichen den Bakteriengehalt von konventionellen Äpfel mit dem von Bio-Äpfeln. Stängel, Schale, Fruchtfleisch, Samen und Kelch wurden getrennt analysiert. Das Ergebnis: Beide Gruppen lagen in der Bakterienanzahl gleich auf. Ein typischer Apfel mit 240 Gramm enthält demnach ungefähr 114 Millionen Bakterien.

Vergleich: konventioneller Apfel versus Bio-Apfel

Was aber deutlich unterschiedlich war, ist die Art der Bakterienzusammensetzung. Die Bio-Äpfel wiesen eine vielfältigere und ausgewogenere Bakteriengemeinschaft auf. Dies könnte sie gesünder und schmackhafter machen als herkömmliche Äpfel, so der Schluss der Autorinnen der Studie Birgit Wassermann und Gabriele Berg sowie des Autors Henry Mueller.

Die Studie stimmt mit einer Untersuchung zu Pilzgemeinschaften in Äpfeln überein. Beide Studien zeigen, dass das Apfelmikrobiom sowohl bei Bakterien als auch bei Pilzen in Bio-Äpfeln vielfältiger ist.

Was für Bakterien wurden gefunden?

Bakterien, die eher für ihr gesundheitsschädliches Potenzial bekannt sind, kamen verstärkt bei konventionell angebauten Äpfeln vor. So wurden auf den meisten konventionellen Apfelproben Escherichia-Shigella - eine Gruppe von Bakterien, die bekannte Krankheitserreger enthält - gefunden.

Bioäpfel hingegen waren frei davon. Und bei nützlichen Lactobacillen, die eine probiotische Wirkung haben und damit gut für den Darm sind, war es umgekehrt.

Bio-Äpfel: auch geschmacklich vielfältiger

Auch vom Geschmack scheinen Bio-Äpfel die Nase vorne zu haben. Das Methylobacterium, das die Biosynthese von Erdbeeraromastoffen fördert, war in Bio-Äpfeln deutlich häufiger vorhanden. Sie fanden sich vor allem in der Schale und im Fruchtfleisch.

Äpfel mit Stumpf und Stiel genießen

Es ist schon lange bekannt, dass Äpfel optimal zur Grundversorgung an lebensnotwendigen Mikronährstoffen beitragen. Laut der Studie waren Fruchtfleisch und Samen bakterielle Brennpunkte, während die Schale weniger besiedelt war. Der Großteil der Bakterien befindet sich in den Samen, im Kerngehäuse. Wenn das rausgeschnitten wird, reduzieren sich die Bakterien auf zehn Millionen pro Apfel.

© picture alliance/imageBROKER

Im Apfelbutzen sind die meisten Bakterien enthalten.

Der Apfel - Lieblingsfrucht der Deutschen

Der Apfel ist König unter den Obstsorten. Zu keiner Frucht greifen die Deutschen häufiger. Im Jahr 2018 wurden 83 Millionen Äpfel angebaut, und die Produktion steigt weiter. Statistisch gesehen isst jeder Deutsche gut 25 Kilo Äpfel pro Jahr. Und das zu Recht. Denn Äpfel schmecken nicht nur, sie sind auch wahre Vitaminbomben.

Hoher Vitamingehalt macht Äpfel so wertvoll

Im Apfel sind die lebenswichtigen Vitamine C, E, K, B1, B2, B6. Vor allem das Vitamin C stärkt die Abwehrkräfte und schützt die Zellen. Besonders vitaminhaltig sind die sonnengereiften Äpfel. Mineralstoffe wie Kalium, Eisen, Jod und Zink sind wichtig für den gesamten Stoffwechsel, die Nerven und die Muskeln. Kalium hilft außerdem, den Wasserhaushalt im Körper zu regulieren. Ballaststoffe wie Pektin regulieren die Verdauung und halten lange satt. Außerdem kann Pektin helfen, auf natürliche Weise den Cholesterinspiegel zu senken.

