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Antigen-Test sind schnell und günstig, haben aber nur begrenzte Aussagekraft.

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    Corona: Warum auf Antigen-Tests wenig Verlass ist

    Schlangen vor den Teststellen, ausverkaufte Selbsttests: Mit der Zahl der Coronavirus-Infektionen steigt auch die Nachfrage nach Antigen-Tests. Diese sind aber alles andere als zuverlässig. Anscheinend erst recht bei Geimpften.

    Von
    Jan-Claudius HanikaJan-Claudius Hanika
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    Ein Coronavirus-Test liefert scheinbar ein eindeutiges Ergebnis: Positiv oder negativ, infiziert oder nicht. Doch kein Test ist zu hundert Prozent exakt.

    PCR-Tests sind nahe dran, aber teuer und es dauert ein paar Stunden, bis das Ergebnis vorliegt. Antigen-Tests - also Schnell- und Selbsttests - sind schneller und günstiger, aber deutlich weniger zuverlässig. Wer bei einem negativen Ergebnis glaubt, er sei sicher nicht infiziert, wiegt sich eventuell in trügerischer Sicherheit.

    So zuverlässig sind Antigen-Tests

    Die Schnelltests an einer Teststelle und die Selbsttests für daheim funktionieren nach dem gleichen Prinzip, beides sind Antigen-Tests. Sie schlagen an, wenn sie in einer Probe aus dem Nasen-Rachen-Raum bestimmte Protein-Bausteine des Coronavirus finden. Innerhalb einiger Minuten können sie so eine akute Infektion feststellen.

    Antigen-Tests sind damit viel schneller als PCR-Tests, allerdings auch deutlich weniger empfindlich. Sowohl ihre Spezifität als auch ihre Sensitivität sind geringer.

    • Die Sensitivität gibt an, wie empfindlich ein Test ist. Ein Test mit niedriger Sensitivität übersieht Infektionen. Dann liefert er negative Ergebnisse, die aber falsch sind und positiv sein müssten.
    • Die Spezifität gibt an, wie viele Gesunde ein Test tatsächlich als gesund erkennt. Ein Test mit niedriger Spezifität schlägt auch bei anderen Viren oder aus anderen Gründen an. Er meldet dann positive Ergebnisse, die aber falsch sind und negativ sein müssten.

    Schnell- und Selbststests nur bei bestimmten Infizierten zuverlässig

    Selbst wenn die Probe richtig genommen und der Test auch sonst korrekt nach Anleitung durchgeführt wird: Die Zuverlässigkeit von Antigen-Tests ist nur bei den Infizierten hoch, die gerade sehr viele Viren in Hals und Rachen haben.

    Am höchsten ist die Trefferquote bei Infizierten in der ersten Woche nach Beginn der Symptome, ergab eine Zusammenfassung von 64 Studien durch das Cochrane-Netzwerk: Im Durchschnitt wurden 72 Prozent der Covid-19-Infizierten richtig erkannt. Bei Menschen ohne Symptome lieferten die Tests hingegen durchschnittlich nur bei 58 Prozent der Infizierten ein positives Ergebnis.

    Viele Antigen-Tests haben geringere Sensitivität

    Das sind allerdings gemittelte Werte. Nicht alle Antigen-Tests sind tatsächlich so exakt, wie sie sein sollten. Rund ein Fünftel der Antigen-Schnelltest, die in Europa zu haben sind, hatten nicht die Sensitivität, die sie laut des CE-Siegels eigentlich haben sollten. Das ergab eine Untersuchung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Einige Antigen-Tests reagierten nicht einmal bei der höchsten Viruslast.

    Eine Liste der Antigen-Tests, die nicht den CE-Vorgaben entsprachen, hat die Zeitschrift Laborpraxis zusammengestellt. Die meisten Tests entsprachen aber den Anforderungen. Die in Deutschland zugelassenen Antigen-Tests listet das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf.

    Bisher dürfen Hersteller gemäß der aktuellen EU-Richtlinie ihre Tests selbst zertifizieren. Eine unabhängige Überprüfung ist derzeit nicht erforderlich. Ab Mai 2022 wird sich das nach Informationen des Paul-Ehrlich-Instituts allerdings ändern. Dann müssen ein EU-Referenzlabor und eine sogenannte Benannte Stelle hinzugezogen werden. Die Tests werden dann im Labor untersucht und die Daten unabhängig überprüft.

    Antigen-Tests: Falsche Ergebnisse vor den ersten Symptomen

    Doch auch Antigen-Tests mit hoher Empfindlichkeit melden bei Infizierten ohne Symptome oft fälschlich ein negatives Ergebnis. Coronavirus-Infizierte können nämlich schon kurz nach der Infektion sehr ansteckend sein, wenn sie noch keine oder kaum Krankheitszeichen haben. Antigen-Tests liefern dann trotzdem häufig ein negatives Ergebnis.

    Darauf weist auch Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, hin: "Es ist in der praktischen Erfahrung so, dass die Antigen-Schnelltests gerade am Anfang der Symptomatik, wo der Patient ganz besonders infektiös ist, noch nicht zuverlässig positiv werden. Und dann werden die positiv, aber man hat die wichtigen ersten Tage verpasst. Das hat man mit der PCR nicht."

    Schnell- und Selbsttests bei Geimpften noch unzuverlässiger?

    Ein negatives Ergebnis bei einem Antigen-Test schließt daher nicht zuverlässig aus, dass die oder der Betreffende nicht doch infiziert ist. Noch unzuverlässiger sind die Antigen-Tests anscheinend bei Geimpften, sagte Drosten gegenüber "Bild": "Es sieht nach meiner vorläufigen Einschätzung so aus, als ob Infektionen bei Geimpften gerade in den ersten Tagen der Infektion nicht so gut durch den Antigen-Schnelltest nachzuweisen sind. Leider ist die Studienlage dazu aber noch nicht ausreichend."

    Unabhängig von der Zuverlässigkeit gilt zudem für jeden Test: Er ist nur eine Momentaufnahme. Selbst wenn das Ergebnis korrekt ist, kann es am nächsten Tag schon anders ausfallen. Zum Beispiel, wenn die Infektion sich erst vor wenigen Tagen ereignet hat und die Zahl der Viren in den Atemwegen gerade stark wächst.

    Fazit

    Antigen-Tests sind nicht besonders zuverlässig. Sie können aber ein nützliches Werkzeug sein: Bei Erkältungszeichen zeigen sie meistens richtig an, ob der Erkrankte Covid-19 hat oder nicht. Mit kontinuierlichen Tests lassen sich auch Ausbrüche in Gruppen wie Schulklassen früh erkennen und stoppen. Hier muss nicht jeder einzelne Test ein korrektes Ergebnis liefern. Es reicht, wenn frühzeitig erkannt wird, dass das Virus in der Gruppe zirkuliert.

    Ein einzelnes negatives Testergebnis ist jedoch keinesfalls ein Freibrief, sorglos unter Menschen zu gehen und alle Vorsichtsmaßnahmen fahren zu lassen. Abstand halten, Hygiene, Lüften und vor allem seine Kontakte reduzieren, senken das Ansteckungsrisiko und sind auch nach Test und Impfung weiter wichtig, solange die Pandemie nicht überstanden ist.

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