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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Marijan Murat

Corona-Schnelltests könnten helfen, dass wir wieder ein normales Leben führen könnten. Doch wie zuverlässig sind diese Antigen-Schnelltests im Vergleich zu den etablierten PCR-Tests?

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Corona-Schnelltests: Welche sind wirklich zuverlässig?

Abstrich, rasches Ergebnis - und wieder in die Schule, ins Pflegeheim, Kino und Theater: Schnelltests sollen bald Eintrittskarten für Orte sein, die in Corona-Zeiten zu meiden sind. Doch wie gut sind die Tests und welche Standards gelten? Ein FAQ.

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Von
  • Daniela Remus
  • Miriam Stumpfe

Bei Besuchern in Pflegeheimen werden Schnelltests bereits eingesetzt, für Freizeit- und Kultureinrichtungen sollen sie kommen, wenn Lockerungen möglich sind. Inzwischen gibt es sehr viele Produkte und Hersteller dieser Schnelltests, eine unabhängige Prüfstelle allerdings nicht.

Welche Tests wurden in der Cochrane-Studie untersucht?

Das Cochrane-Netzwerk, ein Zusammenschluss von Medizinern, hat alle Studien ausgewertet, die seit Sommer 2020 zu den Schnelltests gemacht wurden. In der Untersuchung geht es ausschließlich um Antigen-Schnelltests, die von Profis durchgeführt werden, nicht um Selbsttests für Laien. Bei diesen Schnelltests wird ein Nasen-Rachen-Abstrich gemacht wie bei den PCR-Tests. Eine Auswertung liegt innerhalb von fünfzehn Minuten vor.

Bei welchen Personen funktionieren Schnelltests zuverlässig?

Am besten funktionieren die Schnelltests bei Personen mit Symptomen, nicht bei den Asymptomatischen. Bei Menschen, die die Symptome erst seit einer Woche haben, sind diese Tests ziemlich zuverlässig. Sie können mit einer Sicherheit von 78 Prozent diejenigen herausfiltern, die tatsächlich Corona-positiv sind. Bei denen, die keine Symptome aufweisen, fällt das Testergebnis im Durchschnitt sehr viel schlechter aus: Nur 58 Prozent derjenigen, die trotzdem mit SARS-CoV-2 infiziert sind, wurden rausgefischt. Das heißt im Umkehrschluss: Mehr als 40 Prozent der Infizierten konnten mit den Tests nicht aufgespürt werden.

Welche Standards gelten für Schnelltests?

Es kommt immer darauf an, welcher Schnelltest verwendet wird. Es gibt Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO), allerdings entsprechen manche der untersuchten Tests nicht diesen Standards. Die WHO gibt vor, dass ein solcher Schnelltest eine Sensitivität von über 80 Prozent aufweisen sollte. Das heißt, er muss zu über 80 Prozent diejenigen herausfiltern, die tatsächlich infiziert sind. Gleichzeitig muss er zu über 97 Prozent ausschließen, wer nicht infiziert ist. Die Produkte der Anbieter, die vom Cochrane-Netzwerk untersucht wurden, weisen eine extreme Spannbreite auf. Es gibt Tests, die nur zu 34 Prozent Infizierte auslesen, andere dagegen liegen weit über 80 Prozent.

Nach welchen Kriterien werden Schnelltests zugelassen?

Die Liste der in Deutschland zugelassenen Schnelltests ist lang. Allerdings gibt es keine Behörde, die diese Tests nach einem bestimmten Verfahren prüfen würde. Keiner der Hersteller muss Studien, Zahlen oder Daten vorlegen. Sie bekommen einen bestimmten Normenregelungskatalog, den sie durcharbeiten und am Ende zertifizieren sie sich selbst. Eine unabhängige Qualitätskontrolle gibt es nicht. Genau das fordert aber das Cochrane-Netzwerk.

Wer könnte für die Qualitätssicherung zuständig sein?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist dafür nicht zuständig und kann nur Empfehlungen aussprechen beziehungsweise warnen, wenn Hersteller ihre eigenen Standards unterlaufen. Die Corona-Testzentren könnten intern die Tests evaluieren und feststellen, welche Tests die größte Sicherheit und Zuverlässigkeit haben, und dann dafür sorgen, dass auch nur diese eingesetzt werden.

Für welche Personengruppen sind die Schnelltests sinnvoll?

Die Schnelltests liefern innerhalb von 15 Minuten ein Ergebnis. Insofern sind sie zum Beispiel in Pflegeeinrichtungen interessant, weil sie Personen mit Symptomen und hoher Viruslast schnell auslesen. Und bei den Symptomlosen werden immerhin knapp 60 Prozent abgefangen. So wird verhindert, dass sie das Virus weitertragen. Allerdings darf man sich auch mit einem negativen Ergebnis nicht in Schein-Sicherheit wiegen: Die Schnelltests helfen im Pandemie-Geschehen, sind aber nicht so genau und zuverlässig wie ein PCR-Test, der im Labor ausgewertet wird.

Welche Schnelltests werden in Bayern eingesetzt?

In Bayern kommen laut einer Ministeriumssprecherin des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege ausschließlich Tests zum Einsatz, die beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet sind. Das sind derzeit Tests (Selbsttests und Schnelltest) von folgenden Unternehmen/Vertriebspartnern: Siemens, Roche, Abbott, technomed, Cerascreen, TY Capital.

Pflegeheimen ist es nach der Testvorgabe des Bundes möglich, sich selbst mit Tests zu versorgen, sodass das bayerische Gesundheitsministerium keine Aussagen darüber machen kann, welche Tests hier zum Einsatz kommen.

Was zeigt ein Schnelltest bei Geimpften und Genesenen an?

Antigen-Schnelltests zeigen ein positives Ergebnis, wenn sich SARS-CoV-2-Viren im Abstrich aus Rachen oder Nase befinden. Das ist nur bei einer akuten Infektion mit dem Coronavirus der Fall. Geimpfte haben normalerweise keine Coronaviren in den Atemwegen und Covid-19-Genese nicht mehr. Eine Impfung schützt aber nicht zu hundert Prozent vor einer Infektion. Wenn sich ein Geimpfter infiziert, hat er Viren in den Atemwegen und der Schnelltest zeigt möglicherweise ein positives Ergebnis. Geimpfte haben allerdings einen deutlich milderen Krankheitsverlauf oder gar keine Symptome. Zugleich sind in ihren Atemwegen auch deutlich weniger Viren zu finden. Die Menge kann so klein sein, dass sie unter der Nachweisgrenze eines Antigen-Schnelltests liegt und dieser dann ein negatives Ergebnis liefert. Vergleichbar ist die Situation bei Genesenen, die sich unter Umständen erneut mit dem Coronavirus infizieren können.

Nicht zu verwechseln sind die Antigen-Schnelltests mit den Antikörper-Tests, die mit einer Blutprobe feststellen können, ob jemand Antikörper gegen das Coronavirus gebildet hat, weil er vor kurzer Zeit damit infiziert war.

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