Fänger der freien Radikalen

Zudem ist der Apfel reich an sogenannten Antioxidantien - besonders die sekundären Pflanzenstoffe wie die Polyphenole. So kann der gelblich-rote Farbstoff - das Quercetin - eine ganze Menge. Es sitzt vor allem in der Schale. Studien haben ergeben, dass Quercetin die gefährlichen freien Radikale fängt. Damit schützt es die Zellen und wirkt entzündungshemmend.

Was sind die gesündesten Sorten?

Apfel ist nicht gleich Apfel. Wie gesund ein Apfel ist, hängt davon ab, wo er wann angebaut und geerntet wurde und was es für eine Sorte ist. Generell gilt: Sonnengereift und rotbackig sollten die Äpfel sein. Äpfel wie der Berlepsch, Idared, Boskop oder Gravensteiner haben besonders viele gesunde Inhaltsstoffe. Die alten Sorten haben meist einen relativ hohen Vitamin-Gehalt während Sorten wie der Granny Smith oder Pink Lady nicht so gut abschneiden.

Weltweit gibt es rund 20.000 Apfelsorten. Doch die Vielfalt wird immer geringer. Denn im Supermarkt ist das Angebot meist auf vier bis fünf Sorten geschrumpft. In Deutschland werden nach Angaben der Verbraucherzentrale etwa 25 Sorten angebaut. Als Verbraucher sollte man gezielt nach alten Sorten wie Berlepsch oder Cox Orange fragen.

Muss es Bio sein?

Nicht unbedingt - wenn man von der Vielfalt der Bakterienkultur mal absieht. Konventionelles Obst darf mit chemischen Mitteln gespritzt werden, allerdings sind hierzulande die Rückstände auf der Schale sehr gering. Abrubbeln oder lauwarm waschen reicht. Allerdings gibt es beim ökologischen Anbau meist die interessanteren Sorten. Äpfel aus Ländern wie Chile oder Argentinien sind meist größer, praller und glänzender (weil gewachst) aber geschmacklich nicht so prickelnd.

Es gibt übrigens das ganze Jahr über Äpfel zu kaufen. Im Herbst ist Hochsaison und es wird wieder frisch geerntet. Die Äpfel werden dann gekühlt und quasi in den "Winterschlaf" geschickt. Jede Jahreszeit hat "seine" Äpfel - am besten schaut man auf den Märkten, was gerade "dran" ist und kauft nach Saison und aus der Region.

© Bayerischer Rundfunk

Import-Äpfel sind tausende Kilometer unterwegs. So entsteht viel Treibhausgas, bevor sie im Supermarkt landen. Einheimische Äpfel haben dagegen kurze Transportwege. Aber haben sie tatsächlich die bessere Klimabilanz?

Äpfel richtig lagern

Äpfel mögen es gerne "einsam". Sie reifen nach und lassen daher auch andere Obstsorten schneller reif werden. Also: raus aus der Obstschale und rein in den Kühlschrank. Im Gemüsefach bleiben Äpfel lange knackig und frisch. In Beuteln aus Polyetyhlen halten sie im Kühlschrank einige Wochen bis Monate - je nach Sorte. In den Beuteln entsteht eine sauerstoffarme Atmosphäre, die den Reifungsprozess der Früchte verlangsamt. Die Beutel sollten gelegentlich mit einigen Nadelstichen entlüftet werden.

Apfelsaft - auch gesund?

Apfelsaft ersetzt kein frisches Obst. Beim Pasteurisieren werden viele wichtige Inhaltsstoffe wie die Vitamine und Pflanzenstoffe zerstört. Kalium bleibt allerdings erhalten. Nicht umsonst trinken Sportler ja gerne eine Apfelsaftschorle. Trotzdem gilt: Der frische Apfel ist gesünder. Und wenn schon Apfelsaft, dann sollte er naturtrüb sein.

Apfel ein altes Hausmittel?

Ein geriebener Apfel mit Schale ist übrigens ein altes Hausmittel gegen Durchfall. Durch das Reiben kann das Pektin im Apfel mehr Wasser binden. Pektin ist ein natürlicher Quellstoff: Aufgrund seiner chemischen Struktur kann er bis zum 100-fachen seines Eigengewichtes an Wasser binden, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Das Zähneputzen kann ein Apfel aber nicht ersetzen - auch wenn es in der Legende gerne anders behauptet wird.